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27.02.2016

14:36 Uhr

Syrien

Mehr als 60 Tote bei IS-Angriff auf Kurden

Seit fünf Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Eine Viertelmillion Menschen stirbt, ganze Regionen sind zerstört. Nun gibt es eine Waffenruhe. Doch Aktivisten berichten schon jetzt von Verstößen.

Frauen bahnen sich ihren Weg durch Trümmer in al-Shadadi in der syrischen  Hasaka-Prozinz Reuters

Hartes Leben in Ruinen

Frauen bahnen sich ihren Weg durch Trümmer in al-Shadadi in der syrischen Hasaka-Prozinz

DamaskusBei einem Angriff der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf kurdischen Einheiten im Norden Syriens sind mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Extremisten hätten am Samstag eine Offensive auf die Stadt Tel Abjad an der Grenze zur Türkei begonnen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dabei seien mindestens 45 IS-Anhänger sowie 20 Kämpfer der Kurdenmiliz YPG und ihrer Verbündeten getötet worden.

Die heftigen Gefechte gingen weiter. Zehn Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition hätten die Kurden unterstützt, erklärten die Menschenrechtsbeobachter. Bei der YPG handelt es sich um den bewaffneten syrischen Ableger der verbotenen türkischen Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Sie beherrscht in Nordsyrien große Gebiete. Die YPG ist ein wichtiger Verbündeter des Westens im Kampf gegen den IS.

Die Akteure im Syrien-Konflikt

Das Regime

Seit fast fünf Jahren tobt in Syrien ein auch von außen befeuerter Bürgerkrieg. Die Krise ist auch deshalb schwer zu lösen, weil es zahlreiche Akteure mit eigenen Interessen gibt. Zum Beispiel das Regime. Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte aber zuletzt dank massiver russischer und iranischer Hilfe Geländegewinne erzielen. Machthaber Assad lehnt einen Rücktritt ab.

Islamischer Staat

Die Terrormiliz IS ist die stärkste Kraft in Syrien neben der Regierung. Sie beherrscht im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Teilweise kooperieren sie mit der Al-Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Die Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul. In Damaskus sitzen zudem Oppositionsparteien, die vom Regime geduldet werden. Bei einer Konferenz in Riad einigten sich verschiedenen Gruppen auf die Bildung eines Hohen Komitees für Verhandlungen, dem aber einige prominente Vertreter der Opposition nicht angehören.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte kontrollieren mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime. Führende Kraft ist die Kurden-Partei PYD, Ableger der verbotenen Arbeiterpartei PKK.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien, ein Flugzeug zur Luftbetankung sowie die Fregatte „Augsburg“, die im Persischen Golf einen Flugzeugträger schützt. Washington unterstützt moderate Regimegegner.

Russland

Seit September fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. Moskau ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Regimes.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte Schiitenmiliz Hisbollah ist in Syrien im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern, dass Assad abtritt. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Zuletzt eskalierte der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten. (Quelle: dpa)

Zuvor hatte eine syrische Rebellengruppe den Regierungstruppen vorgeworfen, ungeachtet der Waffenruhe bei einem Angriff drei ihrer Kämpfer getötet zu haben. Der Vorstoß der Armee habe sich um 4.00 Uhr (Ortszeit) am frühen Samstagmorgen in Dschabal Turkman nahe der türkischen Grenze ereignet, sagte ein Sprecher der Ersten Küstendivision der Freien Syrischen Armee der Nachrichtenagentur Reuters. Der Angriff auf die Zweite Küstendivision sei eine Verletzung der Waffenruhe. „Im Moment hat das Regime den Angriff gestoppt“, sagte der Sprecher weiter. Syrische Regierungsvertreter waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Dschabal Turkman liegt im Nordwesten des Landes. Dort kämpft auch die radikale Nusra-Front, die wie die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) vom russisch-amerikanischen Waffenstillstand ausgeschlossen ist. Dem Rebellensprecher zufolge hatten die Islamisten jedoch keine Stellungen in der Nähe des Angriffsorts bezogen.

Im syrischen Bürgerkrieg gilt seit Freitagabend eine Feuerpause. Der oppositionsnahen Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte zufolge hielt der Waffenstillstand am Samstagmorgen zunächst weitgehend. Er soll es Hilfsorganisationen ermöglichen, Lebensmittel und Medikamente zur Zivilbevölkerung zu bringen. Die Vereinten Nationen hoffen zudem, dass sich Spielraum für eine Wiederaufnahme der auf Eis liegenden Friedensgespräche in Genf ergibt

Von

dpa

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