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18.04.2016

20:15 Uhr

Syrien

Die schwierige Rückkehr nach Palmyra

Minen, Trümmerwüste, fehlendes Wasser und kein Strom: Wer aus Palmyra geflüchtet ist, kann vorerst nicht zurückkehren. Einige Syrer trauen sich für ein paar Stunden zurück, um in ihren Häusern nach dem Rechten zu sehen.

Palmyra ist unbewohnbar. Frühere Bewohner kehren zurück, um von ihren Besitztümern etwas zu retten. AP

Bewohner von Palmyra

Palmyra ist unbewohnbar. Frühere Bewohner kehren zurück, um von ihren Besitztümern etwas zu retten.

PalmyraAls die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat vor knapp einem Jahr die syrische Stadt Palmyra überrannten, flüchtete Maha Aberrasak wie Zehntausende andere verängstigte Bewohner nach Westen. Vielen blieb wenig mehr als die Kleidung, die sie am Leib trugen. In der vergangenen Woche zählte die 22-Jährige zu den einigen Hundert Geflüchteten, die nach der Vertreibung der Islamisten für kurze Zeit in ihre Heimatstadt zurückkehrten und nach ihren Wohnungen sahen.

Sie kamen, um einige Dinge ihres Hausrats wie Teppiche, Decken, einen Kühlschrank oder Erinnerungsstücke mitzunehmen. Es gibt in der Stadt weder Wasser noch Strom, und es wird Monate dauern, bis Bewohner dauerhaft in die Stadt zurückkehren können. Ihr Schicksal schlug sich in der internationalen Berichterstattung bislang kaum nieder, mehr Beachtung fanden die Zerstörungen, die die Extremisten an den antiken Stätten aus der Römerzeit angerichtet haben.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

In der Ruinenstadt, einem Weltkulturerbe der Unesco vor den Toren der modernen Stadt Palmyra, hat die Terrormiliz einige der berühmtesten Bauten gesprengt, darunter den Triumphbogen und Teile des Baaltempels. Die Zerstörungen machten weltweit Schlagzeilen. „Ich verstehe das, die Ruinen sind überwältigend“, sagt Abderrasak und lächelt scheu. Einige ihrer Nachbarn zeigen weniger Verständnis. Sie finden, ihr Leid werde zu wenig beachtet von einer Welt, die nur auf Ruinen und Steine fixiert sei.

Die Oasenstadt wurde Ende März von syrischen Regierungstruppen mit Hilfe verbündeter Milizen und russischer Luftangriffe zurückerobert. Als sich der IS nach zehn Monaten zurückzog, hinterließ er Tausende Minen und Sprengfallen, sowohl in der Stadt als auch in der archäologischen Stätte. Der Zutritt zu den Ruinen ist derzeit gesperrt, ein Team der russischen Streitkräfte räumt dort weiterhin Minen. Regelmäßig sind Detonationen zu hören, die Straßen in der Nähe des Palmyra-Museums weisen von kontrollierten Sprengungen gerissene, große Krater auf.

Die Bewohner, die in Autos und Regierungsbussen aus dem 160 Kilometer entfernten Homs in den modernen Teil Palmyras anreisten, hatten am Donnerstag nur wenige Stunden Zeit, um nach ihren Häusern zu sehen. Eilig schafften sie Geschirr, Ventilatoren oder Fotoalben nach draußen, um alles in Koffer zu packen. Kinderwagen und Fahrräder, mit denen sie ihre Habseligkeiten zu den Bussen schafften, blieben zurück inmitten von Trümmern und Scherben von Schaufenstern, die vermutlich durch Druckwellen von Bomben oder Luftangriffen zu Bruch gegangen waren.

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