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31.08.2013

17:59 Uhr

Syrien

Die Lage spitzt sich zu

Während der Machtpoker vor einem möglichen Militärschlag der USA gegen das Assad-Regime weitergeht, sorgen sich Syrer vor einem weiteren Giftgas-Angriff als Racheakt. Die Bundesregierung warnt vor Reisen in den Libanon.

Menschen in Syrien auf der Flucht: Die Bevölkerung ist in Sorge vor Folgen eines möglichen Militärschlages. dpa

Menschen in Syrien auf der Flucht: Die Bevölkerung ist in Sorge vor Folgen eines möglichen Militärschlages.

Beirut/Amsterdam/BerlinIn den Vororten von Damaskus üben Ärzte mit ihren Teams den Ernstfall. Sie versuchen zudem, sich von Hilfsorganisationen geschickte Medikamente und Sauerstoffflaschen zu sichern, um Giftgas-Opfer zu behandeln. "Wir fürchten einen weiteren Chemiewaffen-Angriff als eine Art Rache auf einen Militärschlag des Auslands", sagte Abu Akram, Arzt in einem von Rebellen kontrollierten Vorort der Hauptstadt, am Samstag.

Schon seit Tagen decken sich viele Einwohner von Damaskus mit dem Nötigsten ein, weil sie Versorgungsengpässe fürchten, oder sie versuchen, sich an militärisch weniger sensiblen Orten in Sicherheit zu bringen.

Ein Mann in Damaskus versuchte, seine wichtigen persönlichen Dinge wie Pässe oder andere Dokumente in Sicherheit zu bringen. Mit einer prall mit Unterlagen gefüllten Tasche in der Hand sagte er, er wisse nicht, wo er diese verstecken solle. "Im Haus meiner Eltern, bei meinen Schwiegereltern, im Büro? Ich weiß nicht, wo es sicherer ist."

Die syrische Bevölkerung lebt seit Monaten in Angst vor Angriffen und Bombenanschlägen. In dem Bürgerkrieg sind bereits mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen.

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Unterdessen kamen die UN-Waffeninspektoren im niederländischen Rotterdam an, wie ein Vertreter des dortigen Flughafens bestätigte. Die Inspekteure würden die von ihnen mitgebrachten Proben an verschiedene Laboratorien zur Untersuchung geben, erklärte die in Den Haag ansässige Organisation zum Verbot chemischer Waffen. Die Experten waren am Morgen von Syrien in den Libanon gereist und flogen von dort mit einer von Deutschland gecharterten Maschine weiter in die Niederlande.

Angesichts der angespannten Lage in der Region hat das Auswärtige Amt die Reisehinweise für Syriens Nachbarland Libanon verschärft. Aktuell werde von Reisen in das gesamte Land abgeraten, teilte das Ministerium am Samstag auf seiner Website mit. Die nachdrückliche Warnung vor Reisen in den Nordlibanon, die wegen der Gefahr spontaner Auseinandersetzungen der Bewohner schon zuvor bestanden hatte, hielt das Auswärtige Amt aufrecht.

Der Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien spaltet auch den Libanon. Ein Teil der Bevölkerung unterstützt wie die schiitische Hisbollah-Miliz die syrische Führung, andere Libanesen stehen hingegen hinter den Rebellen, die gegen Syriens Staatschef Baschar al-Assad kämpfen. Derzeit ist die Lage besonders gespannt.

Expertengespräch über Giftgas-Inspektionen

Wie kann man Chemiewaffen vor Ort eigentlich nachweisen?

„Wenn man einen Kampfstoffeinsatz nachweisen will, dann muss man den Stoff irgendwie finden. Das heißt, man muss Proben nehmen und man muss sie analysieren lassen und schauen, ob man in diesen Proben Kampfstoffspuren oder Abbauprodukte von Kampfstoffen findet.“

Stefan Mogl (48), Experte für chemische Waffen beim Schweizer Bundesamt für Bevölkerungsschutz, im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Wovon genau nehmen die Inspekteure Proben?

„Man kann zwei Gruppen unterscheiden. Klinische Proben sind Proben von exponierten Personen. Von Überlebenden würde man Urinproben oder Blutproben nehmen. Man kann auch von Verstorbenen gewisse Proben nehmen. Diese biomedizinische Analytik ist eine Spur anspruchsvoller als die Analytik von Umweltproben. Das ist dann die zweite Gruppe, Umweltproben ist ein Überbegriff für so ziemlich alles, was mit dem Kampfstoff in Berührung hätte kommen können. Bodenproben von der Einschlagstelle der Munition, Wischproben vom Munitionskörper, Kleidungsstücke von exponierten Personen oder Oberflächenproben aus Räumen.“

Können die Proben vor Ort untersucht werden?

