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21.12.2011

19:53 Uhr

Syrien-Konflikt

„Ein Massaker ungeahnten Ausmaßes“

Das Assad-Regime lässt sich auch von der bevorstehenden Ankunft arabischer Kontrolleure nicht beeindrucken. Frankreich spricht „von einem Massaker ungeahnten Ausmaßes“ und fordert den UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf.

Demonstranten protestieren gegen Syriens Präsidenten Assad. Reuters

Demonstranten protestieren gegen Syriens Präsidenten Assad.

BeirutDer Machtkampf in Syrien ist eskaliert: Kurz vor der Ankunft arabischer Beobachter kamen am Dienstag Menschenrechtlern zufolge mindestens 110 Zivilisten und Regierungsgegner ums Leben. Zudem seien am „blutigsten Tag der syrischen Revolution“ bei Kämpfen in der Provinz Idlib mehr als 100 Deserteure getötet oder verletzt worden, berichtete die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte am Mittwoch in London.

Das gewaltsame Vorgehen gegen die Opposition wurde vom Ausland aufs Schärfste verurteilt: Frankreich sprach „von einem Massaker ungeahnten Ausmaßes“ und forderte den UN-Sicherheitsrat auf, in einer entschlossenen Resolution der Unterdrückung ein Ende zu bereiten. Die US-Regierung zeigte sich „tief beunruhigt“ und erklärte, Präsident Baschar al-Assad habe es nicht verdient, Syrien weiter zu regieren. Die Bundesregierung verlangte ein umgehendes Ende der Gewalt. „Es ist schauderhaft zu sehen, wie sich Baschar al-Assad und seine Helfer an die Macht klammern und den Wunsch der syrischen Bevölkerung nach Würde und Freiheit mit Füßen treten“, erklärte der Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning.

Die eskalierende Gewalt schürt Sorgen vor einem Bürgerkrieg. Assad versucht sein Monaten, die Proteste mit Panzern und Soldaten zu stoppen - und weigert sich trotz Sanktionen von EU, den USA und arabischen Nachbarn, Reformen anzugehen. Regierungsgegner greifen vermehrt zu den Waffen, zudem schließen sich Soldaten der Opposition an. Diese berichtete von Angriffen der Rebellen auf die Regierungstruppen: In einem Hinterhalt hätten die Aufständischen in der süd-syrischen Provinz Deraa 14 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Zudem seien in Idlib 17 Militärfahrzeuge zerstört worden.

Der oppositionelle Syrische Nationalrat meldete für Montag und Dienstag insgesamt 250 Tote. Der Rat forderte die UN und die Arabische Liga auf, das Leben von Zivilisten zu schützen. Die Vorhut einer aus 150 Beobachtern bestehenden Kommission der Arabischen Liga wurde am Donnerstag in Damaskus erwartet. Liga-Generalsekretär Nabil Elarabi sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er gehe davon aus, dass die Gruppe Ende kommender Woche vollständig in Syrien sein werde. Mit Beginn des Einsatzes werde die Arabische Liga wissen, ob sich die Führung des Nahost-Landes an den Plan der Organisation zur Beendigung der Gewalt halte.

Für den Fall eines Scheitern der Initiative drohten die USA mit „weiteren Schritten“. Mit Blick etwa auf Russland erklärte ein Regierungssprecher in Washington, die „wenigen verbliebenen Unterstützer“ sollten entsprechend auf die Regierung in Damaskus einwirken.

Seit Beginn der Proteste gegen Assad sind nach Schätzungen der UN mehr als 5000 Menschen zu Tode gekommen. Die Regierung spricht von 1100 Mitgliedern der Sicherheitskräfte, die von „bewaffneten terroristischen Banden“ umgebracht worden seien. Der Wahrheitsgehalt von Berichten über Zusammenstöße und Opfer kann nicht verifiziert werden, da eine unabhängige Berichterstattung aus Syrien nicht möglich ist und die meisten ausländischen Journalisten des Landes verwiesen wurden.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Thomas-Melber-Stuttgart

21.12.2011, 20:14 Uhr

Klar, das Feuer des Bürgerkrieges wird ja auch von interessierter Seite aus dem Ausland genährt. Im übrigen sollte man die hohe Zahl der getöteten Sicherheitskräfte nicht unterschlagen.

Thomas-Melber-Stuttgart

21.12.2011, 20:14 Uhr

Klar, das Feuer des Bürgerkrieges wird ja auch von interessierter Seite aus dem Ausland genährt. Im übrigen sollte man die hohe Zahl der getöteten Sicherheitskräfte nicht unterschlagen.

Rainer_J

21.12.2011, 20:32 Uhr

Na klar, und Sadam lebt in Wirklichkeit immer noch und produziert in einem kleinen Bunker Giftgas. Also am besten nochmal 100 000 Soldaten hinschicken.

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