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16.12.2016

08:35 Uhr

Syrien

Drama in Aleppo überschattet EU-Gipfel

Ein syrischer Lokalpolitiker berichtet den europäischen Staats- und Regierungschefs von den Gräueln in Aleppo. Doch am Ende des EU-Gipfels stehen wieder nur Appelle, während sich die Evakuierungsmission weiter verzögert.

Syrien-Krieg beim EU-Gipfel

So erschüttert der Bürgermeister von Ost-Aleppo Bundeskanzlerin Merkel

Syrien-Krieg beim EU-Gipfel: So erschüttert der Bürgermeister von Ost-Aleppo Bundeskanzlerin Merkel

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BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel hat Russland und dem Iran schwerste Vergehen im Kampf um die syrische Stadt Aleppo vorgeworfen. Sie sprach von „gezielten Angriffen auf Zivilpersonen (...), auf Krankenhäuser“ und nahm auch das Regime von Baschar al-Assad in die Pflicht. „Verstöße gegen das Völkerrecht“ müssten geahndet werden, verlangte sie nach dem Brüsseler EU-Gipfel am späten Donnerstagabend. Unterdessen zeichnet sich ab, dass die Evakuierungsmission in den weitgehend zerstörten Rebellengebieten Ost-Aleppos noch Tage dauern könnte.

Das Drama um Aleppo überschattete den EU-Gipfel, bei dem unter anderem auch Beschlüsse zur Steigerung der Verteidigungsausgaben und längere Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise fielen. Während Merkel dem UN-Sicherheitsrat Versagen vorwarf, forderte Frankreichs Präsident François Hollande: „Die Zivilbevölkerung muss Aleppo verlassen können, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen. Es sind noch 50 000 eingeschlossen.“

Hollande machte auch deutlich, dass für ihn auch Sanktionen gegen Russland wegen seiner Rolle im Syrien-Konflikt denkbar sind. Der Bürgermeister des umkämpften Ostteils der Stadt, Brita Hagi Hasan, warnte die Staats- und Regierungschefs vor den Folgen unterlassener Hilfe für die eingeschlossenen Menschen: „Sie sind kurz davor massakriert zu werden.“

Aleppo in Schutt und Asche

Busse bringen Menschen in Sicherheit

Aleppo in Schutt und Asche: Busse bringen Menschen in Sicherheit

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Angesichts der Kriegsgräuel will die EU nach eigenem Bekunden alle verfügbaren diplomatischen Kanäle nutzen, um die Not der Menschen zu lindern. „Uns ist das Leiden nicht egal“, sagte Ratspräsident Donald Tusk. Ziel seien humanitäre Korridore nach Ost-Aleppo, freier Zugang für Helfer und eine Evakuierung unter internationaler Aufsicht.

Tusk gestand allerdings ein, dass „wir nicht so effektiv sind, wie wir es gerne wären“. Er hatte den Bürgermeister von Ost-Aleppo zum Gipfel geladen, um „die Stimme der Menschen von Aleppo zu hören, zumindest auf diese symbolische Weise“. Merkel nannte dessen Bericht sehr deprimierend.

Laut der Leiterin der Mission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Marianne Gasser, wurden bis zum späten Donnerstagabend trotz Verzögerungen durch Schüsse etwa 3000 Zivilisten und einige Verletzte aus der Stadt herausgebracht. Auch bei Dunkelheit lief die Mission demnach zunächst weiter, die Busse brachen erneut in die Rebellengebiete auf. Bis zuletzt sei nicht klar gewesen, ob die internationalen Helfer ihre Mission durchführen konnten. Mit tagelangen Verzögerungen bei der Evakuierung sei zu rechnen.

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