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05.02.2016

18:55 Uhr

Syrien-Krieg

Tausende Menschen fliehen an die türkische Grenze

Eine neue Offensive der syrischen Regierungstruppen bei Aleppo hat tausende Syrer an die türkische Grenze getrieben. Die Nato warf Russland vor, mit seinen intensiven Luftangriffen die Friedensgespräche zu untergraben.

Die Kämpfe um Aleppo sollen bereits mehr als 10.000 Menschen an die türkische Grenze getrieben haben. AFP

Syrer auf der Flucht

Die Kämpfe um Aleppo sollen bereits mehr als 10.000 Menschen an die türkische Grenze getrieben haben.

Beirut/BerlinSchwere Gefechte beim Vormarsch der Regimetruppen in Nordsyrien zwingen Zehntausende Bewohner der Region um die Großstadt Aleppo zur Flucht in Richtung Türkei. Etwa 40.000 Flüchtlinge waren am Freitag nach Schätzungen von Menschenrechtlern auf dem Weg zur türkischen Grenze oder warteten dort auf Einlass. Mindestens 10.000 Menschen waren Hilfsorganisationen zufolge in der Nähe der geschlossenen Grenzübergänge. Ob und wann sie eingelassen werden würden, war zunächst unklar. Die Bundesregierung und die Nato machten Syriens Verbündeten Russland wegen der massiven Luftschläge nördlich von Aleppo für das Stocken der Genfer Friedensgespräche mitverantwortlich.

Syrische Regimetruppen rückten in der Region am Freitag mit Hilfe russischer Luftschläge weiter vor: Zusammen mit verbündeten Kämpfern der Schiitenmiliz Hisbollah und iranischen Einheiten eroberten sie die Stadt Ratjan - insgesamt wurden auf beiden Seiten mehr als 120 Menschen getötet. Die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatten zuletzt die wichtigste Nachschubroute der Rebellen aus der Türkei gekappt und auch den Belagerungsring um zwei Dörfer der Regimeanhänger nach drei Jahren durchbrochen.

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Während das Regime den Westen Aleppos kontrolliert, beherrschen Rebellengruppen den Osten und den Süden des Stadtgebietes. Mit der Offensive der Regierungseinheiten läuft das letzte große Stadtzentrum in Rebellenhand Gefahr, eingekesselt zu werden.

Die türkische Regierung fürchtet bis zu 70.000 Flüchtlinge aus der Region um Aleppo. Das Land hat mit 2,5 Millionen Menschen die meisten Menschen aus dem Bürgerkriegsland aufgenommen. „Wir werden unsere Politik der offenen Tür fortsetzen“, hatte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Donnerstag in London bei der Syrien-Geberkonferenz gesagt. Nach einem Bericht der regierungsnahen türkischen Zeitung „Yeni Safak“ würden Versorgungsgüter, unter anderem Zelte und Nahrung, aus der Türkei über die Grenze gebracht.

Die Bundesregierung appellierte an Russland, seiner Verantwortung für die Lösung des Syrien-Konflikts gerecht zu werden. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Regierungen, die für die Angriffe auf Aleppo verantwortlich seien, „die scheinen ein Scheitern der Bemühungen um eine politische Lösung in Kauf zu nehmen“.

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warf Russland vor, den Konflikt mit seinen Bombardements gegen Rebellen anzuheizen. Frankreichs UN-Botschafter François Delattre verurteilte das syrische Regime für ihre Offensive. „Man kann von der Opposition nicht erwarten, dass sie mit einer Pistole an der Schläfe verhandelt“, sagte Delattre am Freitag in New York.

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Moskau wies die Schuldzuweisungen zurück. Russland setze sich für eine friedliche Lösung des Konflikts ein, unterstütze die syrische Regierung aber im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die russische Luftwaffe unterstützt seit Ende September eine Offensive der syrischen Regierungstruppen mit Raketen- und Bombenangriffen.

Einen Tag vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz sollen die Friedensgespräche - über deren Stocken UN-Sondervermittler Staffan de Mistura den Sicherheitsrat am Freitag informierte - wieder in Gang gebracht werden. In der bayerischen Landeshauptstadt ist eine Syrien-Verhandlungsrunde im sogenannten „Wiener Format“ mit Vertretern aus fast 20 Staaten geplant. Das Auswärtige Amt geht davon aus, dass auch die Außenminister Saudi-Arabiens und des Irans teilnehmen werden. Es wäre die erste Begegnung von Regierungsvertretern der beiden Rivalen seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Anfang Januar.

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dpa

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