Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2013

18:57 Uhr

Syrien

Deutschland will bei C-Waffen-Beseitigung helfen

Welches Land nimmt die 1000 Tonnen Chemiewaffen aus Syrien vorerst auf? Und wo sollen die tödlichen Kampfstoffe anschließend zerstört werden? Deutschland ist zur Mithilfe bereit – aber nicht im eigenen Land.

Der amtierender Außenminister, Guido Westerwelle, hat Deutschlands Hilfe bei der Vernichtung der syrischen Chemiwaffen wie Giftgas zugesagt. dpa

Der amtierender Außenminister, Guido Westerwelle, hat Deutschlands Hilfe bei der Vernichtung der syrischen Chemiwaffen wie Giftgas zugesagt.

BrüsselDie Bundesregierung will bei der Zerstörung von rund 1000 Tonnen Chemiewaffen aus Syrien helfen, diese Waffen aber nicht nach Deutschland bringen lassen. „Deutschland steht bereit, sich an der Vernichtung der Chemiewaffen technisch, logistisch und finanziell zu beteiligen“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Montag in Brüssel am Rande eines Treffens der EU-Außenminister.

Allerdings sollten die Waffen nicht in Deutschland selbst vernichtet werden. „Wenn ich mir das technisch - auch von den Entfernungen, von den geografischen Strecken her - ansehe, dann denke ich, macht eine solche Diskussion gar keinen Sinn“, sagte Westerwelle. Die UN-Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sucht nach einem Ort für die Vernichtung der tödlichen Kampfstoffe, nachdem Albanien seine zunächst erklärte Bereitschaft zurückgezogen hatte.

„Ich will nichts Anderes sagen, als dass aus unserer Sicht die Frage „in Deutschland?“ sich nicht stellt, weil es wirklich aus unserer Sicht weit geeignetere Regionen und Wege gibt“, sagte Westerwelle. Welche Regionen dies seien, sagte er nicht. Die Gespräche der OPCW müssten jetzt sehr schnell dazu genutzt werden, „um eine neue Örtlichkeit, eine neue Region zu identifizieren“. Dem Plan der OPCW zufolge sollen alle chemischen Substanzen, mit denen Waffen hergestellt werden können, bis zum 5. Februar 2014 aus Syrien abtransportiert sein.

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Westerwelle sagte, Deutschland habe hinsichtlich der Vernichtung von Chemiewaffen eine große technische Expertise: „Wir haben die Fähigkeiten, wir haben gezeigt, dass wir damit auch sehr verantwortungsvoll umgehen. Wir haben die Firmen, die das können. Und deswegen ist das ja schon ein wichtiges Angebot.“ Dies sei eine hoch komplizierte Aufgabe: „Es gibt ja nicht so viele, die wirklich die technologische Fähigkeit besitzen, in sicheren kontrollierbaren Umständen Chemiewaffen tatsächlich rückstandslos zu vernichten und dann auch zu entsorgen.“

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

StefanMerk

19.11.2013, 08:04 Uhr

Die Rechnung soll nicht nach Syrien, sondern bitte an die Staaten die dafùr gestimmt haben dass Syrien Chemiwaffen abrüsten muss.
Außerdem ist es eine farce dass gerade die Länder dafür stimmten die ebenfalls Chemiwaffen entweder Verkaufen oder selber welche Besitzen. Eine Perversität !!!

N_K

19.11.2013, 08:09 Uhr

"Deutschland will bei C-Waffen-Beseitigung helfen"

Kann es sein, daß Deutschland auch bei der Befähigung zur Herstellung solcher Waffen beteiligt war? Dann würden ein paar "Spezialisten" ja gleich zwei Mal verdienen:
1. Bei der Beschaffung
2. Bei der Beseitigung
Grüßter "Freuden-Genießer":
Der Deutsche Steuerzahler

Account gelöscht!

19.11.2013, 09:08 Uhr

"Kann es sein, daß Deutschland auch bei der Befähigung zur Herstellung solcher Waffen beteiligt war?"
---
Befähigung? Solche Gifte kann jeder zusammenrühren, der in der Basisvorlesung "Organische Chemie" nicht geschlafen oder mit dem Nachbarn Schiffe versenken gespielt hat. Die Chemie dazu ist ausgesprochen primitiv und ggf. im Web zu finden, wenn die geistigen Fähigkeiten zum Verständnis eines Lehrbuches nicht reichen. Dazu reicht bei etwas bösartiger Phantasie und und einer gehörigen Portion Leichtsinn eine Hinterhofgarage und ein paar Glasgeräte.
Der Knackpunkt bei dieser Art Giften ist die Vernichtung frei nach dem Motto "Die Geister, die ich rief...". Dabei entstehen nämlich schon mal gerne Dioxine, von der grundsätzlichen Toxizität und den daraus resultierenden Vorsichtsmaßnahmen mal ganz zu schweigen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×