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10.03.2016

16:41 Uhr

Syrien

„Der gefährlichste Ort für Kinder auf der Welt“

Kinder sind in Syrien nirgendwo sicher – trotz der Waffenruhe, stellt Unicef fest. Die Uno-Organisation beklagt außerdem, dass immer häufiger Kinder und Jugendliche als Kämpfer rekrutiert werden.

Seit fünf Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Seitdem hat sich das Land zum gefährlichsten Ort für Kinder entwickelt. dpa

Alltag in Damaskus

Seit fünf Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Seitdem hat sich das Land zum gefährlichsten Ort für Kinder entwickelt.

BerlinDer Syrien-Krieg bringt derzeit so viel Leid über die Menschen wie kein anderer Konflikt. Zu diesem Ergebnis kommt das Uno-Kinderhilfswerk (Unicef) in einer aktuellen Bestandsaufnahme zum fünften Jahrestag des Beginns des Aufstandes. Trotz der jüngst erreichten, brüchigen Waffenruhe sei Syrien derzeit der „gefährlichste Ort für Kinder auf der Welt“, sagte die Unicef-Nothilfekoordinatorin Geneviève Boutin am Donnerstag nach einem Gespräch mit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Berlin.

Der CSU-Politiker warnte mit Blick auf den Andrang der Flüchtlinge in Europa: „Es werden Millionen herkommen, wenn wir nicht bereit sind, mehr zu tun vor Ort.“ Die Versorgung und Integration der Neuankömmlinge werde hierzulande mindestens 25 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Mit einem Bruchteil dieses Geldes könne man in den Herkunftsländern und in Nachbarländern, die Flüchtlinge aufgenommen haben, ungleich mehr erreichen. Müller rief die EU-Staaten auf, sich stärker zu engagieren. Wer keine Flüchtlinge aufnehmen wolle, solle wenigstens in einen Wiederaufbaufonds für Krisenregionen einzahlen.

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Waffenruhe

In dem Text heißt es, eine Feuerpause werde binnen einer Woche in Kraft treten, und zwar „nach der Bestätigung durch die syrische Regierung und die Opposition“. Obwohl es eine solche bislang von beiden Seiten nicht gegeben hat, gehen Diplomaten davon aus, dass die Frist für die Waffenruhe an diesem Freitag ausgelaufen ist.

Allerdings ging die Gewalt in mehreren Teilen Syriens weiter. In den Tagen zuvor hatte vor allem die russische Luftwaffe nach Angaben von Aktivisten ihre Angriffe intensiviert, um die Regime-Anhänger gegen Rebellen zu unterstützen. Ausgenommen von der Feuerpause sind nur Kämpfe gegen Extremisten etwa der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida.



Hilfslieferungen

Die Einigung sieht zudem humanitäre Hilfe für sieben belagerte Gebiete vor, in denen Zehntausende Menschen akut unter Mangelversorgung leiden. In fünf Orten kamen in dieser Woche Hilfskonvois mit Nahrung und Medizin an. Die Lieferungen sollen nach UN-Angaben in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen. Zudem laufen Vorbereitungen, die vom IS eingeschlossenen Teile der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur aus der Luft zu versorgen.

Friedensverhandlungen

Die Anfang Februar ausgesetzten Gespräche zwischen Regierung und Opposition sollen vorangetrieben werden. Allerdings ist völlig unklar, wann sie weitergehen können. Der zunächst angedachte Termin 25. Februar ist unrealistisch.

Boutin sagte, von der einen Milliarde Euro, die Unicef 2016 für die Versorgung und Schulbildung von Kindern in Syrien und den Nachbarländern benötige, hätten Geber bis jetzt erst sechs Prozent bereitgestellt. Sie würdigte Deutschland als einen der wichtigsten Geberstaaten.

Der Aufstand in Syrien hatte im März 2011 mit friedlichen Demonstrationen gegen Menschenrechtsverletzungen begonnen. Das Regime von Präsident Baschar al-Assad reagierte damals mit militärischer Gewalt, so dass der Konflikt binnen weniger Monate in einen Krieg ausartete, an dem heute auch Terrorgruppen, die USA und Russland beteiligt sind.

Unicef stellt seit einiger Zeit eine verstärkte Rekrutierung von minderjährigen Kämpfern in Syrien fest. Kinder und Jugendliche würden von Terroristen, Rebellen, regierungstreuen Milizen und auch von kurdischen Verbänden in den Krieg geschickt, erklärte Boutin. Sie sagte: „Wie oft haben wir in den vergangenen Jahren gesagt, dass es für die Menschen in Syrien nicht mehr schlimmer kommen kann“ – die Realität habe dann aber immer gezeigt, dass diese Einschätzung falsch gewesen sei.

Von

dpa

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