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27.08.2013

13:36 Uhr

Syrien-Konflikt

Wer kämpft eigentlich gegen wen?

VonSebastian Schaal

Seit zweieinhalb Jahren erschüttern die Kämpfe Syrien. Was mit dem arabischen Frühlings begann, hat sich über einen Kampf der Bevölkerungsgruppen zu einem Krieg entwickelt, der nun die ganze Welt in Atem hält.

Eine Straße in Deir Ezzor in Ost-Syrien: Von der Demokratie-Bewegung ist nichts mehr geblieben. AFP

Eine Straße in Deir Ezzor in Ost-Syrien: Von der Demokratie-Bewegung ist nichts mehr geblieben.

DüsseldorfDas Leid der Zivilbevölkerung in Syrien bewegt die Welt seit zweieinhalb Jahren. Mehr als 100.000 Syrer kamen im Bürgerkrieg ums Leben. 6,8 Millionen Menschen sind laut Vereinten Nationen auf der Flucht, darunter rund drei Millionen Kinder. Was mit friedlichen Protesten für mehr Demokratie begann, hat sich schnell zu einem über die Landesgrenzen hinweg reichenden Bürgerkrieg entwickelt.

Im Frühjahr 2011 ist der arabische Frühling voll im Gange. Massenproteste haben die Regierungen in Tunesien, Libyen und Ägypten zum Rücktritt gezwungen oder zumindest schwer in Bedrängnis gebracht. Im März drohen die dank des Internets gut organisierten Demonstrationen auch auf Syrien überzugreifen. Gegen Ende des Monats nehmen die Proteste, die zuerst von Studenten und Schülern initiiert wurden, an Umfang und Intensität zu. Schüler hatten in der Stadt Dar'a politische Parolen an Wände geschmiert und waren verhaftet worden. Daraufhin formierten sich die ersten Demonstrationen, bei denen die Freilassung der Kinder gefordert wird. Als sich die Proteste ausweiten, kommt es in Damaskus und anderen Metropolen Syriens zu den ersten Massenverhaftungen.

Was in Syrien bisher geschah

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama droht mit Konsequenzen, sollte das Assad-Regime die „rote Linie“ überschreiten und Chemiewaffen einsetzen.

8. April 2013

Syrien will ein UN-Team nicht einreisen lassen, das überall überprüfen soll, ob Chemiewaffen zum Einsatz kamen. Damaskus will nur eine Prüfung an einem konkreten Ort zulassen.


25. April

US-Geheimdienste haben angeblich Hinweise auf einen Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime. Es gebe aber noch keine eindeutigen Beweise, sagt US-Außenminister John Kerry.

6. Mai

Das Mitglied der UN-Kommission zu Kriegsverbrechen in Syrien Carla del Ponte erklärt: „Soweit wir das feststellen konnten, haben bisher nur die Widersacher des Regimes das Gas Sarin eingesetzt.“ Die UN-Syrienkommission schwächt das später ab: Es gebe keine Beweise.

4. Juni

Nach Angaben der Kommission wurden in Syrien bisher wahrscheinlich viermal Chemiewaffen eingesetzt. Die meisten Hinweise darauf beträfen die Regierungsseite. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass auch Rebellen Chemiewaffen hätten. Die US-Regierung erklärt, man brauche weitere Beweise, wer für den wahrscheinlichen Gebrauch von Chemiewaffen verantwortlich sei.

5. Juni

Der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon berufene schwedische Chemiewaffenexperte Åke Sellström erklärt, die Aussagekraft der ihm vorgelegten Informationen zu Chemiewaffen in Syrien reiche für eine eindeutige Beurteilung nicht aus. Diese sei nur nach Prüfung vor Ort möglich. Syriens Regierung lässt UN-Inspektoren aber nicht zu.

14. Juni

Die US-Regierung erklärt, keinen Zweifel mehr am Einsatz chemischer Waffen in Syrien zu haben. Der Geheimdienst gehe davon aus, dass das Assad-Regime die Kampfstoffe eingesetzt habe, erklärt der Vize-Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Ben Rhodes.

15. Juli

Während einer Militäroffensive wollen Regierungstruppen bei Damaskus eine Chemiewaffenanlage der Rebellen entdeckt haben. Die Opposition weist die Anschuldigungen scharf zurück.

