Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2012

15:30 Uhr

Syrien

Assads Armee verstärkt Angriffe auf Oppositionelle

Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad haben ihre Angriffe auf die Protestburg Homs verstärkt. Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Präsident Assad vor elf Monaten ist ein ranghoher Offizier getötet worden.

Panzerangriff: In der Stadt Homs kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Armee und Oppositionellen. AFP

Panzerangriff: In der Stadt Homs kommt es immer wieder zu Gefechten zwischen Armee und Oppositionellen.

Aman/BeirutIn Syrien ist staatlichen Medienberichten zufolge erstmals seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar Assad vor elf Monaten ein ranghoher Offizier getötet worden. Brigadegeneral Issa al Chuli sei erschossen worden, als er am Samstagmorgen sein Haus im Stadtteil Rukn Eddine in Damaskus verlassen habe, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SANA. Al Chuli war Arzt und leitete ein Militärkrankenhaus in der syrischen Hauptstadt. Damit hat die Gewalt die streng kontrollierte und bislang relativ ruhige Hauptstadt erreicht.

Indessen haben die Truppen von Präsident Baschar al-Assad nach Oppositionsangaben ihre Angriffe auf die Protesthochburg Homs verstärkt. Regierungsgegner sprachen am Samstag von mindestens 20 Toten nach starkem Panzer- und Raketenbeschuss. „Das ist das heftigste Feuer seit dem Angriff auf Homs, der vor sechs Tagen begann“, berichtete der Aktivisten-Vertreter Mohammad al-Hassan. Einige der Opfer seien beim Beschuss eines Hauses ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung war nicht zu bekommen. Syrien schränkt die Berichterstattung ausländischer Journalisten stark ein. Syrische Regierungstruppen hatten die Großoffensive auf Homs vor einer Woche gestartet, mit der sie die Kontrolle über von Rebellen gehaltene Gebiete in der Stadt wiedererlangen wollen. Nach Angaben von Aktivisten sind seither mehr als 400 Menschen getötet worden.

Das Satellitenbildunternehmen Digital Globe veröffentlichte Aufnahmen, auf denen Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge der syrischen Streitkräfte in Homs zu sehen sein sollen. Demnach wurden die Bilder am späten Freitagmorgen syrischer Zeit aufgenommen. Auf einigen der Fotos sei zu sehen, dass gepanzerte Fahrzeuge in der Nähe von Wohngebäuden stünden, sagte Stephen Wood, Direktor des Analysezentrums von Digital Globe.

Auch nahe der Hauptstadt Damaskus haben sich syrische Regierungstruppen am Samstagmorgen nach Angaben von Oppositionellen Kämpfe mit Deserteuren geliefert. Im Vorort Reef Damaskus seien Granateneinschläge und das Feuer schwerer Maschinengewehre zu hören, sagte der Aktivist Hani Abdullah. Informationen über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Auch aus Al-Kusair an der syrisch-libanesischen Grenze wurden Kämpfe gemeldet.

„Syrische Truppen nehmen Al-Kusair seit dem frühen Morgen unter schweren Beschuss, weil dorthin viele Aktivisten und Deserteure aus Al-Khalidijeh und Baba Amro (in der Unruheprovinz Homs) geflohen sind“, sagte der Aktivist Abu Raad. Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtete, kündigte das Innenministerium am Samstag an, den „Terrorismus auszulöschen“ und „diejenigen zur Strecke zu bringen, die die Sicherheit des Landes und der Bürger aufs Spiel setzen“.

Am Freitag waren in Syrien mindestens 90 Menschen getötet worden, darunter 28, die nach offiziellen Angaben einem Doppelanschlag in der nördlichen Stadt Aleppo zum Opfer fielen. Wie das Gesundheitsministerium mitteilte, wurden in Aleppo 235 Menschen verletzt. Während die staatlichen Medien „terroristische Gruppen“ für die Anschläge in der bis dato von den Unruhen weitgehend verschonten Stadt verantwortlich machten, beschuldigte die Opposition das Assad-Regime hinter der Tat zu stecken.Die US-amerikanische Verlagsgruppe McClatchy berichtete am Samstag unter Berufung auf US-Geheimdienstkreise, dass die verheerenden Anschläge sowohl in Aleppo als auch auf
Sicherheitseinrichtungen Ende Dezember in Damaskus mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Konto der irakischen Al-Kaida gehen. Im Kampf gegen die alawitische Führungsriege wolle das sunnitische
Terrornetzwerk seinen Einfluss ausweiten, hieß es.

Nach Angaben der US-Regierung suchen inzwischen immer mehr Mitglieder der syrischen Oberschicht - auch aus dem Umfeld des syrischen Präsidenten Assad - nach einem Weg ins Ausland oder bereiten bereits ihre Flucht vor. Man habe Informationen darüber, dass Mitglieder der Führungsschicht den oppositionellen Syrischen Nationalrat um Hilfe gebeten haben, um Geld außer Landes zu schaffen und Verwandte im Ausland in Sicherheit zu bringen, teilte das US-Außenministerium am Freitag mit.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

FrankO.

11.02.2012, 11:00 Uhr

"Doppelanschlag in der nördlichen Stadt Aleppo" siehe auch: http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/bombenattentate_in_aleppo_1.14964859.html; Die Schweizer Kollegen schreiben schon, wer hinter dem Anschlag steckt, das HB schweigt...

sj.bode

11.02.2012, 11:44 Uhr

Aus dem 30 Seitigen Bericht der Beobachterkommission der Arabischen Liga geht klar hervor, das die Anschläge weder von der Opposition noch von der Regierung verübt werden, sondern paramilitärische Truppen. Auch nutzen diese schwere Waffen, die der Opposition nicht zur Verfügung stehen. Diese beschießen Zivilisten wie auch Polizei, Staatsbedienstete und Militärs. Es sind unter den Opfern dieser paramilitärischer Truppen auch Kämpfer aus der lybischen "Revolution" identifiziert worden, sowie Waffen aus Lybischen Arsenalen. Wie kommen diese von Lybien nach Syrien? Warum wird das nicht in diesem Artikel geschrieben?

Putzfrau

11.02.2012, 13:42 Uhr

Mitunter könnte man gar zu dem Eindruck gelangen, da sei eine Truppe unterwegs, die mal eben Nordafrika und den nahen bis mittleren Westen aufräumen sollte.

Fein: super Öffentlichkeitsarbeit: das sollte man nochmal mit der Nato besprechen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×