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12.01.2017

16:16 Uhr

Syrien-Konflikt

Waffenstillstand in Syrien hält weitgehend

Bis auf wenige Kämpfe scheint die Waffenruhe in Syrien zu halten. Derweil wird im Kasachischen Astana eine Syrien-Friedenskonferenz vorbereitet. Frankreich möchte, dass die Verhandlungen unter UN-Aufsicht stattfinden.

Bewaffnete Kämpfer in einem zerstörten Stadtteil Aleppos. dpa

Krieg in Syrien

Bewaffnete Kämpfer in einem zerstörten Stadtteil Aleppos.

Der seit Dezember in Syrien geltende Waffenstillstand hält weitgehend. Zu dieser Einschätzung kamen am Donnerstag sowohl die Präsidenten Russlands und der Türkei, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, als auch der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura. Putin und Erdogan vereinbarten nach Angaben des Präsidialamtes in Moskau außerdem, die Vorbereitungen der in Kasachstan geplanten Syrien-Friedenskonferenz voranzutreiben.

Putin habe darüber auch mit seinem kasachischen Kollegen Nursultan Nasarbajew gesprochen. Angesichts der veränderten militärischen Lage in Syrien begann Russland unterdessen mit einem Umbau seiner Truppen dort. Von dem Waffenstillstand sind extremistische Gruppen wie der Islamische Staat ausgenommen.

De Mistura sagte in Genf, die Waffenruhe werde nur in einzelnen Fällen verletzt. Außerdem komme noch immer nicht ausreichend Hilfe in die belagerten Gebiete. Probleme gebe es bei der Evakuierung der schiitischen Dörfer Fua und Kefraja in der Provinz Idlib. Rebellengruppen hinderten 23 Busse daran, die beiden Orte zu verlassen. Kämpfe gebe es noch im Tal Wadi Barada, wo die Trinkwasserbrunnen für die Hauptstadt Damaskus liegen.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Im Hinblick auf die Konferenz im kasachischen Astana sagte de Mistura, er gehe davon aus, dass die UN dazu einladen würden. In der Stadt wollen Russland, die Türkei und der Iran mit Vertretern der syrischen Regierung und einigen Rebellengruppen über ein Ende der Kämpfe und die Zukunft Syriens beraten. Die Konferenz soll nach russischer Darstellung eine Ergänzung zu den UN-Friedensgesprächen sein. Diese hatten erfolglos in Genf stattgefunden.

Für diesen Verhandlungsrahmen sprach sich am Donnerstag der französische Präsident François Hollande aus. Die Syrien-Friedensgespräche müssten unter der UN-Schirmherrschaft stattfinden, sagte er. In westlichen Diplomatenkreisen wird die russische Initiative mit Argwohn betrachtet.

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Derweil ändert Russland seine eigene Militärstrategie für Syrien. Die ersten sechs taktischen Bomber von Typ Su-24 seien bereits abgezogen worden, teilte das Verteidigungsministerium nach Berichten von Nachrichtenagenturen mit. Im Gegenzug seien vier Erdkampfflugzeuge des Typs Su-25 auf den russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in der syrischen Provinz Latakia verlegt worden. Weitere Kampfflugzeuge und Soldaten würden von dort nach Russland zurückkehren. In der vergangenen Woche hatte Generalstabschef Waleri Gerassimow bekanntgegeben, dass der Flugzeugträgerverband "Admiral Kusnezow" mit dem Abzug aus dem Mittelmeer begonnen habe. Von dem Schiff aus waren Kampfflugzeuge zu Einsätzen gegen die Rebellen und Extremisten in Aleppo gestartet.

Von

rtr

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