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21.12.2016

20:45 Uhr

Syrien-Krise

Evakuierung Ost-Aleppos weitgehend abgeschlossen

Es hat geschneit in Aleppo. Lange mussten die Menschen frieren, die aus den Rebellengebieten in Sicherheit gebracht werden sollten. Inzwischen wurden 1500 Menschen aus der verschneiten Stadt gebracht.

In Aleppo sind seit Beginn der Evakuierung etwa 16.000 Menschen in das von Rebellen beherrschte Umland südwestlich der Stadt gebracht worden. AFP; Files; Francois Guillot

Syrien

In Aleppo sind seit Beginn der Evakuierung etwa 16.000 Menschen in das von Rebellen beherrschte Umland südwestlich der Stadt gebracht worden.

AleppoDie Evakuierung Ost-Aleppos ist weitgehend abgeschlossen. Bei schwerem Schneefall wurden am Mittwoch mit 20 Bussen rund 1500 Menschen aus der ehemaligen Rebellenhochburg Syriens herausgebracht, wie der Nothilfeleiter Ahmad al-Dbis sagte. Darunter waren auch 20 Verletzte. Das staatliche Fernsehen berichtete, „bewaffnete Männer und ihre Familien“ seien aus Ost-Aleppo heraustransportiert worden.

Die Evakuierung solle noch im Laufe des Tages abgeschlossen werden, sagte Ahmad Karra Ali von der Rebellengruppe Ahrar al-Scham. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sprach davon, dass die Evakuierung in „ein bis zwei Tagen“ beendet sein werde. Die Einwohner Ost-Aleppos wurden gemäß einer Übereinkunft in von Aufständischen gehaltene Gebiete weiter westlich gebracht.

Die Busse mit den Menschen aus den Rebellenvierteln trafen am Nachmittag nach und nach im Stadtbezirk Ramussa ein. Die Insassen hatten viele Stunden bei Minus-Temperaturen ohne Heizung in den Bussen verbracht. Sie hätten keine Getränke und keine Nahrung erhalten, sagte al-Dbis.

Der mit dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad verbündete, mehrheitlich schiitische Iran machte sich unterdessen dafür stark, im Gegenzug zur Evakuierungsaktion in Ost-Aleppo die beiden belagerten Ortschaften Fua und Kafraja in der von bewaffneten Gruppen kontrollierten nordwestlichen Provinz Idlib zu evakuieren. Aus Kreisen der syrischen Armee hieß es, mehr als 1700 Menschen warteten darauf, die beiden mehrheitlich von Schiiten bewohnten Orte verlassen zu können. Im Laufe des Tages setzten sich vier Busse mit Einwohnern der beiden Ortschaften in Bewegung.

Nach Angaben des an den Evakuierungen beteiligten Internationalen Komitees vom Roten Kreuz verließen bislang mindestens 25.000 Menschen Ost-Aleppo, das bewaffnete Gruppen seit 2012 gehalten hatten. Syrische Regierungssoldaten hatten den Osten der nordsyrischen Großstadt in der vergangenen Woche nach einer von der russischen Luftwaffe unterstützten Offensive eingenommen.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Von

afp

Kommentare (1)

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21.12.2016, 17:09 Uhr

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