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20.11.2016

12:55 Uhr

Syrien

Kein Krankenhaus in Ost-Aleppo mehr funktionstüchtig

Das Gesundheitsamt im syrischen Aleppo und die Vereinten Nationen vermelden, dass es im Osten der Stadt kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr gibt. Die Offensive der syrischen Armee dauert unterdessen an.

Im Osten der umkämpfen Stadt Aleppo gibt es nach Angaben von Behörden und Vereinten Nationen kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr. AP

Syrischer Bürgerkrieg

Im Osten der umkämpfen Stadt Aleppo gibt es nach Angaben von Behörden und Vereinten Nationen kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr.

BeirutNach tagelangen Luftangriffen auf Aleppo ist den Behörden zufolge im Osten der syrischen Stadt kein Krankenhaus mehr funktionstüchtig. Die Zerstörung gehe soweit, dass die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu lebensrettenden Maßnahmen habe, teilte das Gesundheitsamt der einstigen Handelsmetropole mit. Die Erklärung wurde Reuters von Oppositionsvertretern übermittelt.

Die Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (Uno) bestätigte die Angaben und berief sich selbst auf Uno-Hilfsorganisationen in der benachbarten Türkei. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte dagegen, einige Krankenhäuser seien noch einsatzbereit. Die Menschen trauten sich wegen der Angriffe aber kaum dorthin.

Anwohner, Mediziner und Rebellen berichteten, Kliniken seien bei den Luftangriffen zum Teil direkt getroffen worden. Auch seien aus Kampfhubschraubern Fassbomben auf die Gebäude abgeworfen worden. Seit Dienstag haben die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und ihre Verbündeten Ost-Aleppo wieder stark unter Beschuss genommen.

Syriens Staatsfernsehen meldete Angriffe auf „Stellungen von Terroristen“. Die Regierung in Damaskus bezeichnet alle Rebellen als Terroristen. Die mit Assad verbündete russische Luftwaffe erklärte, sie fliege Angriffe nur in anderen Teilen Syriens. Beide Regierungen haben Vorwürfe zurückgewiesen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen absichtlich ins Visier zu nehmen.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Die USA haben den Beschuss von Krankenhäusern im syrischen Aleppo "auf das Schärfste" verurteilt. Die Nationale Sicherheitsberaterin von Präsident Barack Obama, Susan Rice, forderte am Samstag in einer Erklärung die sofortige Einstellung der Bombardierungen. Zugleich rief sie den wichtigsten Verbündeten von Präsident Baschar al-Assad, Russland, auf, sich um eine Deeskalation der Gewalt und den Zugang der syrischen Bevölkerung zu humanitärer Hilfe zu bemühen.

Die Gesundheitsbehörde Aleppos hatte zuvor mitgeteilt, dass nach tagelangen Luftangriffen im von Rebellen kontrollierten Osten der syrischen Stadt kein Krankenhaus mehr funktionstüchtig sei. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wurden seit Anfang Juli mehr als 30 Angriffe auf Kliniken in Ost-Aleppo verzeichnet. Die russische und die syrische Regierung haben Vorwürfe zurückgewiesen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen absichtlich ins Visier zu nehmen.

Allein am Samstag wurden nach Angaben der Beobachterstelle mindestens 27 Menschen im Osten Aleppos getötet, darunter auch Kinder. Viele der dicht besiedelten Wohnviertel seien von Kampfjets, Artillerie und Hubschraubern angegriffen worden. Auch habe es heftige Kämpfe gegeben.

Von

rtr

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