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21.10.2015

16:14 Uhr

Syrien-Konflikt

Putin trifft Assad – und telefoniert mit Erdogan

Syriens Machthaber Assad ist erstmals seit Beginn des Bürgerkriegs in seinem Land ins Ausland gereist. In Moskau traf er seinen Waffenbruder Putin. Dessen türkischer Amtskollege Erdogan zeigt sich am Telefon besorgt.

Treffen zwischen Putin und Assad

Assad macht einen „Arbeitsbesuch“ in Moskau

Treffen zwischen Putin und Assad: Assad macht einen „Arbeitsbesuch“ in Moskau

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MoskauBei der Offensive im Großraum Aleppo stimmen sich die Soldaten der syrischen Armee und die russische Luftwaffe bereits ab – nun hat sich das syrische Regime auch auf politischer Bühne der Unterstützung aus Moskau versichert. So führte die erste Auslandsreise seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 den syrischen Machthaber Baschar al-Assad in die russische Hauptstadt. Dort traf er sich mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Assad habe sich am Dienstagabend zu einem „Arbeitsbesuch“ in Moskau aufgehalten, teilte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch laut russischen Nachrichtenagenturen mit. Dabei sei es um den „Kampf gegen terroristische, extremistische Gruppierungen“ gegangen und um die russische Luftunterstützung für Vorstöße der syrischen Armee. Offen ließ der Regierungssprecher, ob Assad sich am Mittwoch noch in Moskau aufhielt.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Putin gilt als wichtigster Unterstützer Assads. Russland hatte Ende September mit Luftangriffen aktiv in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen – laut Kreml um gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Hauptgegner zu kämpfen. Nach westlicher Einschätzung treffen die Angriffe aber vor allem andere Gruppen, die gegen Assad kämpfen.. Die USA und andere westliche Staaten werfen Russland jedoch vor, vor allem vom Westen unterstützte gemäßigte Rebellen in dem Konflikt anzugreifen, um Assad zu stärken.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich nach Reuters-Informationen in einem Telefonat mit Putin besorgt über die Entwicklungen in Syrien geäußert. Die Bombardierung der nordsyrischen Stadt Aleppo werde die Zahl der Flüchtlinge weiter erhöhen, sagte Erdogan nach Angaben aus seinem Präsidialamt in dem Gespräch am Mittwoch. Er sei entschlossen, alle terroristischen Gruppen zu bekämpfen, habe der türkische Präsident gesagt und dabei eine Verbindung zwischen der kurdischen Miliz in Syrien und der türkischen Kurden-Organisation PKK gezogen.

Beide Präsidenten vereinbarten den Angaben zufolge, das Thema Syrien auf dem G20-Gipfel am 15. und 16. November in Antalya zu erörtern. Russland und die Türkei verfolgen im Syrien-Konflikt bislang gegensätzliche Ziele. Während die Regierung in Moskau mit Luftangriffen versucht, den Bürgerkrieg zugunsten von Assad zu drehen, dringt die Türkei auf eine Absetzung des Präsidenten. Mittlerweile gesteht die Regierung in Ankara aber zu, dass Assad nach einem Ende des Krieges für eine Übergangszeit im Amt bleiben könne.

Die Außenminister der USA und Russland, John Kerry und Sergej Lawrow, planen nach Angaben aus Moskau zudem ein Treffen an diesem Freitag in Wien. Das teilte das russische Außenministerium nach einem Telefonat der beiden Chefdiplomaten am Mittwoch mit. An den Gesprächen sollen demnach auch die Außenminister der Türkei und Saudi-Arabiens teilnehmen. Lawrow zufolge ist zudem ein Treffen des Nahost-Quartetts zu Beratungen über die Lage im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern geplant. Zu der Viererrunde gehören neben Russland und den USA auch die Europäische Union und die Vereinten Nationen.

Der Konflikt in Syrien hatte im März 2011 zunächst mit friedlichen Protesten begonnen, sich jedoch rasch zu einem Bürgerkrieg ausgeweitet. Inzwischen sind zahlreiche Akteure in den Konflikt verwickelt, die Lage ist zunehmend unübersichtlich. In dem Krieg wurden bereits mehr als 250.000 Menschen getötet, vier Millionen verließen nach Uno-Angaben das Land, sieben Millionen wurden innerhalb der syrischen Grenzen vertrieben.

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