„Generell wären die Inspektoren imstande, auch vor Ort eine gewisse Analytik durchzuführen. Ich würde im vorliegenden Fall davon ausgehen, dass das Team nur dazu vorbereitet ist, die Proben zu verpacken und direkt zu versenden. Das wäre viel zu kompliziert und vielleicht auch zu gefährlich, das vor Ort machen zu wollen.“

Kann man auch herausfinden, wer die Kampfstoffe verwendet hat?

„Generell ist es sicher nicht einfach, eine Schuldzuweisung zu machen. Der erste Schritt wird sein, herauszufinden, ob ein Kampfstoff eingesetzt wurde oder nicht. Wenn man die Bestätigung hat, dann muss man versuchen, das über die Munition, über Gefechtsbeobachtung zu etablieren. Aus welcher Richtung wurde geschossen? Aus welchem Gebiet kam die Munition? Wer hatte die Möglichkeit, diese Munition zu schießen? Aber das ist wahrscheinlich nicht einfach. Es kommt sehr auf die Munition an - wenn man welche findet.“

Wie schnell kann man mit Ergebnissen rechnen?

„Ich würde schon mindestens eine Woche veranschlagen, damit man auch eine umfangreiche, seriöse Analytik durchführen kann. Die ersten Resultate sind vielleicht sehr schnell da, aber ich denke mal, dass sich jedes Labor, das mit solchen Proben bedient wird, ganz genau absichern wird, dass die Analysen voll verlässlich sind. Aber das ist Spekulation. Bei uns im Labor würde es ein paar Tage dauern.“

Es gibt Bedenken, dass Beweise vernichtet längst sind. Ist das möglich?

„Gerade bei den Umweltproben ist es entscheidend, dass die Inspekteure an den Ort kommen, wo die Munition wirklich angekommen ist. Wenn sie freies Geleit haben und dort hinkommen, wo die Munition auch eingeschlagen ist, dann kann man das noch nachweisen.“

Und wie sieht es mit klinischen Proben von Menschen aus?

„Die Spitäler kennen das mittlerweile ja auch, die haben wahrscheinlich schon Proben sichergestellt von Patienten. Man kann natürlich im Nachhinein immer behaupten, jemand hätte den Proben noch etwas hinzugefügt. Wenn sie nichts finden in der Probe, dann ist die Sache einfach. Aber wenn sie eine Probe analysieren und es war etwas drin, dann muss man lückenlos beweisen, dass die Proben durch eine unabhängige Organisation genommen und dann versiegelt wurden. Sonst bleibt immer die Möglichkeit, dass jemand behaupten kann, diese Probe sei manipuliert worden.“

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

31.08.2013, 18:37 Uhr

Hier eine sehr pointierte Analyse des US-Schwindels um Syrien:

http://equapio.com/de/politik/dritter-weltkrieg-endlich-3-weltkrieg/

Einschließlich der absurden Situation, daß die USA die offiziellen Verantwortlichen von 9-11 "Al-Kaida" unterstützen!
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen - wie absurd die "Story" von Obama mittlerweile ist!

und hier ein Update: die "Rebellen" waren es offensichtlich.
Die "Beweise" der USA bröckeln nicht nur, sie verkehren sich in ihr Gegenteil, wie auch damals schon bei Mai 2013 False Flag Giftgas Vorfall (der seltsamerweise diesmal völlig unter den Teppich gekehrt wird - weil es ebenfalls die "Rebellen" waren und das Gas aus saudischer Produktion)

Da mittlerweile offenbar die Unschuld der syrischen Regierung BEWIESEN werden muß, damit nicht bombadiert wird - und nicht etwa ihre Schuld, hier sind Belege, daß die "Rebellen" und ihre Finanzierer die Saudis dahinterstecken:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/paul-joseph-watson/rebellen-raeumen-verantwortung-fuer-chemiewaffenangriff-ein.html

Hier ist der Original-Artikel der Information, für diejenigen, die am Kopp-Verlag herummäkeln müssen - er stammt von einem Mitarbeiter von Associated Press (AP) einer sehr "etablierten" Nachrichtenagentur (um zu untertreiben, die läßt nämlich sogar Obama abhören):

http://www.mintpressnews.com/witnesses-of-gas-attack-say-saudis-supplied-rebels-with-chemical-weapons/168135/

Account gelöscht!

31.08.2013, 20:54 Uhr

Die Geschichte mit dem Saudi-Prinz Bandar und seinen Tschetschen-Terroristen kann man jetzt auch auf Deutsch lesen (nicht nur im englischen Telegraph):

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/08/31/schmutzige-deals-worum-es-im-syrien-krieg-wirklich-geht/

Peter

31.08.2013, 21:21 Uhr

Hier ein interessanter Artikel über die wahren Hintergründe warum Obama Syrien angreifen will: http://www.godmode-trader.de/nachricht/Erst-Syrien-dann-der-Iran,a3155657.html

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