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17.03.2017

15:06 Uhr

Syrien-Konflikt

US-Militär bestreitet Luftangriff auf Moschee

In der vergangenen Woche wurde dem US-Militär vorgeworfen, einen Luftangriff auf eine Moschee nahe Aleppo gefahren zu haben, bei dem mindestens 42 Menschen getötet wurden. Diese Vorwürfe weist das Militär nun von sich.

Angriff auf Syrien

Über 40 Tote bei Luftangriff auf Moschee in Syrien

Angriff auf Syrien: Über 40 Tote bei Luftangriff auf Moschee in Syrien

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Tampa/DamaskusDas US-Militär hat die Verantwortung für einen Luftangriff mit Dutzenden Toten auf eine Moschee nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo zurückgewiesen. Ein Sprecher des Zentralkommandos erklärte, es habe am Donnerstag in der Gegend einen Luftangriff auf ein Gebäude gegeben, in dem sich Mitglieder des Terrornetzwerkes Al-Kaida getroffen hätten.

„Es gibt eine Moschee innerhalb von 50 Fuß (rund 15 Meter) von dem Gebäude, die immer noch steht“, zitierte die „New York Times“ den Sprecher. Er kündigte zugleich eine Untersuchung an.

Nach Angaben des Zentralkommandos richtete sich der Angriff gegen ein Ziel in der Umgebung von Idlib. Dabei seien mutmaßlich mehrere Terroristen getötet worden. Zu zivilen Opfern gebe es keine Angaben. Die bombardierte Moschee stand in dem von Rebellen kontrollierten Ort Al-Dschinnah, der sehr nahe an der Grenze zur Provinz Idlib liegt.

Ein Luftangriff hatte die Moschee nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag während des Abendgebets getroffen. Die Zahl der Toten stieg auf 46, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Mehr als 100 Menschen seien verletzt worden, viele von ihnen schwer. Bei den meisten Opfern handele es sich um Zivilisten.

Die Rettungsorganisation Weißhelme erklärte, ihre Helfer suchten unter den Trümmern nach weiteren Opfern. In der Region sind zahlreiche Vertriebene untergekommen, die im vergangenen Jahr aus dem über Monate heftig umkämpften Aleppo geflohen waren.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Der Aktivist Mohammed al-Schaghel, der nach eigene Angaben am Angriffsort war, erklärte in einer Kurznachricht, er gehe davon aus, dass US-Jets den Angriff geflogen hätten. „Die Moschee ist durch den Angriff dem Erdboden gleichgemacht worden“, schrieb er.

Der Leiter der Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman, erklärte, weder russische noch syrische Flugzeuge hätten den Angriff geflogen. Die Menschenrechtler beziehen ihre Angaben von Informanten in Syrien. Andere Aktivisten beschuldigten aber auch Moskaus Luftwaffe, die im Bürgerkrieg die Regierung unterstützt.

Sowohl die USA als auch Russland bombardieren in Syrien regelmäßig Extremisten aus der Luft. Die Angriffe richten sich gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und gegen die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir-al-Scham-Front. Diese hat unter anderem in der Nähe von Aleppo Stellungen. Seit Anfang des Jahres sind bei US-Luftangriffen Dutzende Anführer der Tahrir-al-Scham-Front getötet worden. Die Organisation ist wie der IS von der seit Ende Dezember geltenden Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland ausgenommen.

Erst am Mittwoch waren in der von Rebellen beherrschten Stadt Idlib im Nordwesten Syriens bei einem Luftangriff 26 Menschen ums Leben gekommen, darunter 14 Kinder. Der Syrienkonflikt hatte sich in dieser Woche zum sechsten Mal gejährt. Er hatte im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung begonnen. In dem Bürgerkrieg, in dem zahlreiche andere Staaten mitmischen, sind mindestens 400 000 Menschen ums Leben gekommen.

Von

dpa

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