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08.09.2015

18:06 Uhr

Syrien

Französische Kampfjets absolvieren Aufklärungsflüge

Im Kampf gegen Islamisten hat Frankreich Aufklärungsflüge über Syrien gestartet. Sie sollen Informationen über IS-Stellungen und die Lage im Land sammeln. Paris will womöglich auch Luftangriffe fliegen.

Frankreichs Staatspräsident lässt gegen den IS Aufklärungsflüge über Syrien fliegen. Reuters

François Hollande

Frankreichs Staatspräsident lässt gegen den IS Aufklärungsflüge über Syrien fliegen.

ParisFranzösische Kampfjets haben am Dienstag ihre ersten Aufklärungsflüge über Syrien absolviert. Die Flugzeuge des Typs Rafale hätten den Auftrag, Informationen über Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und die Lage in dem Bürgerkriegsland zu sammeln, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit. Ähnliche Einsätze könnten auch in den kommenden Tagen erfolgen.

Präsident Francois Hollande hatte die Flüge am Montag angekündigt und erklärt, sein Land erwäge auch Luftangriffe auf IS-Stellungen. Einen Einsatz von Bodentruppen schloss er dagegen aus.

Syrer machen einen Großteil der Flüchtlinge aus, die derzeit nach Europa strömen. Mehrere Millionen von ihnen suchen im Ausland Zuflucht vor dem Bürgerkrieg, in dem in den vergangenen Jahren 250.000 Menschen getötet worden sind.

Angesichts der Flüchtlingskrise mehren sich derweil Forderungen, Syriens Präsident Baschar al-Assad als Partner im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu akzeptieren. Ein gemeinsames Vorgehen habe Priorität, sagte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz am Dienstag in Teheran. „Das wird nicht ohne Mächte wie den Iran und Russland gelingen, und insofern braucht es hier einen pragmatischen Schulterschluss und auch eine Einbindung Assads im Kampf gegen den IS-Terror.“ Spaniens Außenminister Jose Manuel Garcia Margallo hatte bereits am Montag Verhandlungen mit Assad gefordert, um den Krieg zu beenden.

Die Auslandseinsätze des des französischen Militärs

Vor allem in Afrika aktiv

Frankreich schickt sein Militär häufig auf Auslandseinsätze, vor allem in Afrika ist die ehemalige Kolonialmacht sehr präsent. Derzeit sind fast 7000 französische Soldaten für die Friedenssicherung und den Kampf gegen den Terror abgestellt.

Quelle: dpa

Irak, Operation Chanmal

Seit Herbst 2014 beteiligt sich die Luftwaffe an Schlägen der US-geführten Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. 700 Soldaten und 13 Flugzeuge sind im Einsatz, das Engagement ist auf längere Frist angelegt.

Sahelzone, Operation Barkhane

3500 Soldaten kämpfen gegen Terrorgruppen. In Mali unterstützen 85 Soldaten die EU-Ausbildungsmission und den UN-Einsatz Minusma.

Zentralafrikanische Republik, Operation Sangaris

Gut 900 Militärs sind in dem krisengeschüttelten Land, sie sollen die UN-Mission Minusca unterstützen. Der Einsatz stand zuletzt wegen Missbrauchsvorwürfen gegen französische Soldaten in den Schlagzeilen.

Indischer Ozean

Insgesamt 570 Soldaten sind am Kampf gegen Piraten am Horn von Afrika beteiligt, meist als Teil der EU-Mission Atalanta.

Libanon, Operation Daman

900 französische Soldaten beteiligen sich an der UN-Mission Unifil an der Grenze zu Israel.

Weitere Einsätze

Weitere Einheiten sind unter anderem im Golf von Guinea, in der Demokratischen Republik Kongo und in der Elfenbeinküste eingesetzt.

Nach dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges 2011 waren sich zunächst alle westlichen Staaten einig, dass es eine Zukunft des Landes nur ohne Präsident Assad geben könne. Seit den militärischen Erfolgen des IS und dem damit einsetzenden Flüchtlingsstrom hat jedoch in vielen Regierungen ein Umdenken begonnen.

Man dürfe die Verbrechen des Assad-Regimes zwar nicht vergessen, sagte der österreichische Außenminister bei einem Besuch im Iran. Im Kampf gegen den IS stehe Assad aber auf derselben Seite wie der Westen.

Frankreich warnte vor der Aufnahme aller vor dem IS fliehenden Menschen in Europa. „Wenn all diese Flüchtlinge nach Europa oder anderswohin kommen, dann hat der IS das Spiel gewonnen“, sagte Außenminister Laurent Fabius in einem Hörfunk-Interview. Ähnlich äußerte sich Hollande: „Falls wir Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen, nicht mehr helfen und wenn wir die Familien in Lagern der Nachbarländer nicht besser unterstützen, dann wird es nicht nur Tragödien, sondern einen Exodus geben.“

Nach Angaben aus der US-Regierung gibt es Anzeichen für ein militärisches Eingreifen Russlands in Syrien. Offenbar wollen die USA aber eine stärkere Rolle Russlands in dem Konflikt verhindern. Syriens Informationsminister Omran al-Subi wies die Angaben als falsch zurück. In Israel sagte ein Berater des Verteidigungsministers Mosche Jaalon der Nachrichtenagentur Reuters, es sei noch zu früh, das militärische Engagement Russlands abschätzen zu können.

Von

rtr

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