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22.11.2016

01:24 Uhr

Syrien

Krieg gegen die eigene Bevölkerung

Beinahe eine Million Syrer leben in belagerten Gebieten – doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr. Der UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien entlarvt eine Taktik des syrischen Machthabers al-Assad.

Ein Mann trägt eine Frau, die am Sonntag nach Luftschlägen in einem von Rebellen gehaltenen Teil von Aleppo aus einer Ruine gerettet wurde. In der Stadt gibt es inzwischen kein funktionstüchtiges Krankenhaus mehr. AFP; Files; Francois Guillot

Aleppo

Ein Mann trägt eine Frau, die am Sonntag nach Luftschlägen in einem von Rebellen gehaltenen Teil von Aleppo aus einer Ruine gerettet wurde. In der Stadt gibt es inzwischen kein funktionstüchtiges Krankenhaus mehr.

New York/BerlinIm syrischen Bürgerkrieg leben nach Angaben der Uno fast eine Million Menschen in belagerten Gebieten und damit etwa doppelt so viele wie noch vor sechs Monaten. Betroffen seien mehr als 974.000 Menschen, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien bei einer Sitzung des Sicherheitsrats in New York am Montag.

Vor einem halben Jahr habe diese Zahl noch bei knapp 487.000 gelegen. Allein im östlichen Aleppo seien seit Juli 275.000 Menschen durch Belagerungen gefangen.

„Zivilisten werden isoliert, ausgehungert, bombardiert und ihnen wird medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe verweigert, um sie zur Unterwerfung oder zur Flucht zu zwingen. Es ist eine bewusste Taktik der Grausamkeit, um das Leid von Menschen für politischen, militärischen und in einigen Fällen wirtschaftlichen Nutzen zu verstärken“, sagte O'Brien.

Ziel sei, die Zivilbevölkerung zu zerstören, die sich nicht wehren könne. Verantwortlich sei „allen voran die eine Partei“ von Präsident Baschar al-Assad, die ihre Zivilisten eigentlich „verteidigen und schützen“ solle. Zu den neu belagerten Gebieten gehörten nun auch die von Rebellen kontrollierten Vororte nahe Damaskus, Dschobar, Al-Hadschar al-Aswad, Chan al-Shi sowie mehrere Gegenden in der Region Ghuta östlich von Damaskus.

USA werfen syrischen Beamten Folter und Angriffe auf Zivilisten vor

Auch die USA brachten heftige Anschuldigungen an die Öffentlichkeit. Sie werfen 13 Kommandeuren und Gefängnisbeamten in Syrien Attacken auf Zivilisten sowie Folter vor. Am Montag verlas die amerikanische UN-Botschafterin Samantha Power in einer Sitzung des Sicherheitsrats einige Namen der Beschuldigten. Die internationale Gemeinschaft schaue zu und „eines Tages werden sie zur Rechenschaft gezogen“, erklärte sie.

Die Vorwürfe wurden als möglichen Versuch gewertet, die Grundlage für künftige Strafverfahren wegen Kriegsverbrechen zu legen. Beobachter sprachen auch von einem letzten Anlauf der US-Regierung, um die Führung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für mutmaßliche Gräueltaten zur Verantwortung zu ziehen. Der russische Vize-UN-Botschafter Wladimir Safronkow erinnerte an die Unschuldsvermutung und warf den USA vor, parteiisch zu sein.

Syrien: Kein Krankenhaus in Ost-Aleppo mehr funktionstüchtig

Syrien

Kein Krankenhaus in Ost-Aleppo mehr funktionstüchtig

Das Gesundheitsamt im syrischen Aleppo und die Vereinten Nationen vermelden, dass es im Osten der Stadt kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr gibt. Die Offensive der syrischen Armee dauert unterdessen an.

Der Deutschlandchef der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, Volker Westerbarkey, beklagte ein „Ende der Humanität“ in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo. „Uns wird verweigert, zu helfen - jetzt, wo die medizinische Versorgung nahezu zusammengebrochen ist, sind die Menschen auf sich alleine gestellt“, sagte er der „Huffington Post“.

Kein funktionsfähiges Krankenhaus mehr in Aleppo

In der syrischen Stadt seien keine Krankenhäuser mehr funktionsfähig. Ärzte seien weitestgehend auf sich alleine gestellt. Aleppo gilt als eines der wichtigsten Schlachtfelder in Syrien und Symbol des verheerenden Bürgerkrieges.

Eine Besserung der Lage ist laut Westerbarkey nicht in Sicht. „Sowohl für einen Waffenstillstand als auch für einen humanitären Korridor gibt es derzeit keine Hoffnung“, sagte er. Von der Bundesregierung erwarte er deswegen, dass sie alles in ihrer Macht stehende tue, um auf diesen Konflikt aufmerksam zu machen. „Sie muss den Konfliktparteien klarmachen, dass sie internationale Gesetze einhalten müssen und das Bombardement eingestellt werden muss. Jeder, der in dem Konflikt aktiv ist, macht sich schuldig“, sagte Westerbarkey.

Kampf um Aleppo

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Kampf um Aleppo: Geschosse in Schule und Kinderkrankenhaus eingeschlagen

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Die heftigsten Luftangriffe seit Wochen hatten in den vergangenen Tagen zu einem Kollaps der medizinische Versorgung in den Rebellengebieten Aleppos geführt. Das syrische Regime wird bei seinen Luftschlägen von seinem Verbündeten Russland unterstützt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.11.2016, 08:44 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr......

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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