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18.10.2015

17:48 Uhr

Syrien

Assad macht Boden gut, US-Allianz tötet Terror-Chef

Während Assads Armee im Kampf gegen die Rebellen Boden gut macht, gelingt dem von den USA geführten Bündnis ein wichtiger Schlag im Kampf gegen den Terror. Derweil sollen russische Kampfjets Zivilisten getötet haben.

Russland gilt neben dem Iran als der engste Verbündete Assads und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen. ap

Syrische Frau küsst Putin-Plakat

Russland gilt neben dem Iran als der engste Verbündete Assads und unterstützt dessen Regime trotz westlicher Kritik seit Jahren mit Waffen.

Beirut/London/Teheran/Tel Aviv/WashingtonDie von der russischen Luftwaffe unterstützte syrische Armee macht offenbar deutliche Geländegewinne im Kampf gegen die Rebellen im Land. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte am Samstag mit, bei ihrer Offensive nahe der Stadt Aleppo habe die Armee drei Dörfer südlich der Stadt zurückerobert. Im Osten versuche sie, die Belagerung des Luftwaffenstützpunktes Kweires durch Extremisten des Islamischen Staates (IS) und Rebellen zu durchbrechen. Weitere Kämpfe gibt es um die nördlichen Provinzen Hama, Idlib und Latakia als auch um die von Rebellen kontrollierten Gebiete bei Homs und Damaskus sowie um die südliche Provinz Deraa an der Grenze zu Jordanien.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau flogen russische Kampfflugzeuge am Wochenende rund 75 Angriffe. Dabei seien etwa 100 Einrichtungen des IS getroffen worden. Russland widersprach zugleich der Darstellung des Westens, die Kampfeinsätze richteten sich auch gegen andere Gegner von Präsident Baschar al-Assad. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte, es gehe Russland nicht darum, Assad im Amt zu halten. Ziel sei die Niederschlagung des IS. Das syrische Volk bestimme selbst, wer das Land regiere. Das müsse nicht Assad sein. Syrien sollte aber nicht vom IS regiert werden.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die von Aktivisten betriebene Medienplattform Syrische Revolution in der Stadt Talbise in der Provinz Homs berichteten derweil. dass russische Jets vier Zivilisten getötet haben. Maschinen vermutlich russischer Herkunft hätten in dem Dorf al-Ghanto eine Trauergesellschaft bombardiert, hieß es. Zudem hätten syrische und russische Kampfflugzeuge ländliche Gebiete im Norden der Provinz angegriffen. Hubschrauber der Regierung hätten Fassbomben abgeworfen.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Das von den USA geführte Bündnis gegen die Terrormiliz Islamischer Staat bestätigte die Tötung eines Terrorführers in Syrien. Sanafi al-Nasr sei bereits am Donnerstag im Nordwesten des Landes getötet worden, erklärte das US-Militär. Er sei ein Führer der sogenannten Chorasangruppe gewesen, einer geheimen Zelle des Terrornetzwerks Al-Kaida, das in Konkurrenz zum IS steht. Al-Nasr habe jahrelang Geld beschafft und Kämpfer rekrutiert, hieß es. US-Verteidigungsminister Ash Carter sprach von einem bedeutenden Schlag.

Die Extremistengruppe Chorasan ist nach Überzeugung von US-Geheimdiensten ein Ableger der im syrischen Bürgerkrieg kämpfenden Al-Nusra-Front. Anders als die diese konzentrieren sich die Chorasan-Mitglieder demnach nicht auf den Kampf in Syrien, sondern auf die Planung von Terroranschlägen gegen westliche Staaten.

Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte bereits am Freitag den Tod von al-Nasr, der auf der US-Terrorliste steht, durch einen Luftangriff in der nordsyrischen Provinz Aleppo gemeldet. Bei dem Angriff seien auch zwei weitere ranghohe Mitglieder der Al-Nusra-Front getötet worden. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien; ihre Angaben können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

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