24. Juli

Die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane und der Giftgasexperte Åke Sellström treffen in Damaskus ein. Sie führen Vorgespräche mit Regierungsmitgliedern über die künftige Arbeit einer UN-Expertengruppe für Chemiewaffen. Damaskus hatte nach langem Widerstand den Inspektionen zugestimmt


19. August

Die UN-Experten nehmen ihre Arbeit in Syrien auf. Das Team soll drei Orte untersuchen, an denen angeblich Chemiewaffen eingesetzt worden sind. Die Opposition behauptet, das Assad-Regime habe in über zehn Fällen Giftgas verwendet. Die Regierung bezichtigt dagegen weiterhin die Rebellen, sie hätten Chemiewaffen eingesetzt.

Die politische Führung jedoch nicht nur mit Gewalt: Sie verspricht politische, wirtschaftliche und juristische Reformen, die das Volk beruhigen sollen. Präsident Baschar al-Assad verkündigt den Rücktritt der Regierung, um einen Neuanfang zu symbolisieren. Er spricht auch davon, dass hinter den Protesten „ausländische Verschwörer“ stecken.

Am 22. April kommt es in Damaskus bei Anti-Regierungs-Protesten im Anschluss an das Freitagsgebet zu dem ersten Massaker. Heckenschützen erschießen nach Angaben der Opposition in ganz Syrien 112 Demonstranten. Der von Aktivisten „Karfreitags-Massaker“ genannte Vorfall ist der erste größere Ausbruch von tödlicher Gewalt bei den Protesten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte nahmen Sicherheitskräfte der Regierung in dieser Anfangsphase mehr als 70.000 Menschen fest.

Kommentare (6)

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andok10

27.08.2013, 14:14 Uhr

In syrien kämpfen radikale Islamisten (terroristen) gegen die Regierung um aus dem Land ein islamischen Gottesstaat zu gründen.
Die Aussenpolitik nützt die gute Gelegenheit um ihre eigenen Interessen zu befriedigen.

Die westlichen Länder unterstützen den Terrorismus und sprechen dann von einer politischen Lösung... das muss man sich mal vorstellen!!!

Thomas

27.08.2013, 17:44 Uhr

Pressemitteilung
Tausende Patienten mit neurotoxischen Symptomen in von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhäusern behandelt

„Ärzte ohne Grenzen kann weder die Ursachen dieser Symptome nach wissenschaftlichen Kriterien bestimmen noch ermitteln, wer für einen möglichen Angriff verantwortlich ist“.
http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/2013/pm-2013-08-24/index.html


21.06.2013 - Die syrische Opposition, beinahe erklärt
http://www.youtube.com/watch?v=DFzVs0u5qBQ


el3

27.08.2013, 22:21 Uhr

Zitat aus dem Text:
"... religiöse Minderheiten wie Christen, Schiiten und Drusen, die bisher von dem politischen System Syriens unterdrückt wurden."

So ein Quatsch: Das Regime war und ist der Garant Religionsfreiheit und -toleranz, wenn auch natürlich nicht in dem Maße wie hier in Deutschland.

Wenn sie unterdrückt wurden, warum kämpfen sie dann an der Seite Assads?

Die Unterdrückung herrscht jetzt in den Teilen Syriens, wo die Sunniten z.Z. die Kontrolle haben.
Am allerschlimmsten wo die al-Qaida-nahe Al-Nusra-Front und verbündete Extremisten, Islamisten, Dschihadisten, Terroristem und radikal islamistischen Fanatiker jetzt leider die Bevölkerung terrorisieren.
So sollen sie ganze christliche Dörfer massakriert haben und töten sogar Kinder, wie Augenzeuge berichteten.

Die große Unterdrückung würde es geben wenn die sunnitische Mehrheit an die Macht kommen würde.

Obama, der "Friedensnobelpreisträger" (wie lächerlich) unterstützte und unterstützt weiterhin eben auch gerade diese Terrorgruppe mit Waffen etc. und ist für den Fortbestand und die Eskalation der Gewalt in Syrien mitverantwortlich.

Der Westen kämpft angeblich gegen den Terrorismus, unterstützt aber diesen und hat es in der Vergangenheit auch getan.

Auch unterstütze damals die USA den Irak im Krieg gegen den Iran in den 80ern, der Chemiewaffen auch gegen Zivilisten einsetze.
Das war dann hingegen für die USA ok, denn der Irak kämpfte ja schließlich für ihre Interessen.

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