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11.04.2017

03:30 Uhr

Syrien

Giftgaseinsatz war Russland offenbar nicht vorab bekannt

Die USA gehen offenbar doch nicht davon aus, dass Russland vorab von dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Syrien wusste. Indes streben die Vereinigten Staaten weiter die Einrichtung von Sicherheitszonen an.

Nach der Giftgasattacke sammelt ein Mann Proben. AFP; Files; Francois Guillot

Syrien

Nach der Giftgasattacke sammelt ein Mann Proben.

WashingtonDie USA gehen derzeit nicht davon aus, dass Russland von dem mutmaßlichen syrischen Giftgasangriff am Dienstag vergangener Woche vorab Kenntnis hatte. „Es gibt derzeit keinen Konsens unter den US-Geheimdiensten, dass Russland von der syrischen Chemie-Attacke vorab Kenntnis hatte“, sagte ein Beamter des Weißen Hauses am Montag in Washington. US-Politiker hatten in der vergangenen Woche die Vermutung geäußert, dass das russische Militär aufgrund seiner Expertise mit Giftgas bei dem mutmaßlichen Angriff der Syrer geholfen haben könnte. Bei der Attacke starben 80 Menschen.

Zuvor hieß es, die USA sei nach Angaben aus ranghohen US-Beamtenkreisen zu dem Schluss gekommen, dass Russland vorab von dem mutmaßlichen syrischen Chemiewaffenangriff in der vergangenen Woche wusste. Eine von Russen betriebene Drohne sei über ein Krankenhaus in Syrien geflogen, als Opfer des Angriffs sich um eine Behandlung bemühten, erklärte die Gewährsperson, die anonym bleiben wollte.

Stunden, nachdem die Drohne die Gegend wieder verlassen hatte, soll ein von Russen hergestellter Kampfjet das Krankenhaus bombardiert haben. US-Vertreter glauben, dass es sich dabei um einen Versuch gehandelt habe, die Verwendung von Chemiewaffen zu verschleiern.

Bis Montag hatten US-Beamte erklärt, sie seien sich nicht sicher, ob die Drohne von Russland oder Syrien betrieben worden sei. Die ranghohe Gewährsperson sagte, es sei noch immer nicht klar, wer den Jet geflogen habe, der das Krankenhaus bombardierte. Die Anwesenheit der Drohne könnte kein Zufall gewesen sein, sagte die Person. Russland habe wissen müssen, dass der Chemiewaffenangriff erfolgen würde und dass sich Opfer um eine Behandlung bemühten.

Bei dem mutmaßlichen Giftgasangriff in der von Rebellen gehaltenen Stadt Chan Scheichun waren in der vergangenen Woche mehr als 80 Menschen getötet worden. Der Westen macht die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für die Attacke verantwortlich.

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Indes streben die USA weiter die Einrichtung von Sicherheitszonen in Syrien an und schließen dabei auch eine Zusammenarbeit mit Russland nicht aus. Das sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, am Montag in Washington. Die Menschen in Syrien wollten nicht ihr Land verlassen müssen, sondern verlangten nach Sicherheit. „Den Konflikt zu deeskalieren, den IS in Schach zu halten, das ist die größte humanitäre Entlastung, die wir leisten können“, sagte Spicer.

US-Außenminister Rex Tillerson wird an diesem Mittwoch zu Gesprächen in Moskau erwartet, bei denen es auch um Syrien gehen soll. In der vergangenen Woche hatten die USA einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe mit Marschflugkörpern angegriffen, als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz der syrischen Streitkräfte. Russland hatte dies scharf verurteilt und für völkerrechtswidrig erklärt.

Spicer wiederholte am Montag die Darstellung Tillersons vom Vortag, dass die Bekämpfung der Terrormiliz IS weiter oberste Priorität für die USA habe. Er schloss aber auch weitere militärische Operationen der USA nicht aus. „Wenn man zusieht, wie Babys und Kinder vergast werden oder unter Fassbomben leiden, dann ist man augenblicklich geneigt, zu handeln“, sagte Spicer.

Er erneuerte die Aufforderung von Präsident Donald Trump an die internationale Gemeinschaft, sich dem Kampf der USA zur Ablösung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad anzuschließen. Es gehe um die Vernichtung von Chemiewaffen, aber auch um die Herstellung einer politischen Situation, die zu einer neuen Führung in Damaskus führe.

Von

ap

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