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29.03.2017

12:10 Uhr

Syrien

Belagerte Städte sollen evakuiert werden

Die syrische Regierung und die Rebellen wollen die Bewohner mehrerer belagerter Ortschaften austauschen. Im diesem Zuge gelte auch eine Waffenruhe. Assad erzielt dank Russland und Iran weitere militärische Erfolge.

Dieses vom IS Sprachrohr Amak (Aamaq) veröffentlichte Bild zeigt die syrische Stadt Al-Rakka im März 2017. Etwa 300.000 Zivilisten sitzen in dieser de facto Hauptstadt des IS in der Falle. dpa

Al-Rakka

Dieses vom IS Sprachrohr Amak (Aamaq) veröffentlichte Bild zeigt die syrische Stadt Al-Rakka im März 2017. Etwa 300.000 Zivilisten sitzen in dieser de facto Hauptstadt des IS in der Falle.

BeirutIn Syrien haben sich Regierung und Rebellen auf einen Bevölkerungsaustausch in mehreren belagerten Ortschaften geeinigt. Die schiitischen Einwohner der Ortschaften Al-Fua und Kefraja im Nordwesten des Landes sollten gegen schiitische Rebellen und ihre Familien aus den Orten Sabadani und Madaja ausgetauscht werden, berichteten die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und ein Regierungsvertreter.

Die Aktion solle am 4. April beginnen, sagte der Regierungsvertreter. Bei den Rebellen war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Als Teil der Vereinbarung gelte seit Dienstag eine Waffenruhe, hieß es in Regierungskreisen. Am Mittwoch war es in den betroffenen Regionen Beobachtern zufolge ruhig. Die beiden schiitischen Orte Al-Fua und Kefraja werden von Rebellen, die von der Opposition kontrollierten Städte Sabadani und Madaja in der Nähe der Grenze zum Libanon von regierungsnahen Truppen belagert. Mit Unterstützung Russlands und des Iran hat die Regierung von Baschar al-Assad zuletzt militärische Erfolge verzeichnet. Dabei willigte sie auch in eine Reihe von Abkommen ein, mit denen Rebellen der Abzug in den Norden des Landes nahe der türkischen Grenze ermöglicht wurde. Die Opposition sieht darin eine gezielte Politik, um die Gegner Assads gewaltsam aus der Nähe der Großstädte im Westen des Landes zu vertreiben.

Von

rtr

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