Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2013

16:50 Uhr

Syrien-Konflikt

Todesangst in Damaskus

Hamsterkäufe und Flucht: In der syrischen Hauptstadt Damaskus bereitet sich die Bevölkerung auf einen möglichen Militärschlag des Westens vor. Viele fürchten sich vor einem dritten Weltkrieg.

Syrierinnen auf dem al-Shaalan Markt in Damaskus. Vor einem möglichen Militärschlag des Westens beginnt die Bevölkerung in der Hauptstadt mit Hamsterkäufen. Viele verlassen Damaskus. Reuters

Syrierinnen auf dem al-Shaalan Markt in Damaskus. Vor einem möglichen Militärschlag des Westens beginnt die Bevölkerung in der Hauptstadt mit Hamsterkäufen. Viele verlassen Damaskus.

DamaskusDschihan sitzt auf den gepackten Koffern der Familie. Die junge Mutter wohnt neben Mazze, dem Militärflughafen von Damaskus, und ist überzeugt, dass dies eines der ersten Ziele ist, das die USA und ihre Verbündeten bombardieren werden.

Todesangst macht sich in Damaskus breit. Vor allem Bewohner in der Nachbarschaft von strategischen Einrichtungen, die in den nächsten Tagen angegriffen werden könnten, bangen um ihr Leben. Andere reagieren mit Hamsterkäufen auf die schwebende Drohung, die syrische Regierung, der Giftgasangriffe auf die eigene Bevölkerung vorgeworfen werden, mit Militärschlägen zu bestrafen.

„Mazze gehört zu den ausgewählten Angriffszielen. Da bin ich sicher“, sagt Dschihan. Der größte Militärflughafen im Land wird auch von Präsident Baschar al-Assad für Inlandsflüge genutzt, die allerdings selten geworden sind.

Was in Syrien bisher geschah

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama droht mit Konsequenzen, sollte das Assad-Regime die „rote Linie“ überschreiten und Chemiewaffen einsetzen.

8. April 2013

Syrien will ein UN-Team nicht einreisen lassen, das überall überprüfen soll, ob Chemiewaffen zum Einsatz kamen. Damaskus will nur eine Prüfung an einem konkreten Ort zulassen.


25. April

US-Geheimdienste haben angeblich Hinweise auf einen Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime. Es gebe aber noch keine eindeutigen Beweise, sagt US-Außenminister John Kerry.

6. Mai

Das Mitglied der UN-Kommission zu Kriegsverbrechen in Syrien Carla del Ponte erklärt: „Soweit wir das feststellen konnten, haben bisher nur die Widersacher des Regimes das Gas Sarin eingesetzt.“ Die UN-Syrienkommission schwächt das später ab: Es gebe keine Beweise.

4. Juni

Nach Angaben der Kommission wurden in Syrien bisher wahrscheinlich viermal Chemiewaffen eingesetzt. Die meisten Hinweise darauf beträfen die Regierungsseite. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass auch Rebellen Chemiewaffen hätten. Die US-Regierung erklärt, man brauche weitere Beweise, wer für den wahrscheinlichen Gebrauch von Chemiewaffen verantwortlich sei.

5. Juni

Der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon berufene schwedische Chemiewaffenexperte Åke Sellström erklärt, die Aussagekraft der ihm vorgelegten Informationen zu Chemiewaffen in Syrien reiche für eine eindeutige Beurteilung nicht aus. Diese sei nur nach Prüfung vor Ort möglich. Syriens Regierung lässt UN-Inspektoren aber nicht zu.

14. Juni

Die US-Regierung erklärt, keinen Zweifel mehr am Einsatz chemischer Waffen in Syrien zu haben. Der Geheimdienst gehe davon aus, dass das Assad-Regime die Kampfstoffe eingesetzt habe, erklärt der Vize-Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Ben Rhodes.

