Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2016

17:07 Uhr

Syrien

Luftangriffe treffen erneut Krankenhäuser

Im Kampf um Aleppo wurden erneut Krankenhäuser in den Rebellengebieten von Luftschlägen getroffen. Es wird davon ausgegangen, dass die Angriffe von syrischen Luftwaffe oder ihres Verbündeten Russland ausgeführt wurden.

Kampf um Aleppo

Geschosse in Schule und Kinderkrankenhaus eingeschlagen

Kampf um Aleppo: Geschosse in Schule und Kinderkrankenhaus eingeschlagen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

AleppoLuftschläge des syrischen Regimes und seiner Verbündeten haben weitere Krankenhäuser in den Rebellengebieten im nordsyrischen Aleppo getroffen. Unter den am Freitag angegriffenen Kliniken sei auch ein Kinderkrankenhaus gewesen, das bereits Mitte der Woche vom syrischen Regime bombardiert worden sei, teilte die Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) am Freitag mit. Fotos im Internet zeigten Betten der Einrichtung im Viertel Al-Schaar, die mit Trümmern bedeckt waren. Das Kinderkrankenhaus wird von Ärzte ohne Grenzen (MSF) unterstützt.

Neben einer weiteren Klinik, die bereits wiederholt angegriffen wurde, musste zudem ein wichtiges Krankenhaus für chirurgische Eingriffe seinen Betrieb nach einem Bombardement einstellen. Die Angestellten und Patienten seien in Sicherheit gebracht worden. Es wird davon ausgegangen, dass die Angriffe von der Luftwaffe der syrischen Regierung oder ihres Verbündeten Russland ausgeführt wurden.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass bei Angriffen auf den belagerten Ostteil Aleppos sowie westlich der Großstadt am Freitag zehn Zivilisten gestorben seien. Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen haben sich zu einer Kriegstaktik in Syrien entwickelt, mit der gezielt die Zivilbevölkerung getroffen werden soll.

Das steht in der Syrien-Vereinbarung von Lawrow und Kerry

Erstens

Russland und die USA rufen zu einer landesweiten Waffenruhe auf, die am 12. September zum Sonnenuntergang - Beginn des Eid-Festes - in Kraft tritt. Sie soll für 48 Stunden gelten und revolvierend jeweils um 48 Stunden verlängert werden.

Zweitens

Wenn die Waffenruhe nachhaltig eine Woche hält, werden die USA und Russland zusammenarbeiten, um Militärschläge gegen Al-Nusra vorzubereiten. Das soll über eine Koordinierungsstelle zur Umsetzung der Vereinbarungen geschehen, dem Joint Implementation Center (JIC).

Drittens

Vom Montag an soll die Einrichtung des JIC vorbereitet werden. Dazu wollen Russland und die USA Informationen über die Gebiete der Nusra und der Oppositionsgruppen in den Kampfzonen austauschen. Das JIC soll nach sieben Tagen Waffenruhe funktionsfähig sein. Dann sollen JIC-Experten - Militärs und andere - die Gebiete genauer abgrenzen und die Bekämpfung von IS und Al-Nusra koordinieren.

Viertens

Während der Waffenruhe soll freier Zugang zu belagerten oder schwer zugänglichen Orten für humanitäre Zwecke geschaffen werden.

Fünftens

Aleppo ist dabei ein Testfall. Beide Seiten sollen eine entmilitarisierte Zone um die Kastellstraße, eine wichtige Verkehrsachse in Aleppo, vereinbaren.

Sechstens

Für die USA ein „Grundstein des Abkommens“: Maßnahmen sollen die syrische Regierung dazu bringen, in den gemeinsam festgesetzten Gebieten, wo die Opposition präsent ist, keine Kampfeinsätze zu fliegen. In diesen Gebieten sollen laut Lawrow nur Russland und die USA Flugzeuge einsetzen dürfen. Das soll laut Kerry verhindern, dass Damaskus unter dem Vorwand, Al-Nusra anzugreifen, gemäßigte Rebellen bombardiert.

Siebtens

Russland und die USA werden einen politischen Übergang in Syrien erleichtern, der alleine den Krieg dauerhaft beenden kann.

Seit Dienstag haben die Angriffe auf den Osten Aleppos nach Wochen relativer Ruhe wieder mit voller Wucht eingesetzt. Mehr als 100 Menschen starben seitdem. Russland bestreitet, Angriffe auf Aleppo zu fliegen, in dem sich noch mindestens 250.000 Zivilisten befinden sollen. „Die russischen und syrischen Luftstreitkräfte sind in den Provinzen Idlib und Homs im Einsatz, um einem Rückzug des Islamischen Staates aus Mossul vorzubeugen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow beim Gipfel der Pazifik-Anrainerstaaten im peruanischen Lima.

Oxfam und andere Hilfsorganisationen hatten vor einer humanitären Katastrophe in Aleppo gewarnt, sollten die eingeschlossenen Zivilisten nicht baldmöglichst mit den Nötigsten versorgt werden.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×