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22.08.2013

20:40 Uhr

Syrien-Krise

UN fordert Zugang für Giftgas-Inspektoren

Hunderte Menschen sollen laut syrischer Opposition nahe Damaskus durch Giftgas umgekommen sein. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert eine sofortige Untersuchung durch Experten. US-Präsident Obama hält sich bedeckt.

Syrien-Konflikt

Krisensitzung: UN verlangt Klarheit über Giftgas-Einsatz

Syrien-Konflikt: Krisensitzung: UN verlangt Klarheit über Giftgas-Einsatz

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New York/WashingtonNach den Berichten über einen Giftgasangriff auf Zivilisten in Syrien wächst der Druck auf die Regierung, UN-Inspektoren Zugang zu den betroffenen Gebieten zu gewähren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte am Donnerstag, es werde eine entsprechende Bitte an die Regierung von Präsident Baschar al-Assad übergeben. Zuvor hatten unter anderem die USA und Deutschland Zugang für die Experten gefordert. Syriens Verbündeter Russland erklärte, man werde sich einer Untersuchung nicht in den Weg stellen. Eine Reaktion der syrischen Regierung zu den Forderungen lag zunächst nicht vor.

Die syrische Opposition wirft der Armee vor, bei einem Giftgas-Angriff am Mittwoch zwischen 500 und 1300 Menschen in Vororten von Damaskus getötet zu haben. Die Regierung hat dies als „unlogisch und erfunden“ zurückgewiesen. In der Region wurde am Donnerstag weiter gekämpft. In der Nacht hatte sich der UN-Sicherheitsrat nur auf eine abgeschwächte Erklärung zum Angriff durchringen können: Die Vorwürfe der Opposition müssten aufgeklärt werden, hieß es. Eine Untersuchung wurde nicht gefordert. Russland schützt Syrien im Sicherheitsrat seit dem Beginn des Konfliktes vor zwei Jahren. Inzwischen sind UN-Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen getötet worden.

Ein Sprecher des russischen Außenministeriums erklärte am Donnerstag, die syrische Haltung zu den Inspektoren müsse respektiert werden. Er wies jedoch darauf hin, dass sich eine Gruppe der UN-Experten bereits im Land aufhalte, um frühere Vorwürfe zu untersuchen. Ihre Entsendung sei damals vom Sicherheitsrat und damit auch von Russland beschlossen worden. „Wie könnten wir dagegen sein?“, sagte der Sprecher zu neuen Ermittlungen. Russland habe auch Interesse an einer objektiven Aufklärung der Vorgänge.

Die Inspektoren wurden in das Land entsandt, nachdem erstmals Vorwürfe aufgekommen waren, Assad habe im Kampf gegen die Rebellen auf sein Chemiewaffenarsenal zurückgegriffen. Die Regierung wirft den Rebellen ihrerseits vor, entsprechende Massenvernichtungswaffen einzusetzen.

Wirren um syrische Chemiewaffen

Seit wann verfügt Syrien über Chemiewaffen?

Das syrische Chemiewaffenprogramm soll in den 70er und 80er Jahren mit Hilfe der Sowjetunion entwickelt worden sein, um die Abschreckung gegen das Nachbarland Israel zu erhöhen. Laut einem Bericht der Washingtoner Denkfabrik CSIS von 2008 soll Syrien anschließend von der Unterstützung des Iran bei der Entwicklung von Chemiewaffen profitiert haben.

Um welche Art von Waffen handelt es sich und wo sind diese gelagert?

Öffentlich zugängliche Informationen über das Arsenal existieren praktisch nicht, da Syrien nicht Mitglied der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen ist. Nach Einschätzung der Brookings Institution in Washington verfügt Syrien aber über ein hochentwickeltes Chemiewaffenprogramm, zu dem Senfgas, Saringas und das tödliche Nervengas VX gehört.

Laut einer Untersuchung des Zentrums für Studien zur Nicht-Verbreitung (CNS), gibt es in Syrien mindestens vier, möglicherweise fünf Chemiewaffenfabriken, die nahe der Städte Damaskus, Aleppo und Hama liegen. US-Beamte hatten im Februar die Zahl der zum Schutz der Waffen nötigen Einsatzkräfte auf 75.000 Mann beziffert. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" von diesem Monat wurden Chemiewaffen zuletzt womöglich an andere Orte gebracht.

Wie ist Syrien bislang mit den Waffen umgegangen?

Die syrischen Chemiewaffen sind bisher noch nie zum Einsatz gekommen, auch nicht bei Konflikten mit Israel wie dem Libanonkrieg 1982. Der zur Opposition übergelaufene Ex-Botschafter Syriens im Irak, Nawaf Fares, hatte in der vergangenen Woche gesagt, Syriens Machthaber Baschar al-Assad könnte die Chemiewaffen gegen die Aufständischen einsetzen und habe dies womöglich schon getan. Am Montag dann erklärte Damaskus, die Waffen "niemals" gegen die syrische Bevölkerung einzusetzen, schloss aber einen Einsatz im Fall eines "ausländischen Angriffs" nicht aus.

Wie sind die internationalen Reaktionen angesichts der möglichen Gefahr durch die Waffen?

