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11.08.2014

06:38 Uhr

Syrien

Hillary Clinton kritisiert Obamas Außenpolitik

Die frühere US-Außenministerin hält der Obama Regierung schwere Fehler in der Syrien-Politik vor. Es fehle eine Strategie für den Umgang mit dem islamischen Extremismus. Dies habe zum Aufstieg der IS beigetragen.

Fehlende Strategie: Hillary Clinton kritisiert Präsident Obama in einem US-Interview. ap

Fehlende Strategie: Hillary Clinton kritisiert Präsident Obama in einem US-Interview.

WashingtonDie frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat US-Präsident Barack Obama für den Aufstieg der Dschihadisten in Syrien und im Irak mitverantwortlich gemacht. Clinton sagte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem Wochenmagazin "The Atlantic", die US-Regierung habe die Oppositionellen in Syrien vernachlässigt und so den Dschihadisten Raum zur Entfaltung gelassen. Als Außenministerin während Obamas erster Amtszeit hatte sich Clinton ohne Erfolg für eine Bewaffnung der syrischen Oppositionellen eingesetzt.

"Die fehlende Unterstützung beim Aufbau einer glaubwürdigen Kampftruppe aus den Menschen, die ursprünglich die Proteste gegen (Syriens Staatschef Baschar al-) Assad anführten - da waren Islamisten, da waren Säkularisten, da war alles dazwischen - hat ein großes Vakuum hinterlassen, das die Dschihadisten nun gefüllt haben", sagte Clinton in dem Interview, das sie vor Obamas Anordnung von Luftangriffen auf Dschihadisten im Nordirak gab.

Clinton unterstellte Obama indirekt eine fehlende Strategie für den Umgang mit der dschihadistischen Bedrohung: "Große Nationen brauchen organisierte Prinzipien, und 'Macht kein dummes Zeug' ist kein organisiertes Prinzip", sagte sie in Anspielung auf einen Slogan Obamas. Die USA müssten eine "übergreifende" Strategie für den Umgang mit dem islamischen Extremismus entwickeln, ähnlich wie während der Zeit des von der Sowjetunion angeführten Kommunismus.

Jesiden – die verfolgte Minderheit

Verbreitung

Die größte Gemeinde gibt es im Irak, nach Angaben der Minderheit leben dort 600.000 Jesiden. Andere Schätzungen gehen von 100.000 aus. In Deutschland lebt die größte Exilgemeinde, hier gehen die Jesiden von 45.000 bis 60.000 Religionsangehörigen aus. In Syrien, der Türkei, Armenien und Georgien leben ebenfalls mehrere tausend Jesiden. Eine offizielle Zählung gibt es nicht.

Ursprung

Als Jeside wird man geboren, konvertieren kann man zu dem Glauben nicht. Die Jesiden-Tradition untersagt Hochzeiten mit Nicht-Jesiden sowie außerhalb der Kaste. Normalerweise geht mit einer Mischhochzeit daher der Austritt aus dem Glauben einher.

Glaube

Der jesidische Glaube ist eine monotheistische Religion und enstand vor über 4000 Jahren in Mesopotamien. Der Glaube beruht teilweise auf dem altpersischen Kult des Zoroastrismus, im Laufe der Zeit kamen auch islamische und christliche Elemente dazu.

Religion

Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten. Jesiden beten der Sonne zugewandt zu ihrem Gott und verehren seine sieben Engel. Der wichtigste ist Melek Taus, auch Engel Pfau genannt. Eine feste religiöse Schrift haben die Jesiden nicht, ihre Religion orientiert sich an mündlichen Überlieferungen. Die Jesiden glauben an Seelenwanderung und Wiedergeburt.

Verfolgung

Viele strenggläubige Muslime und vor allem auch Islamisten sehen im Engel Pfau eine dämonische Figur und betrachten die Jesiden daher als „Teufelsanbeter“. Auch andere Vorgaben wie zum Beispiel das Verbot, Kopfsalat zu essen oder die Farbe Blau zu tragen, werden von anderen Religionen als satanisch missinterpretiert. Als nichtarabische und nichtmuslimische Iraker wurden die Jesiden schon unter Saddam Hussein im Irak verfolgt und vertrieben. Im August 2007 wurden zwei jesidische Dörfer im Nordirak beinahe vollständig zerstört. Mehr als 400 Jesiden starben. Es war der blutigste Angriff auf die Minderheit seit der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003.

Mit ihren Äußerungen will sich Clinton offensichtlich von Obama abheben, gegen den sie im Vorwahlkampf der Demokratischen Partei im Jahr 2008 unterlegen war. Der früheren First Lady werden neue Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Sie war vier Jahre lang Außenministerin und zog sich dann aus der aktiven Politik zurück. Kürzlich erschien ihr Buch "Entscheidungen", in dem sie von ihrer Zeit als Chefdiplomatin berichtet. Die nächste US-Präsidentschaftswahl findet 2016 statt.

Von

afp

Kommentare (5)

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Sergio Puntila

11.08.2014, 07:45 Uhr

Auch wenn Vorwahlkampf in den US sein mag:
Frau Clinton kommuniziert ihre Position geradewegs so, wie sie auch Republikaner formulieren könnten.
Das mag innenpolitisch begründbar sein: für die Glaubwürdigkeit einer US-Außenpolitik in Summa wirkt das allerdings nicht besonders hilfreich: man stelle sich nur einmal das Tohuwabohu in Konsequenz vor, das angerichtet schiene, wären die syrischen Rebellen unverhohlen offen von der US-Administration unterstützt worden:
Bereits so bringt die IS-Truppe schließlich genug Glaubwürdigkeitsprobleme der US-Außenpolitik mit sich.

Herr Teito Klein

11.08.2014, 08:22 Uhr

Barak Obama - the lame Duck
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Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat US-Präsident Barack Obama für den Aufstieg der Dschihadisten in Syrien und im Irak mitverantwortlich gemacht.

Aber jetzt ist er aufgewacht und hat Luftschläge gegen die Stellungen der IS-Terroristen befohlen.
Aber das Kind ist schon in den Brunnen gefallen.
Der IS gewinnt immer mehr an Macht.

Herr Manfred Carter

11.08.2014, 09:21 Uhr

Diese Frau ist nicht nur peinlich sondern gefährlich. Wer war denn Außenminister(in) unter Obama ? Was war mit der Libanon-Sache ? Hitler-Putin-Vergleich ? Da können wir uns ja auf was gefasst machen, wenn die Frau Präsidentin wird.

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