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21.01.2014

09:11 Uhr

Syrien-Konferenz

Uno lädt Iran wieder aus

Wenn am Mittwoch die Syrien-Konferenz startet, wird Iran nicht dabei sein. Uno-Generalsekretär Ban hat auf Druck der oppositionellen Allianz in Syrien seine Einladung an das Land zurückgezogen. Kritik kommt aus Moskau.

Friedenskonferenz Syrien

Ban läd Iran wieder aus

Friedenskonferenz Syrien: Ban läd Iran wieder aus

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New YorkDie zweite Syrien-Friedenskonferenz in der Schweiz kann beginnen – allerdings ohne den Iran. Nach heftiger Kritik lud Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den Iran von den am Mittwoch beginnenden Gesprächen aus. Ban habe seine Einladung an das Land zurückgezogen, sagte Uno-Sprecher Martin Nesirky am Montag in New York vor Journalisten. Die syrische Opposition sagte daraufhin ihre Teilnahme zu, wie ein Sprecher der oppositionellen Allianz am Montagabend der dpa in Beirut mitteilte. Zuvor hatte die Opposition angekündigt, sie werde nicht an der Konferenz teilnehmen, sollte Ban die Einladung an Teheran nicht zurücknehmen.

Kurz nachdem die syrische Nationalallianz ihr Kommen zur Konferenz zugesagt hatte, erklärte die größte Gruppe innerhalb der Exilopposition, der syrische Nationalrat, am späten Montag, er werde aus der Koalition ausscheiden. Der Chef des syrischen Nationalrates, George Sabra, wurde von arabischen Medien mit den Worten zitiert: „Wir haben es schon vorher gesagt, wenn die Koalition an Genf 2 teilnimmt, werden wir nicht in der Gruppe bleiben.“

Westliche Staaten und Regierungen aus der Golfregion hatten sich über eine Teilnahme des Landes skeptisch geäußert, weil die Regierung einen Plan für einen politischen Übergang in Damaskus nie unterstützt hat. Dieser war das Ergebnis einer Konferenz im Jahr 2012.

Kritik kam dagegen aus Moskau. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte die Ausladung des Irans vor der Syrien-Konferenz einen „Fehler“. „Es ist aber keine Katastrophe“, sagte Lawrow am Dienstag in Moskau vor Journalisten. „Ich bedauere, dass diese ganze Geschichte nicht zur Autorität der Organisation der Vereinten Nationen beiträgt“, sagte Lawrow.

Gegen die iranische Teilnahme an der Konferenz hätten sich die Teile der Opposition gewehrt, die einen Regimewechsel in Syrien anstreben, sagte Lawrow. Die russisch-amerikanische Initiative zur Lösung des Konflikts in Syrien sehe aber keine vorherigen Vereinbarungen oder Bedingungen vor. „Iran sollte eine wichtige Rolle spielen“, sagte Lawrow.

Assads Streitkräfte gehörten zu den stärksten der arabischen Welt

Truppenstärke

In der Theorie verfügen die Streitkräfte über 178.000 Soldaten, davon 110.000 beim Heer, 36.000 bei der Luftabwehr, 27.000 bei der Luftwaffe und 5000 bei der Marine. 2009 wurde die Truppenstärke noch auf 325.000 Mann geschätzt, davon 220.000 beim Heer. Überläufe, Desertionen und Verluste hätten die Zahl reduziert, schreiben die IISS-Experten. Einige Brigaden seien auch "verschwunden", weil sie als politisch wenig verlässlich betrachtet worden seien.

Paramilitär und Miliz

Neben den regulären Truppen verfügte Machthaber Baschar al-Assad 2009 über geschätzte 108.000 paramilitärische Kräfte, die meisten von ihnen in der Miliz der Baath-Partei. Die Einheiten spielen im Kampf gegen die Aufständischen eine große Rolle. Wie hoch deren Zahl gegenwärtig ist, kann das IISS nicht einschätzen.

