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05.01.2016

15:20 Uhr

Syrien, Jemen, Bahrain

Riads Konflikt mit Teheran bedroht die ganze Region

Als Regionalmächte haben Saudi-Arabien und Iran großen Einfluss auf die arabische Welt. Die Konfrontation der Erzrivalen erschwert ein Ende der Bürgerkriege in Syrien und im Jemen. Die wichtigsten Fragen zu dem Konflikt.

Auch vier Schiiten wurden vergangene Woche hingerichtet. Daraufhin eskalierte die Situation. dpa

Schiiten in Saudi-Arabien

Auch vier Schiiten wurden vergangene Woche hingerichtet. Daraufhin eskalierte die Situation.

Riad/TeheranDas sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran sind zentrale Mächte des Nahen Ostens. Beide sehen sich als Schutzmächte der beiden großen Konfessionen im Islam. Der heftige Konflikt der beiden Erzrivalen hat Folgen für die ohnehin instabile arabische Welt.

Auf welche Länder der Region wirkt sich der Konflikt aus?
Betroffen dürften vor allem die von Kriegen zerrütteten Staaten Syrien und der Jemen sein, wo Saudi-Arabien und der Iran starken Einfluss auf Kriegsparteien haben. Auch im Golfkönigreich Bahrain und im Irak kommt es zu Protesten von Schiiten gegen das Herrscherhaus in Riad - mit der Gefahr einer Destabilisierung.

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Öl

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs. Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mit Hilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Volkswirtschaft

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines „islamischen Militärbündnisses“, zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Strategischer Partner

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Politische Ausrichtung

Im Konflikt mit dem schiitischen Erzrivalen Iran ist die Außenpolitik des sunnitischen Königreichs seit dem Amtsantritt von König Salman vor einem Jahr jedoch deutlich aggressiver geworden. Eine von Saudi-Arabien geführte Allianz fliegt Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen. Zudem unterstützt Riad syrische Rebellen, um Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen.

Warum lässt Riad den Konflikt eskalieren?
Das ölreiche Saudi-Arabien sieht sich und seinen Einfluss von Teheran bedroht. Die sunnitisch-arabische Monarchie, die sich als Bewahrer der Heiligen Stätten des Islams sieht, will den Einfluss des schiitischen Irans auf die arabisch-islamische Welt zurückdrängen.

Durch den internationalen Atomvertrag mit dem Iran, der Teheran die Aussicht auf ein Ende seiner wirtschaftlichen und politischen Isolierung gibt, fühlt sich die saudische Regierung in ihrer Haltung bestätigt. Der Verfall des Ölpreises reißt zudem eine Milliardenlücke in den saudischen Staatshaushalt. Trotzdem fährt das Königreich seine Produktion nicht zurück, weil der Preisverfall andere Produzenten wie den Iran stärker trifft.

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Deutschland sollte auf Distanz gehen zu den vermeintlichen Freunden in Riad. Das wäre nicht nur moralisch richtig, sondern auch politisch klug. Der Westen zahlt für die Partnerschaft einen hohen Preis. Eine Analyse.

Welche Interessen verfolgt der Iran in der arabischen Welt?
Teheran sieht sich als strategisch wichtiges Land in der Region und will ein Mitspracherecht bei allen regionalen Entwicklungen. Den arabischen Ländern soll bewiesen werden, dass der Islam auch als eine vom Westen - und besonders von den USA – unabhängige politische Ideologie umzusetzen ist.

Diese Ideologie beinhaltet auch Irans außenpolitische Hauptdoktrin: die Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung und die Durchsetzung eines palästinensischen Staates. Außerdem will das Land schiitische Minderheitsbewegungen in arabischen Ländern mit sunnitischen Regierungen unterstützen.

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