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30.09.2015

14:51 Uhr

Syrien-Konflikt

Putin macht ernst – Bomber greifen an

VonAndré Ballin

Massive Unterstützung bekommt Syriens Diktator Assad von seinem Verbündeten Russland. Putins Intervention in den Krieg scheint überraschend – ist sie aber tatsächlich nicht. Die USA bestätigen die ersten Angriffe.

Der russische Präsident unterstützt seinen Verbündeten, den syrischen Präsidenten Assad, nun auch mit Luftschlägen gegen den IS. ap

Wladimir Putin

Der russische Präsident unterstützt seinen Verbündeten, den syrischen Präsidenten Assad, nun auch mit Luftschlägen gegen den IS.

MoskauRussland greift nun auch militärisch in den Syrien-Konflikt ein. Nach US-Angaben wurden erste Luftangriffe geflogen. Die Bombardierungen habe es in der Umgebung von Homs gegeben, berichten die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. Sie berufen sich auf US-Militärkreise. Russland habe die USA eine Stunde vorher über entsprechende Pläne informiert.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor vom Parlament einstimmig die Erlaubnis erhalten, Kampftruppen ins Ausland zu schicken. „Konkret geht es um Syrien“, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Putins Vertrauter Sergej Iwanow, im Staatsfernsehen. Russland wolle ausschließlich seine Luftstreitkräfte für den Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) einsetzen, betonte er.

Russland begründet den Militäreinsatz folgendermaßen: „Die Hauptaufgabe ist der Kampf gegen den Terrorismus und die Unterstützung der legitimen Obrigkeit Syriens im Kampf gegen Terrorismus und Extremismus“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Seinen Angaben nach ist Russland damit das einzige Land, das auf legaler Grundlage in Syrien kämpft.

Russland hatte zuletzt seine Militärhilfe für die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad verstärkt. Darüber hinaus vereinbarten Russland, der Iran, der Irak sowie Syrien den Austausch von Sicherheitsinformationen in einem gemeinsamen Analysezentrum in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Russland verfolgt in Syrien zwei Hauptziele. Erstens ist Putin am Machterhalt Assads interessiert, der trotz gelegentlicher Spannungen zwischen Moskau und Damaskus ein treuer Verbündeter Russlands ist und so den Einfluss Russlands in der Nahostregion sicherstellt. Dies beinhaltet sowohl den Besitz einer Militärbasis, als auch potenziell die Möglichkeit zur Erschließung der Öl- und Gaslagerstätten vor der syrischen Küste durch russische Konzerne. Andere Verbündete hat Russland in Syrien nicht.

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Warum sich Putin in Syrien engagiert

Wladimir Putin will nun doch keine Truppen nach Syrien schicken. Doch er wird sich nicht auf die Beobachterrolle beschränken – und Syriens Präsidenten Assad militärisch stärken. Aus zwei guten Gründen.

Zweitens ist der IS, gegen den das russische Militär nun allem Anschein nach Luftschläge führen wird – ein Bodenkrieg erscheint Moskau zu verlustreich und riskant – eine ernsthafte Bedrohung für die innere Sicherheit Russlands. Zahlreiche Kämpfer stammen aus Russland und der GUS, im Kreml wird ihre Rückkehr als Destabilisierungsfaktor speziell für den Kaukasus befürchtet.

Unklar bleibt dabei auf den ersten Blick, warum Putin erst vor wenigen Tagen in einem Interview ein militärisches Engagement in Syrien völlig ausschloss. „Russland wird sich nicht an Militäroperationen auf dem Territorium Syriens oder anderer Staaten beteiligen, zumindest planen wir das zum heutigen Tag nicht“, sagte er in einem Interview.

Kommentare (76)

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Account gelöscht!

30.09.2015, 13:34 Uhr

Mal ein guter und sachlicher Artikel des HB. Danke!
Aber das Russland in Syrien das Oel im Blick hat, dass können Sie zu den Märchen heften. Russland ist ein großes Land und hat genug Oel. Außerdem ist der Oelpreis eh im Keller.
Russland will in Syrien dagegen seinen einzigen Militärstützpunkt im Mittelmeer sichern. Und dies wird nur durch Assad gewährleistet.

Herr Marc Otto

30.09.2015, 13:39 Uhr

In der Uno hat Putin Obama in Pension geschickt

Bei seiner Rückkehr in die Uno nach einer zehnjährigen Abwesenheit hat Wladimir Putin auf einen Schlag gleich drei Siege errungen, schreibt Gian Micalessin in “Il Giornale”:

Er hat den “erschöpften” Barack Obama k.o. geschlagen, die Aufmerksamkeit der Uno-Vollversammlung gewonnen und für Russland den Status einer Weltmacht zurückgeholt.


„Putin konnte Obama auch nicht verlieren, denn auf der einen Seite stand der ‚Zar‘ und ein Schach-Liebhaber, der erst nach einem sorgfältigen Studium seines Gegners einen Schachzug macht, auf der anderen Seite aber ein unsicherer Poker-Spieler, der keinen einzigen Ass mehr im Ärmel hat“, so der Kommentator.

Das Treffen der beiden Präsidenten bei der Uno-Vollversammlung hat die pessimistischsten amerikanischen Prognosen übertroffen, heißt es im Beitrag. „Nach dem donnernden Applaus für den neuen Zaren in der Uno kann Obama nur über seinen Ruhestand nachdenken.“

Herr Marc Otto

30.09.2015, 13:40 Uhr

Die Strategie des Präsidenten Russlands sei einfach und effektiv, heißt es im Beitrag. Im Unterschied zu seinem amerikanischen Opponenten schlage er konkrete Schritte im Kampf gegen den Islamischen Staat vor und verkünde diplomatische Pläne zur Einbeziehung von Baschar al-Assad in die Verhandlungen.

Außerdem schlage er konstruktive Lösungen für das Migrantenproblem in Europa vor. Die Konzeptionen, die Obama vorschlägt, sind alte Losungen – „die Losungen, die Syrien in einen riesigen Schlachthof verwandelt und dem Islamischen Staat Tür und Tor geöffnet haben“.


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