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14.04.2017

15:07 Uhr

Syrien

Die Verbündeten Assads

VonPierre Heumann , Kaspar von Braun

Die USA und ihre wichtigsten Partner verlangen von Moskau den Bruch mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Doch dieser kann sich auf seine Verbündeten verlassen – nicht nur im Kreml.

Die strategischen Interessen der Unterstützer Baschar al-Assads haben sich nicht geändert. dpa

Assad mit Putin 2005

Die strategischen Interessen der Unterstützer Baschar al-Assads haben sich nicht geändert.

Tel AvivAm liebsten wäre es den USA, wenn Russland die Unterstützung für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad beendet. Die Marschflugkörper auf einen syrischen Flughafen und der Besuch des US-Außenministers Rex Tillerson in Moskau brachten in dieser Sache bisher aber keinen Erfolg. Russland bleibt der wichtigste Verbündete Assads. Wie auch der Iran hält das Land zu Assad, um seine eigene geostrategische Lage im Nahen Osten zu verbessern.

Eine Lösung der syrischen Krise ist ohne Einverständnis Russlands nicht mehr denkbar. Denn Moskau hat sich als Machtfaktor im Mittleren Osten zurück gemeldet. Ohne russische Unterstützung würde sich Assad nicht an der Macht halten können. Präsident Wladimir Putin gibt seine Hilfe allerdings nicht zum Nulltarif. Er hat in Syrien seinen Hafen für Kriegsschiffe am Mittelmeer ausgebaut und in Syrien eine Luftwaffenbasis erhalten. Zudem ist die Allianz mit Assad für Moskau ein gutes Geschäft. Assad kauft Jagdflugzeuge und Luftabwehrraketen in Russland.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Auch der Iran stützt Assad und nutzt den syrischen Krieg, um seine Position im Nahen Osten auszubauen. So schickt Teheran Elitetruppen der Revolutionsgarden nach Syrien, um Teile des schiitischen Gürtels zu realisieren, der bis ans Mittelmeer reichen soll. Auf Geheiß Teherans unterstützen die schiitischen Hisbollah-Milizen Assad ebenfalls, was die iranischen Regionalmacht-Ambitionen zusätzlich unterstreicht. Teheran will zudem Israel von den Golanhöhen verdrängen, die seit dem Sechs-Tage-Krieg besetzt sind. Im Dezember hatte Teheran eine neue Armeeeinheit gegründet, die in Syrien für die iranischen Interessen kämpfen soll.

Während Russland und der Iran Assads Schwäche nutzen, um ihren Machteinfluss im Nahen Osten auszudehnen, profitiert in den von Assad kontrollierten Gebieten eine zwar kleine, aber politisch einflussreiche Schicht. Das Chaos in Syrien und die Sanktionen benutzen Händler, um importierte Waren zu Schwarzmarktpreisen zu verlaufen. Sie umgehen die Sanktionen und verdienen Millionenbeträge, indem sie importieren, was aufgrund der Sanktionen für Syrer legal nicht erhältlich ist. Diese Kriegsprofiteure haben ein Interesse, dass Assads Regime bleibt. Laut der Zeitschrift „The Atlantic” begann die Blüte des Schwarzmarktes in den von Assad kontrollierten Gebieten bereits wenige Woche nach Ausbruch des Bürgerkriegs vor sechs Jahren. Damals hatte US-Präsident Barack Obama Syrien mit Wirtschaftssanktionen belegt. Er wollte damit Assad für die Verletzung von Menschenrechten bestrafen. Heute tragen die Profite der Schwarzmarkthändler dazu bei, den Krieg zu verlängern. Zu Assad stehen auch die Handelskammern.

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Die Zusammensetzung der Armee ist ein weiterer Faktor, der Assad stützt. Assad gehört der alawitischen Minderheit an, einer Religion, die zum schiitischen Spektrum gehört. In Spitzenpositionen werden vor allem Angehörige von Minderheiten eingesetzt. So besteht die Führung der Luftwaffe größtenteils aus Alawiten, die lediglich zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen. Sie halten zu Assad, weil sie um ihr Leben fürchten, sollte Assad nicht mehr im Präsidentenpalast sein.

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