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06.08.2014

15:07 Uhr

Syrien, Irak, Türkei

Kurden starten Offensive gegen IS

Kurden aus Syrien, dem Irak und der Türkei gehen gemeinsam gegen die Miliz Islamischer Staat vor. Es seien bereits heftige Kämpfe ausgebrochen, berichtet ein Kurdensprecher. Zehntausende Jesiden sind auf der Flucht.

Bereit zum Kampf: Männer der sunnitischen gruppe Islamischer Staat (IS), die Teile des Irak und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben. ap

Bereit zum Kampf: Männer der sunnitischen gruppe Islamischer Staat (IS), die Teile des Irak und Syriens unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Sulaymaniyah/BagdadKurdische Kämpfer aus dem Irak, der Türkei und Syrien haben nach Angaben eines politischen Vertreters eine gemeinsame Offensive gegen die Dschihadisten in der nordirakischen Region Mossul gestartet. Mitglieder der in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der syrischen Partei der Demokratischen Union (PYD) gingen in der Region von Sindschar gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) vor, sagte der ranghohe irakische Kurdenvertreter Hallo Pendschweni am Mittwoch. Irakische Peschmerga-Kämpfer versuchten demnach, Gebiete nördlich und östlich von Mossul zu sichern.

Die vorrückenden IS-Extremisten hatten in den vergangenen Tagen weite Gebiete zwischen der nordirakischen Stadt Mossul und der Grenze zu Syrien erobert, darunter die Städte Sindschar und Sumar sowie mehrere Ölfelder.

„Islamischer Staat“ verstärkt gewalttätig

Zehntausendende Kurden werden aus ihrer Heimat vertrieben

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Die radikalsunnitische Gruppe kontrolliert neben den Regionen im Nordirak auch Teile Syriens. Für die von ihnen gehaltenen Gebiete haben die IS-Milizionäre ein Kalifat – einen Gottesstaat – ausgerufen. Nach ihren Eroberungen vom Wochenende drohte die IS, ihre Herrschaft auf das gesamte autonome Kurdengebiet im Irak zu erweitern.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Im Nordirak sind derweil heftige Kämpfe zwischen Extremisten der sunnitischen Bewegung Islamischer Staat und Kurden ausgebrochen. Die Gefechte konzentrierten sich auf ein Gebiet rund 40 Kilometer südwestlich der kurdischen Regionalhauptstadt Arbil, sagte ein Vertreter der kurdischen Peschmerga-Kämpfer. Extremisten des Islamischen Staats hatten am Wochenende weitere Städte im Nordirak erobert, wo sich auch die autonome Kurdenregion befindet. Der Kurden-Vertreter sagte, die Peschmerga kooperierten mit den irakischen Regierungstruppen, um die Extremisten zurückzuschlagen. Infolge der Kämpfe seien rund 50.000 Mitglieder der Jesiden in die Flucht geschlagen worden. Sie hielten sich auf einem Berg in der Nähe der Stadt Sindschar versteckt, wo ihnen der Hungertod drohe, sollten sie nicht binnen 24 Stunden gerettet werden. Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit bei den Kurden.

Die früher als Isis bekannte Bewegung Islamischer Staat hatte im Juni weite Teile des Nordiraks unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen.

Kommentare (2)

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Herr peter Spirat

06.08.2014, 15:22 Uhr

Herr Scholl-Latour, wie gefährlich und wie stark sind die ISIS-Truppen?

Die sind gefährlich, vor allem sind sie gut ausgebildet. Sie stehen ja unter dem Kommando von Abu Bakr al-Baghdadi und seine Kerntruppe besteht im Wesentlichen aus Ausländern. Die kommen vom Kaukasus, die kommen aus Nordafrika, aus Algerien, die kommen aus Pakistan, aus Afghanistan, aus allen möglichen Ländern und etliche eben auch aus Russland, russischen Tschetschenen sind dabei, auch vom Balkan, aus Bosnien. Wir haben gar keinen Durchblick, wer das alles ist, außerdem haben sie auch eine Reihe von syrischen und irakischen Anhängern, die dabei sind.

Wer finanziert sie?

Zunächst einmal haben sie Geld von den Banken von Mossul beschlagnahmen können. Also einen ganzen Tresor, aber man weiß ja nichts Genaues. Dann werden sie systematisch finanziert, durch Spenden aus Saudi-Arabien, aus den Emiraten, aus Katar.

Die Amerikaner werden es nicht direkt finanzieren, die lassen es durch die Petro-Monarchien bezahlen.

Frau Margrit Steer

06.08.2014, 16:55 Uhr

Da wird es icht lange dauern und die Türkei macht Krawall
Erstens sind die nicht sehr kurdenfreundlich und zweitens kommen über die Türkei die deutschen Islamisten nach Syrien.
Mal sehen, was da auf uns zukommt
Auch an der Irak-Misere ist der Ami Schuld. Er hat das Land in Schutt und Asche gelegtund warum?
Weil Bush jun. meine der Diktator Hussein müsse weg.
Abr hatte der dem Ami was getan? Nein
Und die Leute wurden nicht verfolgt
Es wird wirklich Zeit, dass mit den Amis endlich mal ein vernünftiger Mensch redet.

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