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14.06.2012

03:35 Uhr

Syrien

Konflikt wird zum Zankapfel zwischen USA und Russland

Für Zündstoff zwischen den beiden Staaten sorgen vor allem russische Waffengeschäfte mit der Regierung in Damaskus. Unterdessen steigt die Zahl der Syrer, die in die Türkei fliehen, stetig an.

UN-Blaumhelme in Damaskus. dpa

UN-Blaumhelme in Damaskus.

Washington/New YorkDer Syrien-Konflikt wird immer mehr zum Zankapfel zwischen den USA und Russland. Russlands Aussagen, wonach seine Waffenlieferungen nichts mit dem Konflikt in Syrien zu tun haben, seien „schlicht und einfach unwahr“, erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton. Aus Sicht eines ranghohen UN-Vertreters hat der Machtkampf in Syrien mittlerweile den Charakter eines Bürgerkriegs angenommen. Die Regierungstruppen besiegten einem Bericht des Staatsfernsehens zufolge die Rebellen in der umkämpften Stadt Haffe.

Die USA zeigten sich besonders alarmiert wegen der angeblichen Lieferung russischer Kampfhubschrauber an Syrien. "Wir sind besorgt über jüngste Informationen, wonach Kampfhubschrauber auf dem Weg von Russland nach Syrien sind", sagte Clinton. Solch ein Rüstungsdeal würde dramatisch zur Eskalation des Konflikts beitragen. Zur Herkunft der Informationen äußerte sich Clinton nicht.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums setzt die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad seit einiger Zeit verstärkt Kampfhubschrauber für Angriffe auf die Bevölkerung ein. Russland ist seit Jahrzehnten größter Waffenlieferant Syriens. Gemeinsam mit China zählt Russland zu den letzten Schutzmächten Assads. Beide Staaten haben mit ihrem Vetorecht im UN-Sicherheitsrat in den vergangenen Monaten Resolutionen gegen Syrien verhindert. Nach UN-Angaben haben die syrischen Regierungstruppen seit Beginn des Aufstands im März 2011 mehr als 10.000 Menschen getötet.

Pro-Regierungsdemonstranten protestieren für den Präsidenten al-Assad. dpa

Pro-Regierungsdemonstranten protestieren für den Präsidenten al-Assad.

Ins selbe Horn wie Clinton stieß auch der französische Außenminister Laurent Fabius. Er sprach von Hinweisen auf russische Waffenlieferungen an Syrien und setzte sich zugleich für eine von den Vereinten Nationen überwachte Flugverbotszone ein. Auch aus Fabius' Sicht ist Syrien in einen Bürgerkrieg abgeglitten. Hochrangige UN-Vertreter haben ebenfalls von einem Bürgerkrieg gesprochen.

2.000 Syrer fliehen in die Türkei

In der Türkei steigt die Zahl syrischer Flüchtlinge immer rascher an. Allein in den vergangenen 48 Stunden hätten rund 2.000 Syrer die türkische Grenze überquert, erklärte das türkische Außenministerium am Mittwoch. Die Gesamtzahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei summiere sich damit auf etwa 29.500, ein neuer Rekord seit Beginn des Aufstands vor 15 Monaten.

Die syrischen Rebellen zogen sich unterdessen nach eigener Darstellung aus der umkämpften Stadt Haffe zurück. Schwerer Artilleriebeschuss habe die verbliebenen 200 Kämpfer der Freien Syrischen Armee dazu gezwungen, sagte ein Rebellensprecher. Mehrere Tausend Zivilisten blieben ohne Schutz in der Stadt zurück. Die überwiegend von Sunniten bewohnte Stadt im Westen des Landes wurde seit mehr als einer Woche von Assads Soldaten belagert. Der Assad-Clan gehört der Minderheit der Alawiten an, einem Ableger der Schiiten.

In Haffe treiben die Regierungstruppen nach Aussage von Rebellen die jungen Männer zusammen und plündern die Häuser. "Erst greifen die Hubschrauber die Dörfer an, dann greifen die Panzer an und dann am Ende gehen die Soldaten in die Häuser, plündern sie und setzen sie in Brand“, sagte Mohammed, ein 25 Jahre alter Kämpfer der Freien Syrischen Armee. Ihm war es nach eigenen Worten gelungen, sich mit einer Schusswunde in der Schulter in die Türkei in ein Krankenhaus zu retten. „Die Truppen nehmen die Männer fest und reißen unseren Frauen die Kopftücher herunter“, beklagte sich Mohammed. „Sie wissen, dass das für unsere Frauen beleidigend ist. Assad will die Entschlossenheit der sunnitischen Gemeinschaften schwächen.“

Syrische "Liste der Schande"

Video: Syrische "Liste der Schande"

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Von

rtr

Kommentare (2)

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Nastrowje

14.06.2012, 07:43 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

Jesus

14.06.2012, 14:22 Uhr

Wo bleiben denn Ihre Meldungen zu Waffenlieferungen an die Rebellen (Frei Syrische Armee), die im Gegensatz zu rus. Rüstungslieferungen völlig illegal sind? Wo bleibt Ihr natürlicher Menschenverstand, die Sache, so wie sie ist, zu beurteilen und nicht eine Hetzkampagne/Propaganda zur Verdrehung der Tatsachen zu forcieren - immerhin zeigt die rus. Seite wenigstens Quellen auf - wieso erwähnen Sie das nicht? Und wenn Sie schon dabei "wären", wieso offenbaren Sie nicht, wie völlig illegal deutschlands U-Boot Lieferungen sind oder z.B. wie völlig illegal der ESM ist?
Ohne klare Antworten auf diese Fragen, bleibt der Eindruck, dass es Ihnen rein um Propaganda und Kiregshetze geht!

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