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01.03.2017

17:01 Uhr

Syrien

Mehrere Kriegsverbrechen bei Schlacht um Aleppo

Seit mehreren Monaten fallen fast täglich Bomben auf Aleppo. Ein Bericht der Uno führt nun detailliert die begangenen Kriegsverbrechen auf. Diese geschahen sowohl auf Seiten der Rebellen als auch der Regierung.

Die Kämpfe in Aleppo treffen vor allem die Bevölkerung. Reuters, Sascha Rheker

Syrien

Die Kämpfe in Aleppo treffen vor allem die Bevölkerung.

GenfWährend der Schlacht um Aleppo haben sowohl die Regierungstruppen als auch die Rebellen nach Angaben der Vereinten Nationen Kriegsverbrechen begangen. Das von den Aufständischen kontrollierte Gebiet im Osten der syrischen Großstadt sei zwischen Juli und der Eroberung am 22. Dezember täglich aus der Luft angegriffen worden, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der UN-Ermittler. Dichtbesiedelte Gebiete seien umfangreich mit Streumunition beschossen worden. Syrische und russische Kampfjets hätten zudem Freifallmunition eingesetzt, die über kein Lenksystem verfügt. Dazu zählten Luft-Boden-Raketen, Brandbomben, Fassbomben und mit giftigen Industriechemikalien bestückte Munition. Syrische Hubschrauber hätten auch Chlorgas freigesetzt.

Die Aufständischen wiederum hinderten dem Bericht nach Zivilisten daran, aus Ost-Aleppo zu fliehen, und nutzten sie als menschliche Schutzschilde. Auch griffen sie den Angaben nach kurdische Wohnviertel an und beschossen den von Zivilisten bewohnten und von der Regierung kontrollierten Westteil der Stadt.

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Die Ermittler geben explizit der syrischen Regierung die Schuld für den Luftangriff auf einen Hilfskonvoi der UN und des Syrischen Roten Halbmonds im September. Dieser sei „akribisch geplant und schonungslos ausgeführt“ worden. 14 Helfer wurden getötet. In vielen Fällen sei es aber unmöglich, genau festzustellen, wer für einzelne Taten verantwortlich sei, denn im untersuchten Zeitraum sei der „Himmel über Aleppo-Stadt und ihre Umgebung gemeinsam von der syrischen und der russischen Luftwaffe kontrolliert worden“. Dem russischen Militär schrieben die Ermittler keines der von ihnen untersuchten Kriegsverbrechen konkret zu.

Der Bericht fußt auf 291 Interviews mit Opfern und Zeugen, sowie kriminaltechnischen Analysen und Satellitenaufnahmen. Er erschien, während in Genf die Syrien-Friedensverhandlungen fortgesetzt wurden.

Von

rtr

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