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04.11.2016

10:35 Uhr

Syrien

In Aleppo herrscht relative Ruhe

Hunderttausende Menschen sind im Osten von Aleppo eingeschlossen. Eine erneute Feuerpause soll eine Möglichkeit zur Flucht geben. Die entsprechenden Korridore werden bislang aber nicht ungenutzt.

Eingeschlossene Zivilisten trauen sich trotz Feuerpause nicht die Fluchtkorridore zu nutzen. dpa

Feuerpause

Eingeschlossene Zivilisten trauen sich trotz Feuerpause nicht die Fluchtkorridore zu nutzen.

BeirutIn der umkämpften syrischen Stadt Aleppo hat zu Beginn der von Russland ausgerufenen zehnstündigen Waffenruhe am Freitag relative Ruhe geherrscht. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sagte, sie habe keine größeren Militäreinsätze auf Seiten der syrischen Armee und ihrer Verbündeten oder der Rebellen feststellen können. Mit der Feuerpause will Russland erreichen, dass Rebellen und Zivilisten die von den Aufständischen gehaltenen Viertel im Osten der Stadt verlassen. Rebellen hatten dies abgelehnt.

Eine regierungsnahe Plattform auf Facebook, Aleppo Shahba News Network, meldete, die vorgesehenen Fluchtkorridore seien für Kämpfer und Zivilisten geöffnet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle berichtete aber, bisher habe sie niemand genutzt. Rebellensprecher Jasser al-Jussef sagte, Helikopter kreisten über den Gebieten. Details nannte er aber nicht.

Aleppo ist seit 2012 zwischen den von Rebellen gehaltenen Vierteln im Osten und den von syrischen Regierungstruppen kontrollierten Stadtteilen aufgesplittet. Die Armee von Präsident Baschar al-Assad belagert die Rebellenviertel im Osten, dort sind nach UN-Schätzung etwa 275.000 Menschen eingeschlossen.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Russland unterstützt Assad im Kampf um die Macht seit mehr als einem Jahr mit Luftangriffen. Die Feuerpause war am Freitag um 09:00 Uhr Ortszeit in Kraft getreten und soll bis 19:00 Uhr gelten, wie das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch bekanntgegeben hatte.

Von

ap

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