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06.01.2013

12:25 Uhr

Syrien-Konflikt

Assad ruft zur Mobilisierung gegen Rebellen auf

Im syrischen Bürgerkrieg setzt Präsident Baschar al-Assad weiter auf Gewalt. Die erhofften Signale auf eine Beilegung des Konflikts gingen von seiner ersten öffentlichen Rede seit mehr als sechs Monaten nicht aus.

Assads Rede wurde vom staatlichen syrischen Fernsehen übertragen. AFP

Assads Rede wurde vom staatlichen syrischen Fernsehen übertragen.

DamaskusSyriens Präsident Baschar al-Assad hat zur vollständigen nationalen Mobilisierung aufgerufen, um den Aufstand gegen ihn niederzuschlagen. In seinem ersten öffentlichen Auftritt seit November bezeichnete Assad in der Oper von Damaskus am Sonntag die Rebellen als Al-Kaida-Terroristen.

„Das Leiden ist über das gesamte Land gekommen“, sagte der Präsident. „Es gibt keinen Raum mehr für Freude, es fehlen Sicherheit und Stabilität auf den Straßen.“ Ausdrücklich schloss er die Rebellen von einer möglichen politischen Lösung ausgeschlossen. Verhandlungen mit „Marionetten“ des Westens werde es nicht geben.

Eine politische Lösung des Konfliktes sei nur auf der Grundlage eines Endes der ausländischen Finanzierung der Rebellen möglich, so Assad. „Wir werden mit einer Hand reformieren und mit der anderen Hand den Terrorismus zerstören“, sagte er.

Syrien sei einer beispiellosen Attacke ausgesetzt. „Es ist ein Konflikt zwischen dem Volk auf der einen Seite und Killern und Kriminellen auf der anderen Seite.“

In dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen Assad sind nach UN-Schätzungen mehr als 60.000 Menschen getötet worden. Die Rebellen kontrollieren mittlerweile große Teile des Landes und sind bis an die Tore der Hauptstadt herangerückt.

Die Aufständischen rekrutieren sich überwiegend aus der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit. Assad gehört der den Schiiten verwandten Gruppe der Alawiten an.

Kommentare (9)

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DemokratieJetzt

06.01.2013, 12:49 Uhr

Appelle an den "Endsieg": Da geht Assad also ein Licht auf, dass er diesen Krieg demnächst verlieren wird..

-Eigentlich könnte man das als gute Nachricht auffassen, denn das heißt ja nichts anderes, als dass er sich bald Richtung Iran absetzen wird.
Aber was kommt danach? Dank des kompletten moralischen Versagen des Westens (Motto: Wegschauen statt helfen) wird dort wohl der nächste "Gottesstaat" entstehen.

maximilian@baehring.at

06.01.2013, 13:05 Uhr

Die könnten ähnlich wie das A-Team noch ein paar Maschinengewehre an erbeutete Rettungshubschruber aus humanitären Hilfslieferungen schweißen!

Und abgesehen davon? Was geschieht wenn Rebellen auch aufrüsten? Bei Assad kann man Hans Blix vorbeischicken der schreibt dann eine ganz böse Waffensystem-Inventurliste ...

(http://images.sodahead.com/polls/001546143/659389372_HansBrix_xlarge.jpeg)

... inklusive geLEPERter, pardon auf syrischen Flughägfen gePARKter Passagerjets, denn mit denene haben die so eine Art kritische-Masse-Zünder für eine "passive Atombombe" besteehnd aus einem zzivilen Atomkraftwerk auf dem Gebiet des Gegners.

http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3113

"Danach würden sogar die modernen Anlagen, die gegen den Absturz eines Phantom-Kampfjets ausgelegt sind, beim Einschlag eines Verkehrsflugzeugs zerbröseln. Eine Boeing 747 und ein Airbus A-340 haben eine Spannweite von rund 60 Metern, sie wiegen beim Start 14 Mal mehr als eine Phantom, ihre Tanks fassen rund 30-Mal mehr. Prallten diese Maschinen selbst mit einer moderaten Geschwindigkeit von 400 Kilometern pro Stunde auf die Betonwand eines Reaktors, würden sie äußere und innere Hülle durchbohren, den Kühlkreislauf und die Sicherheitssysteme beschädigen. Innerhalb einer Stunde käme es zur Kernschmelze, Flächen im Umkreis von bis zu 250 Kilometern wären langfristig verseucht."

nethopper

06.01.2013, 14:05 Uhr

Zeitgleich mit Assads Rede wurden in Deutschland die bis gestern problemlos erreichbare Website von SANA und weitere Seiten syrischer Medien gesperrt. In Syrien selbst funktioniert das Internet und der Aufruf dieser Seiten problemlos, wie aus einschlägigen Blogs zu erfahren ist.

Die Berichterstattung in deutschen Medien ist auffällig gleichgeschaltet: Überalle werden exakt die gleichen Zitate aus Assads Rede und Zusammenfassungen wiedergegeben. Eine Überprüfung, ob diese Zitate richtig sind und der Inhalt der Rede korrekt zusammengefasst wird, ist nur schwer möglich.

Leider haben auch die einschlägigen Syrien-Blogs den Wortlaut der Rede noch nicht übersetzt und veröffentlicht. Um an erste Informationen zu kommen, muss man ausländische Medien, z.B. Russia Today bemühen. Eigenartig, dort klingt die Zusammenfassung der Rede ganz anders.

Der Aufmacher in unserer Presse ist die "volle Mobilmachung", die Assad angeblich ausruft. Hier sind offenbar Assoziationen mit der Göbbels Rede "Wollt ihr den totalen Krieg?" ausdrücklich erwünscht.

Aljazeera veröffentlicht zumindest Videos der ersten 5 Minuten der Rede mit englischer Synchronübersetzung. Dort wo es spannend wird, endet das Video - leider. Auf Youtube ist nur die Begrüssung und der Beifall der Zuhöhrer zu Beginn der Rede zu finden. Sonderbar, dass keine fortfolgenden Ausschnitte der Rede bei Youtube verfügbar sind, oder?

Ich gehe davon aus, der volle Wortlaut der Rede wird nicht dauerhaft zu verheimlichen sein. Ich vertraue da auf die einschlägige Blogs und neue Spiegelseiten syrischer Medien. Ich bin sehr gespannt, wie die Berichterstattung in unseren Medien zu beurteilen sein wird, wenn man erst den tatsächlichen Inhalt der Rede kennt.

Die Art der Berichterstattung in unseren Medien ist einseitig, der Versuch einer Zensur erbärmlich.

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