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05.05.2016

15:45 Uhr

Syrien

Assad will trotz Waffenruhe weiterkämpfen

Die Waffen in Aleppo schweigen, in der Stadt herrscht Anwohnern zufolge Ruhe. Assad kündigte allerdings an, nicht nachgeben zu wollen, bis die Rebellen besiegt seien. Der IS verbucht indes einen wichtigen Geländegewinn.

Das Schweigen der Waffen wird vom Westen als Voraussetzung für weitere Friedensgespräche gesehen. AFP; Files; Francois Guillot

Syrer in Hama

Das Schweigen der Waffen wird vom Westen als Voraussetzung für weitere Friedensgespräche gesehen.

AmmanDie Feuerpause im zuletzt heftig umkämpften syrischen Aleppo scheint weitgehend zu halten. In der Stadt herrschte am Donnerstag Anwohnern zufolge relative Ruhe. In Staatsmedien hieß es, die Regierungstruppen würden sich an die seit Donnerstag 01.00 Uhr (Mitternacht MESZ) für 48 Stunden geltende Waffenruhe halten. Präsident Baschar al-Assad erklärte allerdings, er werde nicht nachgeben, bis die Rebellen in Aleppo und anderswo vollständig besiegt seien. In einem Telegramm an den russischen Präsidenten Wladimir Putin bedankte er sich für die militärische Unterstützung und kündigte an, seine Einheiten würden bis zum „finalen Sieg“ weiterkämpfen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte berichtete von mindestens einem Toten durch einen Rebellenangriff in einem von Regierungseinheiten gehaltenen Stadtteil Aleppos. Auch in anderen Teilen Syriens hielten die Gefechte an. Extremisten der Miliz Islamischer Staat (IS) nahmen eigenen Angaben und Beobachtern zufolge das wichtigste Gasfeld im Osten des Bürgerkriegslandes ein. Es wäre ihr wichtigster Geländegewinn in der Region seit der Niederlage in der antiken Wüstenstadt Palmyra im März.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

In Aleppo nutzten die Anwohner den Waffenstillstand, um sich mit dem Nötigsten einzudecken. Es waren mehr Läden geöffnet als in den vergangenen zehn Tagen, in denen die nordwestliche Stadt heftig umkämpft und Dutzende Menschen getötet wurden. „Wir haben seit gestern Abend nichts mehr von dem Beschuss wahrgenommen, an den wir uns schon so gewöhnt hatten“, sagte ein Händler. „Schluss mit dem täglichen Töten.“ Andere Anwohner berichteten, in der Nacht seien zwar weiter Kampfflugzeuge über die Stadt geflogen, es habe aber keine Angriffe gegeben.

Die Waffenruhe in Aleppo war von den USA und Russland ausgehandelt worden. Das Schweigen der Waffen wird vom Westen als Voraussetzung für weitere Friedensgespräche gesehen. Die Verhandlungen zwischen Rebellen und Vertretern der Führung in Damaskus waren ins Stocken geraten. Streit hatte sich insbesondere an der künftigen Rolle Assads entzündet. Die Rebellen wollen ihn von jeder Übergangsregierung ausschließen, Assad lehnt dies ab.

In anderen Landesteilen gingen die Gefechte am Donnertag weiter. Erbittert gekämpft wurde unter anderem in der Stadt Chan Tuman im Süden der Provinz Aleppo. Aufständische erklärten, syrische Kampfhubschrauber hätten zudem Fassbomben über Dahjat al-Raschden al Junobi und bei Dschamijat al Sahraa abgeworfen. Beide Orte befinden sich unter Kontrolle von Rebellen. In Homs wurden staatlichen Medien zufolge mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag des IS getötet. Bei der Einnahme des Gasfeldes wurden nach einem Bericht der dem IS nahestehenden Nachrichtenagentur Amak mindestens 30 Soldaten getötet. Zudem hätten IS-Kämpfer große Mengen an schweren Waffen sowie Panzer und Raketen in ihre Gewalt bringen können.

Von

rtr

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