Die USA haben Syrien zuletzt aufgefordert, die Sicherheit bei der Lagerung der Chemiewaffen zu gewährleisten, andernfalls werde die internationale Gemeinschaft die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Israel zeigte sich insbesondere besorgt, sollten Chemiewaffen in den Wirren des Syrien-Konflikts der libanesischen Hisbollah-Miliz in die Hände fallen. Auch Jordaniens König Abdullah II. hatte gewarnt, das bereits in Syrien präsente Terrornetzwerk Al-Kaida könne von dem Chaos in Syrien profitieren und "schlimmstenfalls" an Chemiewaffen gelangen.

US-Präsident Barack Obama hatte den Einsatz von Giftgas als rote Linie bezeichnet und vor Konsequenzen gewarnt. In den USA wuchs am Donnerstag der Druck auf ihn, dem Taten folgen zu lassen. Der einflussreiche republikanische Senator John McCain forderte gezielte Luftangriffe auf syrische Luft- und Raketenstellungen. Die Untätigkeit der USA ermutige andere Staaten, ebenfalls hart gegen ihre Bürger vorzugehen, erklärte er.

Obama selbst begann am Donnerstag eine zweitägige Bustour im Nordosten der USA, um für seine Wirtschaftspläne zu werben. Dabei erwähnte er die Situation in Syrien zunächst mit keinem Wort. Sein Sprecher sagte, die Obamas Tour zeige, dass „der Präsident seine Prioritäten richtig setzt“, während er die Lage in Syrien verfolge. US-Generalstabschef Martin Dempsey sagte einen für Donnerstag geplanten Pressetermin ab.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

22.08.2013, 21:02 Uhr

Kaum sind die UN-Inspektoren im Land, da findet plötzlich ganz in der Nähe des Damaskuser Flughafens eine Giftgas-Angriff statt? Seltsam.

Assad wäre der Letzte, der derzeit Interesse daran hätte, daß seine Truppen ein Giftgasangriff durchführen - wo doch die USA auf einen Anlaß warten, einen Angriffskrieg zu starten (ganz nach dem Modell des 2. Irakkrieges: "weapons of mass destruction" - wir erinnern uns?). Zumal seine Truppen gerade GEWINNEN.

ALSO: das Motiv hat nicht Assad (außer er ist ein Selbstmörder) das Motiv haben definitiv die "Rebellen":

Hier eine sachlich historische Zusammenfassung der Giftgasangelegenheit in Syrien

http://www.youtube.com/watch?v=bSAMT5Pe15k

Hier ein Video, das offenbar "Rebellen" bei der Präparation eines Giftgas-Angriffs zeigt, in dem sie hilflosen Opfern (Geiseln) mit Spritzen Gift injezieren:

http://medien-luegen.blogspot.de/2013/08/aufgedeckt-syrischer-giftgasanschlag.html

Hier ein älterer Artikel vom Mai, als die "Giftgas"-Trommel schon einmal erklangen:

http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/05/terroristen-der-cia-mit-giftgas-erwischt.html

Die US-Administration bereitet offenbar zumindest die Bombadierung Syriens medial vor (eine sogenannte "Flugverbotszone"), wenn nicht gar einen vollständigen Angriff.
Das kann zu einem großen Krieg werden - denn es geht um viel, nicht nur für Syrien oder Iran sondern auch für RUSSLAND (und letztlich auch China).

Die USA (die Welt insgesamt) steht finanziell vor dem Kollaps. In solchen Fällen ist es üblich einen Krieg anzuzetteln, der die Katastrophe für die Bevölkerung "erklärt". Darüberhinaus ist dies für die USA die Gelegenheit "Full Spectrum Dominance" zu realisieren.

Wir sollten unsere Patriotkompanien aus diesem Gebiet zurückholen. Deutschen ist im Gegensatz zu den USA die Vorbereitung eines Angriffkriegs - AUCH UNTER VORWAND eines Natoverteidigungsfalles - VERBOTEN.
ICH HOFFE UNSERE REGIERUNG WEISS DIES!
Wir sollten uns hier keinesfalls hineinziehen lassen.

Rainer_J

22.08.2013, 21:07 Uhr

Ein paar Söldner, ein westlicher Geheimdienst oder der Mossad jagen in Syrien ein paar Gasgranaten in die Luft und schon schreit die NATO auf und überfällt das Land. So ist es doch im Irak gelaufen und mit Syrien wollen sie die gleiche Nummer abziehen.

Der Westen will Syrien unter seiner Kontrolle bringen. Das bringt eine Landverbindung bis nach Israel.

Deshalb will der Westen und Israel den Krieg gegen Syrien und ist auch für die Anschläge verantwortlich. Man muß nur fragen wem es nützt.

Rainer_J

22.08.2013, 21:10 Uhr

Zitat:"Kaum sind die UN-Inspektoren im Land, da findet plötzlich ganz in der Nähe des Damaskuser Flughafens eine Giftgas-Angriff statt? Seltsam."

Sehe ich auch so. Ich denke, der israelische Geheimdienst war das. Hat doch Israel das größte Interesse daran, dass der Westen gegen Syrien in den Krieg zieht.

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