Struktur

Das Heer verfügt regulär über sieben Panzerdivisionen, drei Divisionen Panzergrenadiere, zwei Divisionen Spezialeinheiten und eine Division der Republikanischen Garde, die für Damaskus zuständig ist. Als besonders effizient gelten die Spezialkräfte und die Republikanische Garde, ihre Mitglieder gehören wie Assad den Alawiten an. Zusammengenommen wird die Zahl der Elitesoldaten auf 50.000 geschätzt.


Ausrüstung

Das Material der Streitkräfte stammt überwiegend aus Russland oder noch aus der Sowjetunion. Vor den Kämpfen verfügte das Heer über 4950 Panzer. Die Zahl sei inzwischen deutlich reduziert, schätzt das IISS. Das Kommando für das beachtliche Raketenarsenal befindet sich in Aleppo im Norden des Landes. Die Marine hat zwei Fregatten zur Verfügung. Bei der Luftwaffe gibt es zwar noch 365 Kampfjets. Ein großer Teil der Luftflotte sei aber vermutlich nicht richtig einsatzbereit, heißt es in der Bestandsaufnahme des Instituts. Von den Kämpfen am wenigsten geschwächt sei vermutlich die Luftabwehr. Die Kapazität wird auf tausende Boden-Luft-Raketen aus russischer Produktion geschätzt, darunter auch einige modernere Waffen.

Ban hatte den Iran am Sonntag kurzfristig zu der Konferenz eingeladen. Die Einladung sei ausgesprochen worden, nachdem der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif seine Unterstützung für die Bildung einer Übergangsregierung in Syrien geäußert habe, hatte es geheißen.

Die syrischen Regierungsgegner, die sich erst am Samstag zu einer Teilnahme an der Konferenz durchgerungen hatten, drohten daraufhin mit Boykott. Der Iran erklärte später, dass er „ohne Vorbedingung“ an der Konferenz im schweizerischen Montreux teilnehmen werde. Diese Position bekräftige der iranische Uno-Botschafter Mohammed Chasaee kurz vor der Erklärung von UN-Sprecher Nesirky.

In dem Bürgerkrieg sind mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen. Millionen sind auf der Flucht. Rebellengruppen kämpfen nicht nur gegen Assad, sondern auch gegeneinander. Auch darüber, ob der Staatschef in einer Übergangsregierung eine Rolle spielen soll, gibt es in der Opposition Streit.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.01.2014, 07:51 Uhr

PAPIERTIGER UNO
...............
die kapitulation vor der syrischen opposition, der zick -
zackkurs gegenüber dem iran beweisen einmal mehr, dass die uno von einer moralischen instanz zum spielball poli-
tischer interessen geworden ist..
der iran hat grossen einfluss in der region und sucht mit
kleinen schritten die rückkehr in die weltgemeinschaft..
die uno agiert deshalb besonders undiplomatisch..!!

StefanBode

21.01.2014, 09:28 Uhr

Die Reaktion der UNO zeigt klar deren "Unabhängigkeit" und "Autorität" wenn Sie heute so und morgen so entscheidet. Es zeigt klar auf, das die Unterstützer dieser Opposition in Syrien eine starke Interessengruppe ist, was bei den Waffenliefernden Staaten jedoch nicht verwunderlich ist. Vorgestern wurden diese ja hier beim Handelsblatt genannt, als Sie für 1Mrd. Dollar sich in Syrien einkaufen wollten, natürlich getarnt als Hilfsgelder für die Opposition.

Nachwuchs

21.01.2014, 10:35 Uhr

Wieder haben kriminelle Erpresseer gewonnen. In Berlin sieht man es täglich. Der berliner Polizeipräsident weigert sich geggen Erpresservor zu gehen. Er lässt auch Kriminelle nicht verfolgen, wenn sie in besetzte Häuser flüchten. So erfüllt ein Staatsdiener seine Pflichten und wird noch bezahlt dafür.

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