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16.03.2016

14:00 Uhr

Syrien

Kurden wollen autonome Region ausrufen

Die syrischen Kurden streben die Selbstverwaltung in den von ihnen kontrollierten Gebieten an. Die Türkei will das nicht dulden. Sie befürchtet, dass sonst die Unabhägigkeits-Bestrebungen im eigenen Land bestärkt werden.

In der Türkei lebt ebenfalls eine große kurdische Minderheit, die seit Jahrzehnten um mehr Unabhängigkeit kämpft. AFP; Files; Francois Guillot

Recep Tayyip Erdogan

In der Türkei lebt ebenfalls eine große kurdische Minderheit, die seit Jahrzehnten um mehr Unabhängigkeit kämpft.

Damaskus/RmeilanDie syrischen Kurden wollen nach eigenen Angaben am Mittwoch eine autonome Region im Norden des Bürgerkriegslandes ausgerufen. Das geht aus einem Dokument hervor, das gegenwärtig auf einer Konferenz in der syrischen Stadt Rmeilan debattiert wird. Vorgesehen sind demnach Gebiete mit demokratischer Verwaltung, die Wirtschaft, Sicherheit und Verteidigung selbst in die Hand nehmen. „Die Föderation wird das Zusammenleben garantieren und sichern“, sagte Kurdensprecher Idriss Nassan der Deutschen Presse-Agentur. Die türkische Regierung hatte wiederholt gedroht, dass sie einen Kurdenstaat in Nordsyrien nicht dulden werde.

Aldar Chalil, ein Vertreter der syrischen Kurden und Mitorganisator der Konferenz, sagte, er gehe davon aus, dass dort ein neues politisches System beschlossen werde und dass ein „demokratischer Föderalismus“ das beste wäre. In dem Dokument wird es das Föderale Demokratische System von Rojawa-Nordsyrien genannt. Rojawa ist der kurdische Name für das Gebiet. Details würden später ausgearbeitet, sagte Chalil.

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Das Autonomiegebiet soll auch drei bereits existierende Selbstverwaltungen in Nordsyrien einschließen. Bestimmende politische Kraft in der Region ist die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD). Sie ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei. Die PYD kontrolliert weite Gebiete im Norden Syriens und führt diese faktisch bereits autonom.

Die Türkei erklärte, sie unterstütze die nationale Einheit Syriens. Jegliche Schritte zur Bildung einer Föderation seien ungültig. Die Bildung einer Regierung und die Schaffung von Verwaltungsstrukturen müssten von allen Teilen des syrischen Volkes zusammen mit einer neuen Verfassung beschlossen werden.

In der Türkei lebt ebenfalls eine große kurdische Minderheit, die seit Jahrzehnten um mehr Unabhängigkeit kämpft. Gegner dieses Anliegens fürchten, die Kurden könnten durch die Entwicklungen in Syrien in diesen Bestrebungen gestärkt werden.

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