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07.09.2016

17:09 Uhr

Syrien

Bürgerkrieg treibt weitere 100.000 Menschen in die Flucht

Das Leid der Zivilisten in Syrien nimmt kein Ende: Immer wieder werden Menschen wegen Gefechten in ihren Wohngebieten obdachlos. Die Zahl der Notunterkünfte in der Umgebung reicht nicht aus.

Terror und Krieg treiben die Menschen in Syrien weiterhin in die Flucht. dpa

Ein Vorort von Damaskus

Terror und Krieg treiben die Menschen in Syrien weiterhin in die Flucht.

GenfInnerhalb von nur acht Tagen sind nach UN-Angaben in der syrischen Provinz Hama durch Kämpfe etwa 100.000 Menschen vertrieben worden. Das UN-Nothilfebüro (OCHA) teilte am Dienstag mit, fast die Hälfte der Menschen, die vom 28. August bis 5. September flüchten mussten, seien mittlerweile in der benachbarten Provinz Idlib eingetroffen. Wegen des Mangels an Schutzunterkünften müssten viele Familien draußen in Parks übernachten.

Die Vereinten Nationen hätten einen Konvoi mit lebensrettenden Gütern nach Hama geschickt, hieß es weiter. In ländlichen Gebieten seien Dutzende Schulen und in der Stadt Hama vier Moscheen zu vorübergehenden Schutzunterkünften umfunktioniert worden.

Aufständische unter Führung der ultrakonservativen islamischen Gruppe Dschund al-Aksa und mehrerer Splittergruppen der vom Westen unterstützten Freien Syrischen Armee waren vor gut einer Woche auf die Stadt Hama vorgerückt. Dabei nahmen sie bei heftigen Kämpfen Stellungen der Regierung nördlich davon ein.

Die Gefechte und Luftangriffe trieben Zehntausende Menschen in die Flucht, die meisten aus Gebieten unter Regierungskontrolle. Sie befürchteten eine harte Reaktion der Regierung auf die Offensive der Aufständischen, erklärte Ahmad al-Ahmad, ein Aktivist aus Hama. „Wo immer das Regime aus einer Gegend vertrieben wird, zerstört es sie schließlich“, erklärte er.

Die Türkei könnte sich nach einem Vorschlag ihres Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an einer Operation zur Befreiung der syrischen Stadt Rakka aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat beteiligen. US-Präsident Barack Obama habe das Thema beim jüngsten G20-Gipfel in China angesprochen, berichteten die Zeitung „Hürriyet“ und andere türkische Blätter am Mittwoch unter Berufung auf Erdogan. „Obama will bezüglich Rakka einiges gemeinsam tun. Wir sagten, das wäre aus unserer Sicht kein Problem“, erklärte Erdogan demnach Journalisten auf dem Rückflug von China.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Nach einem mutmaßlichen Chlorgasangriff auf von Rebellen kontrollierte Gebiete von Aleppo ist in der Nacht zum Mittwoch ein 29-Jähriger seinen Verletzungen erlegen, wie Mohammed Abu Dschaafar, der Leiter der Gerichtsmedizin in Aleppo, sagte. Der Mann sei auf der Intensivstation behandelt worden, erklärte Hamsa al-Chatib, Leiter eines medizinischen Zentrums in der Stadt.

Nach Darstellung von Aktivisten und Rettungskräften wurden am Dienstag mindestens 70 Menschen verletzt, als Hubschrauber der Regierung mutmaßliche Chlorgasbehälter über dem Viertel Al-Sukkari abwarfen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Unklar war auch, wie die Aktivisten feststellten, dass es sich um Chlorgas gehandelt haben soll. Regierungstruppen und Rebellen werfen sich gegenseitig vor, Chlor und andere Gase im syrischen Bürgerkrieg zu verwenden.

Von

ap

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