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29.08.2016

16:35 Uhr

Syrien-Krieg

Türkei droht syrischen Kurden mit weiteren Angriffen

Die Offensive der türkischen Armee und syrischer Rebellen gegen die Kurden in dem Bürgerkriegsland geht weiter. Ankara wäre bereit, diese zu beenden – dafür müssten die Kurden aber eine Forderung erfüllen.

Von türkischen Panzern unterstützte syrische Rebellen rückten an der Grenze zur Türkei weiter gegen von Kurden geführte Kräfte vor. dpa

Türkischer Militäreinsatz in Syrien

Von türkischen Panzern unterstützte syrische Rebellen rückten an der Grenze zur Türkei weiter gegen von Kurden geführte Kräfte vor.

IstanbulDie Türkei droht den Kurden in Syrien mit weiteren Militärschlägen, sollten sich diese nicht nach Osten zurückziehen. Die Kurdenmiliz YPG müsse wie zugesagt „augenblicklich“ auf das Gebiet östlich des Flusses Euphrat abrücken, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Montag in Ankara. Andernfalls werde sie „zum Ziel“. Von türkischen Panzern unterstützte syrische Rebellen rückten an der Grenze zur Türkei weiter gegen von Kurden geführte Kräfte vor.

Mehrere bewaffnete Gruppen erklärten über Twitter, sie hätten südlich der Grenzstadt Dscharablus weitere Dörfer von den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) erobert. Dabei handelt es sich um ein von Kurden angeführtes Bündnis. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete Geländegewinne der Rebellen.

Militäreinsatz in Syrien: Scharfe Kritik der USA an türkischem Vorgehen

Militäreinsatz in Syrien

Scharfe Kritik der USA an türkischem Vorgehen

Der türkische Militäreinsatz im Norden Syriens hat die kurdischen Rebellen in Aufregung versetzt. Sie rüsten die strategisch wichtige Stadt Manbidsch auf. Doch jetzt schaltet sich auch die USA ein.

Diese rückten damit näher an die Stadt Manbidsch heran, die die SDF aus der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit hatten. Manbidsch liegt westlich des Euphrats. Die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten hatten die Offensive in der vergangenen Woche begonnen und zunächst Dscharablus von den IS-Extremisten eingenommen. Danach rückten sie gegen Kräfte vor, die mit den SDF verbündet sind.

Die Türkei will verhindern, dass die Kurden das Gebiet unter ihrer Kontrolle entlang der türkischen Grenze weiter ausdehnen. Sie befürchtet Auswirkungen auf die Autonomiebestrebungen der Kurden im eigenen Land. Auch die USA haben ihren bisherigen Schützling YPG ultimativ zum Rückzug hinter den Euphrat aufgerufen. Die kurdischen Einheiten gehören im Kampf gegen den IS in Syrien zum wichtigsten Verbündeten der von der US-geführten internationalen Koalition, die Luftangriffe gegen die Extremisten fliegt. Die Co-Vorsitzende der syrischen Kurden-Partei PYD, Asia Abdullah, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Ziel der Kurden sei es, Syrien vom IS und vom Terrorismus zu befreien. Die Stadt Manbidsch sei bereits offiziell an lokale Kräfte übergeben worden.

Wer kämpft gegen wen im Norden Syriens?

Idlib

Die Provinz im Nordwesten des Landes wird von dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah kontrolliert, das aus verschiedenen moderaten bis radikalen Gruppen besteht. Darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Das syrische Regime fliegt mit seinen Verbündeten – zu denen unter anderem Russland gehört – Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

Aleppo

Die einstige Handelsmetropole ist seit Jahren zwischen Regime und verschiedenen Rebellengruppen geteilt. Die Regierung kontrolliert den Westteil der Stadt. Die Aufständischen im Osten gehören einem weiten Spektrum zwischen extremistisch, islamistisch bis hin zu moderat an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Das gilt auch für die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren. Westlich und südwestlich Aleppos herrscht das Bündnis Dschaisch al-Fatah, das auch die Provinz Idlib kontrolliert.

Grenzregion bei Dscharablus

Nach der Invasion der türkischen Armee zusammen mit Rebellengruppen am Mittwoch eroberten die Kräfte westlich des Euphrat die Grenzstadt Dscharablus von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten halten immer noch einige Gebiete an der Grenze zur Türkei, darunter die Stadt Al-Bab.

Die Kurdenmiliz YPG hatte die strategische Stadt Manbidsch vor wenigen Wochen vom IS befreit und war vom Osten her weit in das Gebiet der Extremisten vorgerückt. Dies ist der Türkei ein Dorn im Auge, weil die Kurdenmiliz YPG der bewaffnete Arm der Kurdenpartei PYD in Syrien ist. Bei der PYD wiederum handelt es sich um den Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Der Nordosten

Die Kurden unter Führung ihrer Partei PYD haben im östlichen Teil der Provinz Aleppo sowie den Landesteilen Al-Rakka und Hasaka eine zusammenhängendes Gebiet unter ihrer Kontrolle geschaffen. In dem mehrere hundert Kilometer langen Streifen an der türkischen Grenze haben sie eine Selbstverwaltung ausgerufen. Die Kurden schienen sich trotz zeitweiser Gefechte mit Regimetruppen in zwei Enklaven arrangiert zu haben. Allerdings kam es zuletzt zu ungewöhnlich heftigen Kämpfen, die erst mit einer Waffenruhe eingedämmt werden konnten.

Cavusoglu warf der YPG „ethnische Säuberung“ vor. Es gehe der Kurdenmiliz um die Vertreibung der Araber aus der Region um Manbidsch, die die Kurden und ihre Verbündeten vom IS eingenommen hatten. Die Türkei unterstütze dagegen die Einheimischen. „Die Menschen, die diese Region verlassen mussten, müssen dort angesiedelt werden, sie müssen dort leben“, sagte Cavusoglu.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, Kämpfe in Gebieten außerhalb der IS-Herrschaft seien inakzeptabel und hätten große Sorge ausgelöst. „Die Vereinigten Staaten war nicht in diese Aktivitäten eingebunden, sie wurden mit US-Kräften nicht koordiniert und wir unterstützen sie nicht“, teilte das Pentagon mit. Am Wochenende waren bei zwei Angriffen der türkischen Luftwaffe auf die Region Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der getöteten Zivilisten sei auf 45 gestiegen, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Darunter seien sechs Kinder.

Von

dpa

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