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15.03.2017

16:18 Uhr

Syrien

Dutzende Tote bei zwei Selbstmordanschlägen

Eine Al-Kaida-nahe Gruppe verübte in den vergangenen Wochen schwere Anschläge in Syriens Regierungsgebieten. Jetzt wird wieder die Hauptstadt getroffen. Haben die Extremisten ihre Strategie geändert?

Damaskus

Dutzende Tote nach Selbstmordanschlägen

Damaskus: Dutzende Tote nach Selbstmordanschlägen

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DamaskusBei zwei Selbstmordanschlägen in Syriens Hauptstadt Damaskus sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Mittwoch mindestens 39 Todesopfer, als ein Selbstmordattentäter eine Bombe im Justizpalast der Stadt zündete. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete von 25 Toten und Dutzenden Verletzten. Ein zweiter Angreifer sprengte sich später in einem Restaurant in die Luft. Den Menschenrechtlern zufolge gab es auch hier Tote und Verletzte. Zunächst war unklar, wer für die Taten verantwortlich ist.

„Wir hörten eine schwere Explosion, die Scheiben klirrten“, berichtete eine Anwohnerin der Deutschen Presse-Agentur nach der Explosion im Justizpalast. „Dann sahen wir schwarzen Rauch.“ Dutzende Krankenwagen seien im Einsatz gewesen. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter waren die meisten Opfer Zivilisten.

Kriegsbeobachter: Hunderttausende Tote in Syrien

Kriegsbeobachter

Hunderttausende Tote in Syrien

Fast eine halbe Millionen Menschen sollen im sechsjährigen Bürgerkrieg in Syrien entweder getötet worden sein oder gelten als vermisst. Der Krieg führte zur größten Flüchtlingskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Die Attentäter sprengten sich am sechsten Jahrestag des Syrien-Konfliktes in die Luft. Er hatte am 15. März 2011 mit Protesten gegen die Regierung in Damaskus begonnen. Mittlerweile sind in dem Bürgerkrieg mindestens 400.000 Menschen ums Leben gekommen.

Die von der Regierung des Bürgerkriegslandes regierten Gebiete waren in den vergangenen Wochen mehrfach Ziel von Attentaten. Erst am vergangenen Wochenende starben bei einem Anschlag auf schiitische Pilger in Damaskus Aktivisten zufolge mindestens 74 Menschen. Die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) reklamierte die Tat für sich. Zuvor waren Anschläge in der Hauptstadt selten, da diese von regierungstreuen Truppen stark gesichert wird.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Ende Februar hatten Selbstmordattentäter in der zentralsyrischen Stadt Homs nach Angaben von Aktivisten mehr als 40 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Angriffe richteten sich gegen Gebäude des Militärgeheimdienstes und der Staatssicherheit. Zu den Anschlägen bekannte sich ebenfalls die Al-Kaida-nahe Organisation.

Die Gruppe ist vor allem in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens stark. Sie ist wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von der seit Ende des vergangenen Jahres geltenden Waffenruhe ausgenommen. Die wiederholten Anschläge deuten auf einen Strategiewechsel der Extremisten hin. Nach der Niederlage der Rebellen vor allem in der lange umkämpften nordsyrischen Stadt Aleppo könnten sie verstärkt auf Attentate setzen, für die bisher vor allem der IS verantwortlich war.

Die Anschläge in Damaskus überschatteten auch die neuen Syrien-Gespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana, die wie die zwei ersten Runden im Januar und Februar ohne greifbare Fortschritte blieben. Der russische Delegationsleiter Alexander Lawrentjew sagte, die Gespräche in Astana sollten am 3. und 4. Mai fortgesetzt werden.

Syrien-Gespräche: Rebellen nehmen an Gesprächen teil

Syrien-Gespräche

Rebellen nehmen an Gesprächen teil

Die Syrien-Gespräche im kasachischen Astana gehen in die Verlängerung. Nach dem zuvor angekündigten Boykott reisen Rebellenvertreter nun doch in die Hauptstadt. Ergebnisse stehen bis dato aus.

Verwirrung gab es um die Teilnahme der Rebellen an dem Treffen. Das kasachische Außenministerium erklärte zunächst, diese hätten einen Boykott beendet und wollten doch nach Kasachstan reisen. Später meldete die russische Agentur Interfax unter Berufung auf Diplomatenkreise, die Opposition habe wieder abgesagt.

Bei den Gesprächen in Kasachstan sollte es unter Vermittlung Russlands und der Türkei vor allem um eine Stärkung der brüchigen Waffenruhe gehen. Der Astana-Prozess läuft parallel zu den Genfer Verhandlungen unter UN-Vermittlung, die Ende März weitergehen sollen.

Von

dpa

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