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02.05.2015

15:20 Uhr

Syrien

Dutzende Menschen bei Luftangriff gegen IS getötet

Bei einem Bombenangriff der USA sind im Norden Syriens mehr als 50 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern seien ganze Familien, sagten Beobachter. Das internationale Bündnis gibt sich indes siegessicher.

Die USA und ihre Verbündeten bombardieren seit dem vergangenen Jahr regelmäßig IS-Stellungen in Syrien. Reuters

Zerstörtes Haus in der Gegend um Aleppo

Die USA und ihre Verbündeten bombardieren seit dem vergangenen Jahr regelmäßig IS-Stellungen in Syrien.

Aleppo/TampaBei einem US-Luftangriff auf Stellungen der IS-Terrormiliz nahe der nordsyrischen Stadt Kobane sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 52 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern des Bombardements im Dorf Bir Mahli am Freitag seien auch sieben Kinder gewesen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. 13 Menschen würden noch unter den Trümmern vermisst. Es dürfte das bisher folgenschwerste Bombardement der US-geführten Allianz in Syrien sein.

Die Beobachtungsstelle mit Sitz in London wertet Berichte von Aktivisten in ganz Syrien aus. Die Stadt Kobane an der Grenze zur Türkei war im vergangenen Sommer monatelang umkämpft, bis sie von kurdischen Milizen mit US-Luftunterstützung von der IS-Herrschaft befreit wurde.

Das Pentagon in Washington hatte am Freitag bekanntgegeben, dass in sechs Luftangriffen sieben IS-Stellungen und ein Fahrzeug der Terrormiliz zerstört wurden. Auch Kämpfer der Extremisten seien getötet worden. Über zivile Opfer machte Washington keine Angaben. Unklar war, ob die IS-Miliz die zivilen Bewohner von Bir Mahli als Schutzschilde missbraucht hat.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Die USA und ihre arabischen Verbündeten bombardieren seit September vergangenen Jahres regelmäßig Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak. Trotz des möglichen Fehlbombardements am Freitag gibt sich die Anti-IS-Allianz siegessicher.

„Dieser Plan wird die Niederlage des IS herbeiführen“, sagte der britische Brigadegeneral Gary Deakin am Freitag (Ortszeit) nach einem mehrtägigen Strategietreffen von mehr als 300 Militärvertretern aus 39 Ländern in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Dort hat das US-Zentralkommando seinen Sitz, das die Angriffe gegen die IS-Kämpfer koordiniert.

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Das IS-Kalifat demonstriert mit einem in Libyen aufgezeichneten Hinrichtungsvideo, dass es sein Einflussgebiet ausgedehnt hat. Experten rechnen auch mit treuen Anhängern im Jemen und Afghanistan.

„Am Boden haben irakische Kräfte die Ausbreitung des IS gestoppt und drängen ihn zurück“, sagte der französische Generalmajor Bernard Commins. Es ist die dritte Runde dieser Art binnen eines Jahres, die vom US-Zentralkommando ausgerichtet wurde.

Zu künftigen Angriffsplänen des Anti-IS-Bündnisses wurde erwartungsgemäß nichts bekannt. Das US-Zentralkommando teilte mit, zwölf Länder der Koalition hätten bislang mehr als 3600 Luftangriffe im Irak und in Syrien geflogen. Als Teil des Bündnisses hat Deutschland unter anderem kurdische Kämpfer im Nordirak ausgebildet.

Von

dpa

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