15. Juli

Während einer Militäroffensive wollen Regierungstruppen bei Damaskus eine Chemiewaffenanlage der Rebellen entdeckt haben. Die Opposition weist die Anschuldigungen scharf zurück.

24. Juli

Die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane und der Giftgasexperte Åke Sellström treffen in Damaskus ein. Sie führen Vorgespräche mit Regierungsmitgliedern über die künftige Arbeit einer UN-Expertengruppe für Chemiewaffen. Damaskus hatte nach langem Widerstand den Inspektionen zugestimmt


19. August

Die UN-Experten nehmen ihre Arbeit in Syrien auf. Das Team soll drei Orte untersuchen, an denen angeblich Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Die Opposition behauptet, das Assad-Regime habe in über zehn Fällen Giftgas verwendet. Die Regierung bezichtigt dagegen weiterhin die Rebellen, sie hätten Chemiewaffen eingesetzt.

Geschützt wird Mazze von der gefürchteten Vierten Division, die für die Verteidigung der Hauptstadt zuständig ist und vom Präsidentenbruder Maher al-Assad befehligt wird. Dschihan zieht mit Mann und den zwei Töchtern zu Verwandten nach Malki, einem Viertel in der Innenstadt, das sie für sicherer hält.

Auf den Straßen im Zentrum fahren kaum noch Autos. Die Einwohner von Damaskus verlassen ihre Häuser nur noch für die Arbeit oder unaufschiebbare Besorgungen. „Es sind kaum Leute unterwegs. Meine Frau zum Beispiel kommt nach der Arbeit immer sofort nach Hause, ohne wie früher erst ihre Mutter zu besuchen“, berichtet der Bankangestellte Adel.

„Seit drei Tagen hört man hier die irrsten Gerüchte. Meine Mutter ist völlig fertig mit den Nerven, weil wir gleich neben der Zentrale des Generalstabs wohnen. Und das ist ja wirklich ein Angriffsziel“, sagt der 35-jährige Mohammed, der im schicken Viertel Abu Ruman wohnt. „Seit die hier von Raketenangriffen reden, habe ich vor lauter Angst ständig Bluthochdruck“, klagt Futun, die mit kleinen Kindern im gleichen Innenstadtviertel wohnt.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

wilhelm

28.08.2013, 17:55 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

ZuFriedenszeiten

28.08.2013, 18:05 Uhr

Koennte ein ueberall postender SANTOS seine Pro-USA Anti-Russland Anti-Syrien Anti-Frieden Kriegshetze mal fuer sich behalten? Der Herr ist ja nun ueberall praesent. Woher diese Leidenschaft? Wer bezahlt Sie?

Es ist - nach gruendlicher Pruefung soweit wie von hier aus moeglich - mal wieder das typische alljaehrliche NATO-Modell, um ein unschuldiges Land nach irgendeinem vorgetaeuschten Vorwand in Staub und Terror zu bombardieren, einzig und allein aus eigenen machtpolitischen Erwaegungen heraus. Ich schaeme mich,Buerger eines NATO-Mitgliedslandes zu sein. Seit 2011 stellen sich die USA und ihre ehrenwerten Verbuendeten um Syrien herum auf. Sehnsuechtig sucht man nach Vorwaenden, das Land zu Ueberfallen. Die angeblich von Syriens Regierungstruppen abgefeuerten Geschosse an der tuerkischen Grenze, angeblich unrechtmaessig abgeschossener tuerkischer Kampfjet. Auch vom Giftgas wird seit Jahren schwadroniert. Und ausgerechnet an dem tag, an dem sich UN Beobachter in Damaskus befinden sollen Syrische Regierungstruppen wenige Kilometer nebenan solch einen Anschlag verueben? Wie war das gleich noch mit den anderen Massakern? Kam nicht irgendwann raus, dass diese tatsaechlich von der "friedliebenden rebellischen Opposition" veruebt worden waren? Mein Gott, was fuer eine primitive durchschaubare Inszenierung.

Pino

28.08.2013, 18:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×