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05.02.2012

15:51 Uhr

Syrien

Assads Regime setzt Angriffe unbarmherzig fort

VonMartin Gehlen

Internationale Proteste beeindrucken den syrischen Präsidenten nicht. Während in New York um eine Uno-Resolution gerungen wurde, bombardierten seine Truppen Hochburgen des Widerstands. Am Sonntag ging das Töten weiter.

Ein Foto aus syrischen Oppositionskreisen zeigt die Opfer des Bombardements auf Homs am Samstag. dapd

Ein Foto aus syrischen Oppositionskreisen zeigt die Opfer des Bombardements auf Homs am Samstag.

KairoAuch kurz vor der Abstimmung in New York hatte die syrische Armee nach Angaben von Menschenrechtsgruppen am Samstag in der Stadt Homs ein bisher beispielloses Massaker an Bewohnern verübt. Stundenlang und systematisch wurden die sunnitischen Wohnviertel Khalidiyeh, Bab Amr und Qusur mit schwerer Artillerie und Panzerraketen unter Feuer genommen. Wie die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ in London und der „Syrische Nationalrat“ bestätigten, starben mindestens 230 Menschen in ihren Häusern, von denen dutzende total zerstört wurden. Über tausend Bewohner wurden verletzt, darunter viele Frauen und Kinder.

Das Regime in Damaskus bestritt diese Berichte und tat sie als „hysterische Propaganda-Kampagne bewaffneter Gruppen“ ab. Die Toten „auf den Bildern der Satellitenkanäle“ seinen in Wirklichkeit von Bewaffneten entführt und hingerichtet worden. In den vergangenen Monaten wurden bei Protesten gegen das Assad-Regime laut Uno mehr als 5.400 Menschen getötet.

Amateurvideos aus Homs zeigten panische Szenen aus der Moschee des bombardierten Stadtteils Khaldiyeh, die als provisorische Notaufnahme für Verletzte hergerichtet worden war. Auf dem Boden des Gotteshauses waren auch zahlreiche Tote zu sehen. Andere Bilder dokumentierten die verzweifelten Versuche von Bewohnern, ihre brennenden Häuser zu löschen.

Homs, das teilweise aussieht wie eine Ruinenstadt, gilt seit Monaten als Hochburg des Widerstands gegen das Assad-Regime. Ganze Straßenzüge sind bereits unter der Kontrolle der „Freien Syrischen Armee“, andere Viertel nach wie vor im Griff des Regimes. Möglicherweise ist das Massaker eine Vergeltungsaktion für den Überfall von Deserteuren auf einen Armeeposten im Stadtteil Khaldiyeh, bei dem 19 Soldaten getötet oder gefangen genommen wurden.

Russland und China stoppen Syrien-Resolution

Video: Russland und China stoppen Syrien-Resolution

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Aus Protest gegen das Blutvergießen stürmten Regimegegner in zahlreiche europäischen und arabischen Hauptstädten die syrischen Botschaften und verwüsteten das Inventar. Den schwersten Schaden nahm die Vertretung in Kairo im Stadtteil Garden City. Die Demonstranten zündeten das Gebäude an, es brannte teilweise aus. Tunesien kündigt an, den syrischen Botschafter des Landes zu verweisen und forderte alle anderen arabischen Staaten auf, das Gleiche zu tun.

Nach Angaben der Opposition ging in Syrien auch am Sonntag das Töten weiter. Mehr als 50 Menschen starben in allen Teilen des Landes, viele durch Scharfschützen, die Trauerzüge unter Feuer nahmen. Die „Freie Syrische Armee“ erklärte durch einen Sprecher, die Moral der regulären Truppen werde immer schlechter. Viele Einheiten seien in einem „erbärmlichen Zustand und stehen kurz vor dem Kollaps“.

Sanktionen gegen Syrien

Zehn Monate Gewalt

Seit zehn Monaten sterben in Syrien täglich Menschen durch die Gewalt des Regimes. Doch der UN-Sicherheitsrat blieb bislang sprachlos. Dabei gab es mehrere Versuche des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen, Syrien zu verurteilen.

Mai 2011

Schon im Mai versuchten die vier EU-Europäer im Rat - neben Deutschland sind das noch Portugal und die beiden Vetomächte Großbritannien und Frankreich - eine Resolution auf die Beine zu stellen. Das Regime sollte formell verurteilt werden, Sanktionen enthielt das Papier aber nicht. Weil mehrere Länder - vor allem Russland und China, aber auch Indien, Brasilien und Südafrika - Widerstand andeuteten, kam der Entwurf gar nicht erst zur Abstimmung.

August 2011

Im August meldete sich der Sicherheitsrat zwar zu Wort, aber nur in einer Präsidentiellen Erklärung. Das ist eine offizielle Mitteilung, die weit weniger wert ist als eine Resolution. Zudem hat sie nur appellativen Charakter. Konsequenzen bei Nichtbefolgung: Keine.

Oktober 2011

Im Oktober versuchten es die Europäer abermals mit einer Resolution, die sie trotz zu erwartenden Widerstands zur Abstimmung brachten. Obwohl auch dieses Papier keinerlei Strafen enthielt und es eine Mehrheit der Mitglieder fand, blockierten Russland und China mit einem aufsehenerregenden Veto die Kritik an ihrem Waffenkunden Syrien. Der Vorfall führte zu Verstimmungen zwischen westlichen Ländern und Russland und China.

2012

Der jetzige dritte Versuch einer Resolution hat die bislang besten Chancen, weil er von Europäern und Arabern gemeinsam vorgebracht wird. Es ist zugleich der stärkste aller bisherigen Entwürfe, der sogar einen teilweisen Amtsverzicht von Präsident Baschar al-Assad fordert. Allerdings: Als Veto-Macht kann Russland jede noch so große Mehrheit stoppen.

Kommentare (11)

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ThomasGuntherMainz

05.02.2012, 15:59 Uhr

Die deutschen Medien setzen Angriffe unbarmherzig fort!

Thomas-Melber-Stuttgart

05.02.2012, 16:17 Uhr

Es wäre wohl ein leichtes, einfach einmal nach Homs zu fahren und nachzusehen, ob sich die Schäden an Gebäuden feststellen lassen und vielleicht auch Verletzte in den Krankenhäusern besuchen. Das nennt sich "Ortstermin" und ist durchaus guter journalistischer Brauch. Auch Diplomaten gibt es noch in Syrien.

Dr.we

05.02.2012, 16:48 Uhr

Schlimm für die Syrer, die anlässlich des von CIA & Mossad angezettelten "Arabischen" Frühlings an eine Intervention geglaubt haben. Dabei ist es doch so offensichtlich, dass die USA und Israel nur ihren Rücken frei haben wollen, um den Iran zu bombardieren. Nun auf zum 3. Krieg. Nur Russland und China begreifen das während unsere Meinungsträger dem US Blödsinn geradezu vorwegblöken.

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