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23.12.2015

18:17 Uhr

Syrien-Konflikt

Amnesty wirft Moskau Kriegsverbrechen vor

Russland steht im Krieg in Syrien auf der Seite von Präsident Assad. Seit September fliegt Moskau auch Luftangriffe in dem Land. Amnesty International spricht von Hunderten toten Zivilisten – und erhebt schwere Vorwürfe.

Zivilisten stehen vor Trümmern, die von Streubomben zurückgelassen wurden. Reuters

Syrien

Zivilisten stehen vor Trümmern, die von Streubomben zurückgelassen wurden.

MoskauAmnesty International erhebt wegen der russischen Luftangriffe in Syrien schwere Vorwürfe gegen die Moskauer Regierung. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer könne es sich bei den Bombardements um Kriegsverbrechen handeln, erklärte die Menschenrechtsorganisation am Mittwoch. Die russischen Angriffe hätten Hunderten Zivilisten das Leben gekostet und zu massiven Zerstörungen von Wohngebieten geführt. Häuser, eine Moschee, ein belebter Markt und Kliniken seien bombardiert worden. Russland wies den Bericht zurück und erklärte, er enthalte falsche Informationen und bediene Klischees.

Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien, die nach Angaben aus Moskau dem Islamischen Staat und anderen Extremistenmilizen gelten. Laut dem jüngsten Amnesty-Bericht wurden dabei zwischen September und November rund ein Dutzend Kämpfer, aber auch mindestens 200 Zivilisten getötet. Die Untersuchung konzentriert sich auf sechs Angriffe in Homs, Idlib und Aleppo und basiert laut Amnesty auf Augenzeugenberichten und Filmaufnahmen. Bereits zuvor hatte es Meldungen aus Syrien über zivile Opfer gegeben.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Russland steht im Krieg in Syrien auf der Seite von Präsident Baschar al-Assad. Die USA haben Russland vorgeworfen, in Syrien fast ausschließlich moderate Gegner Assads anzugreifen und damit auch solche Kämpfer, die von den USA unterstützt werden. In dem Krieg sind bislang rund 300.000 Menschen getötet worden. Millionen sind auf der Flucht - viele von ihnen wollen nach Deutschland.

Anfang Februar sollen Friedensverhandlungen zur Beendigung des Konflikts beginnen. Darauf hatten sich in der vergangenen Woche die fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat verständigt, zu denen neben Russland und den USA auch Frankreich, Großbritannien und China gehören.

Von

rtr

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