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09.01.2016

17:47 Uhr

Syrien-Krieg

Mindestens 39 Menschen sterben bei russischem Luftangriff

Ein Rebellen-Gericht mit angeschlossenem Gefängnis wird Ziel russischer Angriffe. Dutzende Menschen sterben. Die Menschen in Madaja sind weiter vom Hungertod bedroht. Am Sonntag soll es einen Hilfstransport geben.

Weite Teile der syrischen Stadt Maarat Al-Numan sind bereits durch Luftangriffe zerstört. Nun wurde auch ein Gericht mit angeschlossenem Gefängnis getroffen. Reuters

Zerstörte Stadt

Weite Teile der syrischen Stadt Maarat Al-Numan sind bereits durch Luftangriffe zerstört. Nun wurde auch ein Gericht mit angeschlossenem Gefängnis getroffen.

DamaskusMindestens 39 Menschen sind Aktivisten zufolge bei einem russischen Luftangriff im Nordwesten Syriens getötet worden. Viele weitere seien zudem bei dem Beschuss eines Gerichtsgebäudes mit integriertem Gefängnis in der Stadt Maarat al-Numan verletzt worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. In der belagerten Stadt Madaja blieb die Lage für die vom Hungertod bedrohten Menschen dramatisch.

Das Gericht in Maarat al-Numan stand den Menschenrechtsbeobachtern zufolge unter Kontrolle der Al-Nusra-Front, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Die meisten Opfer des russischen Beschusses seien Kämpfer der Gruppe und Gefangene gewesen. Andere Aktivisten meldeten sogar mehr als 50 Tote. Maarat al-Numan liegt in der Provinz Idlib. Diese wird zu großen Teilen von islamistischen Rebellen kontrolliert, von denen die Al-Nusra-Front die stärkste ist. Die Menschenrechtsbeobachter sitzen in Großbritannien, beziehen ihre Informationen jedoch aus einem dichten Netz an Informanten in Syrien. Sie gelten als gut informiert und zuverlässig.

Russland bombardiert seit Ende September Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Russische Flugzeuge nehmen Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), aber auch gemäßigtere Gruppen ins Visier.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Auch zwei Tage nach der Zustimmung des syrischen Regimes zu Hilfslieferungen nach Madaja blieb die Lage in der Stadt nordwestlich von Damaskus verzweifelt. Mehr als 200 Menschen hätten Schwäche- und Ohnmachtsanfälle erlitten, teilte das örtliche Gesundheitskomitee bei Facebook mit. In Madaja sind seit etwa einem halben Jahr rund 40.000 Menschen von der Armee und ihren Verbündeten eingeschlossen.

Hilfsorganisationen konnten nach eigenen Angaben zuletzt im Oktober Lieferungen nach Madaja bringen. Aktivisten berichteten, die Menschen ernährten sich von Blättern, Hunden und Katzen. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) starben bislang mindestens 23 Menschen an den Folgen von Mangelernährung, unter ihnen auch Kinder. Nach der Zustimmung des Regimes zu Hilfstransporten am Donnerstag sollen die ersten Konvois am Sonntag in Madaja eintreffen.

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Syriens Regime ist inzwischen zwar bereit zu Friedensgesprächen mit seinen Gegnern, fordert aber vorher eine Teilnehmerliste der Opposition. Außenminister Walid al-Muallim verlangte bei einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Staffan de Mistura am Samstag in Damaskus außerdem eine Aufstellung aller Rebellenbrigaden, die als Terrorgruppen eingestuft würden, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. De Mistura sprach von einem „nützlichen“ Treffen.

Die internationalen Gemeinschaft hatte sich im vergangenen Jahr auf Friedensgespräche geeinigt. Beginnen sollen die Verhandlungen am 25. Januar. In Syrien tobt seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg, in dem mehr als 250.000 Menschen getötet wurden.

Von

dpa

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