Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2016

20:23 Uhr

Syrien-Krieg

Moskau kokettiert mit einem Friedensangebot

In Aleppo fallen seit Tagen Bomben, Machthaber Assad rückt mit Hilfe der Russen vor. Doch vor der Münchner Syrienkonferenz sendet Moskau plötzlich Friedenssignale. Ist eine Waffenruhe möglich?

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge zur Einstellung des Feuers in Syrien vorgelegt. dpa

Sergej Lawrow

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat nach eigenen Angaben konkrete Vorschläge zur Einstellung des Feuers in Syrien vorgelegt.

München/MoskauBei der Syrien-Konferenz in München haben Russland und die USA einen Neuanlauf für einen Waffenstillstand in dem Bürgerkriegsland gestartet. Der russische Außenminister Sergej Lawrow und sein US-Kollege John Kerry hätten sich unter anderem über eine mögliche Waffenruhe sowie humanitäre Hilfe unterhalten, hieß es am Donnerstag aus Moskau. Die diplomatischen Bemühungen waren von weiteren Kämpfen um die syrische Stadt Aleppo begleitet.

Zuvor hatte bereits der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin erklärt, man führe „sehr wichtige“ Gespräche mit Washington über einen Waffenstillstand. Ob aber eine Einigung in greifbarer Nähe ist, war zunächst unklar. Westliche Länder werfen Russland vor, mit Bombardements in Syrien Zivilisten zu treffen und das Regime von Machthaber Baschar al-Assad zu stützen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hofft dennoch auf einen Durchbruch in München. „Wenn es uns nicht gelingt die Spirale von Gewalt und Gegengewalt jetzt zu durchbrechen, dann wird sich dieser furchtbare Bürgerkrieg weiter in die Länge ziehen und weitere Opfer verursachen.“

Im Syrienkrieg gab es bislang nur geografisch sehr begrenzte Feuerpausen in einigen Dörfern, aber keine Waffenruhe im ganzen Land. Mehr als 250.000 Menschen wurden in dem brutalen Konflikt getötet, Millionen in die Flucht geschlagen.

Sogar von 470.000 getöteten Syrern berichtete der britische „Guardian“ am Donnerstag unter Berufung auf das Syrische Zentrum für Politikforschung. 400.000 Menschen wurden demnach bei Kampfhandlungen getötet. Weitere 70.000 seien ums Leben gekommen, weil sie keine ausreichende medizinische Versorgung, sauberes Wasser oder Unterkünfte gehabt hätten. Der Erhebung zufolge sind in dem Krieg mehr als elf Prozent der Bevölkerung getötet oder verletzt worden.

Am Abend begannen in München die Gespräche der sogenannten Syrien-Unterstützergruppe, der 17 Staaten angehören, die eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche ausloten wollten. An dem Treffen nahmen alle Länder teil, die für die Beendigung des seit fünf Jahren andauernden Bürgerkriegs eine Schlüsselrolle haben. Dazu zählen auch Saudi-Arabien und Iran. Die Friedensgespräche in Genf waren vor einer Woche nach nur fünf Tagen abgebrochen worden.

Kommentare (34)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.02.2016, 17:06 Uhr

Moskau kokettiert mit einem Friedensangebot und der Sultan tobt.
Die Russen und Syrer treiben die mit den Türken verbündeten Terroristen des IS in die Flucht. Außerdem haben sich Amerikaner und Russen darauf verständigt, die Kurden in Syrien zum Teil einer Lösung zu machen.
Somit ist das Ziel Erdogans, im Norden Syriens eine von der Türkei kontrollierte Zone zu erreichen, faktisch kaum noch zu erreichen.

Herr Robbie McGuire

11.02.2016, 17:19 Uhr

„Wir haben unsere konkreten Vorschläge zur Einstellung des Feuers unterbreitet und warten auf die Antwort der USA, bevor die Vorschläge der internationalen Syrien-Gruppe vorgelegt werden“, sagte Lawrow laut der Agentur Tass. Wer es glaubt, dem ist nicht zu helfen.

Wenn ich an die in den letzten Tag veröffentlichten Bilder von Aleppo und Homs denke, habe ich größtes Mitgefühl mit noch dort lebenden Menschen. Wer diese Bilder wird unweigerlich an die deutschen Städte nach 1945 erinnert. Und wer hat schuld: die USA - sagt die russische Führung. Das passt zu den abstrusen Vorwürfen von Lawrow zu der angeblichen Vergewaltigung der 13-Jährigen in Berlin. Man könnte den Eindruck gewinnen, da fand in Moskau kurz zuvor eine große Wodkafete statt.

Herr Tom Schmidt

11.02.2016, 17:32 Uhr

Bei diesem Artikel wird wenigstens wieder daran erinnert, dass dieser Konflikt seit über 5 Jahren läuft. Die aktuelle Situation und das Leid der Menschen ist also seit 5 Jahren unverändert und wir kommen an der Tatsache nicht vorbei, dass dieses Leid allen Beteiligten, auch unseren aktuellen Flüchtlingsgutmenschen, eigentlich vollkommen egal ist und war.

Das Europa sich mit Merkels spontan offenen Grenzen eine Flüchtlingswelle ausgelöst hat, die ihre und Europas Position komplett schwächt (wir sind erpressbar geworden), ist von der Dummheit nur noch zu übertreffen, durch die Tatsache, dass man den Leuten in den Flüchtlingslagern die Lebensmittelgelder nicht ausgezahlt hat.

Also, was kommt da raus? Für Europa gar nichts, Deutschland muss zahlen, Russland, Assad und die USA positionieren sich untereinander. Ändert sich da etwas schnell? Nein, seien wir ehrlich.

Steinmeier weiss das auch, aber die Show ist für ihn gut und ein wenig Hilfe im Wahlkampf (für Merkel auch), hier glauben alle dass sie etwas für den Frieden leisten. Und das reicht ihnen, die Menschen in Syrien sind nach wie vor egal.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×