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13.02.2016

14:29 Uhr

Syrien-Konflikt

Türkei erwägt Einsatz von Bodentruppen gegen IS

Nach Russland und Saudi-Arabien erwägt nun auch die Türkei den Einsatz von Bodentruppen im Syrien-Krieg. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sucht den Schulterschluss mit Riad – und bietet Stützpunkte an.

Die türkische Regierung arbeitet mit Saudi-Arabien zusammen. Der Golfstaat will eine unbestimmte Zahl Kampfflugzeuge auf dem Stützpunkt Incirlik stationieren. AFP

Mevlüt Cavusoglu

Die türkische Regierung arbeitet mit Saudi-Arabien zusammen. Der Golfstaat will eine unbestimmte Zahl Kampfflugzeuge auf dem Stützpunkt Incirlik stationieren.

IstanbulDas Nato-Land Türkei erwägt die Entsendung von Bodentruppen nach Syrien zur Bekämpfung der Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS). „Wenn es seine solche Strategie gibt, könnte sich die Türkei zusammen mit Saudi-Arabien an einem Einsatz am Boden beteiligen“, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu der Zeitung „Yeni Safak“ zufolge am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Saudi-Arabien hat bereits signalisiert, bei Bedarf Soldaten schicken zu können.

Zudem kündigte Cavusoglu an, dass der Golfstaat Kampfflugzeuge für den Syrien-Einsatz in die Türkei verlegen wird. Eine noch unbekannte Zahl an Maschinen werde auf dem Stützpunkt Incirlik stationiert, sagte der Minister der Zeitung zufolge weiter. Die Regierung in Riad war am Samstag zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Saudi-Arabien ist Teil der von den USA geführten Allianz, die den IS in Syrien und im Irak aus der Luft bekämpfen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Am Rande der Sicherheitskonferenz hatten Russland und die USA am Freitag vereinbart, auf eine Feuerpause in Syrien binnen einer Woche hinzuarbeiten. Allerdings wurde die Abmachung von keiner der Bürgerkriegsparteien unterschrieben. Am Samstag forderte US-Außenminister John Kerry Russland auf, Luftangriffe auf Gruppen der gemäßigten Opposition einzustellen.

Seit fünf Jahren kämpfen Rebellen gegen den von der Moskauer Regierung unterstützten syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, gerieten zuletzt aber durch die russischen Bombardements ins Hintertreffen. Dies hat Golfstaaten aufseiten der Aufständischen wie Saudi-Arabien auf den Plan gerufen.

Von

rtr

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