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03.03.2012

13:38 Uhr

Syrien

Menschenrechtler sichten Beweise für Blutbad

Satellitenfotos belegen laut Human Rights Watch die verheerende Gewalt in Homs. Während Vertreter des Roten Kreuzes mit den Behörden um Hilfslieferungen ringen, tauchen neue Berichte von Gefechten und Hinrichtungen auf.

Ein Satellitenfotos von Ende Februar 2012 des Anbieters DigitalGlobe zeigt das großteils zerstörte Viertel Baba Amr in der syrischen Stadt Homs. dpa

Ein Satellitenfotos von Ende Februar 2012 des Anbieters DigitalGlobe zeigt das großteils zerstörte Viertel Baba Amr in der syrischen Stadt Homs.

New York/Beirut/Damaskus/AmmanDie blutige Gewalt in Syrien nimmt kein Ende. Aus den Protesthochburgen Homs, Idlib und Hama wurden am Samstag erneut Hinrichtungen sowie heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren gemeldet. Das oppositionelle syrische Netzwerk für Menschenrechte berichtete, dass 44 fahnenflüchtige Soldaten in der Provinz Idlib hingerichtet worden seien. Von unabhängiger Seite konnte dies zunächst nicht überprüft werden.

Bei einem Selbstmordanschlag in der Provinz Daraa kamen derweil mindestens zwei Menschen ums Leben. Wie die Nachrichtenagentur Sana berichtete, explodierte nahe der jordanischen Grenze am Samstag eine Autobombe. Nach Angaben der in London ansässigen syrischen Beobachtungsgruppe für Menschenrechte gab es dabei zwei Tote. Nähere Angaben zu dem Zwischenfall lagen nicht vor.

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Aus der Protesthochburg Homs meldeten Aktivisten ebenfalls Hinrichtungen. In dem Stadtteil Baba Amro werde die Bevölkerung weiterhin „terrorisiert“, sagte der Oppositionelle Abu Imad im Libanon. Aus dem Grund werde auch das Rote Kreuz nicht in das Gebiet gelassen, betonte er. Die syrischen Behörden hatten dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond auch am Freitag den Zugang zu notleidenden Menschen in dem Viertel versagt.

Satellitenfotos der wochenlang von Regierungstruppen beschossenen Stadt beweisen nach Ansicht von Menschenrechtlern, dass es dort ein Blutbad gegeben hat. „Die neuen Bilder und Augenzeugenberichte zeigen, dass durch den Beschuss weite Teile zerstört wurden, Hunderte Menschen starben und unzählige verletzt wurden“, hieß es am Freitag von Human Rights Watch (HRW) in New York. Die Organisation geht von 700 Toten in der Stadt seit Beginn der Offensive vor einem Monat aus. Insgesamt sind nach UN-Schätzungen mehr als 7500 Menschen seit Beginn des Aufstands gegen Assad vor einem Jahr getötet worden.

Die syrische Oppositionsgruppen im Überblick

Syrischer Nationalrat (SNC)

Der im August 2011 in Istanbul gegründete SNC gilt als größte und repräsentativste syrische Oppositionsgruppe. Ihren Vertretungsanspruch für die Belange der Opposition bezieht sie zum einen daraus, dass fast hundert ihrer insgesamt rund 230 Mitglieder in Syrien ansässig sind. Überdies bevorzugen die Regierungen in Washington und Paris den SNC als Ansprechpartner. Die Konferenz in Tunis könnte dazu führen, dass der Nationalrat international als „legitimer“, wenn auch nicht als einziger Repräsentant der syrischen Opposition anerkannt wird.

Im SNC sind Islamisten, vor allem Anhänger der Muslimbrüder, Liberale und Nationalisten vereint. Sein Vorsitzender ist der im französischen Exil lebende Oppositionelle Burhan Ghaliun, der sich für eine militärische Intervention in Syrien ausgesprochen hat. Seine Gegner werfen Ghaliun vor, er koordiniere seine Vorgehensweise nicht hinreichend mit den Kräften vor Ort.

Nationales Koordinierungskomitee für den demokratischen Wandel (NCB)

Das von Hassan Abdel Asim geleitete NCB vereint arabische Nationalisten, Kurden, Sozialisten und Marxisten sowie unabhängige Persönlichkeiten wie den Wirtschaftsexperten Aref Dalila. Das Komitee gründete sich Mitte September in der Nähe von Damaskus und wählte als Führungsgremium einen Zentralrat. Die Gruppierung ist strikt gegen eine Militärintervention von außen, ein Versuch einer Annäherung an den SNC scheiterte. Das NCB boykottiert die Konferenz in Tunis aus Protest gegen den Plan, den Nationalrat als Repräsentanten der syrischen Opposition anzuerkennen.

Örtliche Koordinierungskomitees (LCC)

Die Komitees sehen sich als Bestandteil des Nationalrates, in ihnen sind die Protestbewegungen aus einzelnen Städten und Stadtvierteln zusammengeschlossen. Die meisten ihrer Mitglieder sind junge Syrer ohne militante Vergangenheit, die sich über soziale Netzwerke wie Facebook organisieren und mit der Außenwelt unter anderem über den Internetdienst Skype kommunizieren. Sie organisieren ein System gegenseitiger Hilfsleistungen, etwa um Verletzte aus ihren Reihen außerhalb der von den Sicherheitskräften kontrollierten Krankenhäuser zu versorgen.

Syrische Koalition säkularer und demokratischer Kräfte (CSDF)

Die Koalition kam das erste Mal Mitte September in Paris zusammen. Sie strebt einen laizistischen Staat in Syrien an. Ihr gehören Vertreter von Kurdenparteien, der Assyrischen Kirche und sunnitische Muslime an. Die CSDF wendet sich gegen den starken Einfluss der Islamisten in der syrischen Oppositionsbewegung und will die Minderheiten in der Bevölkerung, vor allem die Christen, mobilisieren.

Syrischer Revolutionsausschuss (SRGC)

Der Mitte August gegründete SRGC strebt ein demokratisches Syrien an. Erklärtes Ziel der Gruppierung ist es, die Reihen der Opposition zu schließen und gemeinsam den Sturz Assads zu erzwingen.

Besonders betroffen sei das Wohngebiet Baba Amr, wo Artilleriebeschuss und Scharfschützen unzählige Opfer gefordert hätten. „Die Satellitenbilder und die Zeugenaussagen zeigen das Ausmaß einer ungezügelten Brutalität in Baba Amr“, sagte HRW-Nahostchefin Sarah Leah Whitson. Die Aufnahmen aus dem All, die aus einer zivilen Quelle stammten, zeigten 950 Krater von Granateneinschlägen in dem Viertel.

Whitson warf Russland und China vor, trotz des Blutbads jede Aktion des UN-Sicherheitsrates zu blockieren. „Moskau und Peking handeln nicht, obwohl die Menschen in Syrien Opfer von Zerstörung und Tod werden.“ Russland und China, die im Sicherheitsrat ein Vetorecht haben, verhindern bislang im höchsten UN-Gremium eine Resolution zur Verurteilung des Assad-Regimes.

Kommentare (6)

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kurzda

03.03.2012, 13:01 Uhr

"Die Aufnahmen aus dem All, die aus einer zivilen Quelle stammten, zeigten 950 Krater von Granateneinschlägen in dem Viertel."
Welche zivile Quelle liefert Satbilder aus dem All?
Wo auf dem Bild sind Zerstörungen zu sehen ?

Werden nur Kopie/Paster als Schreiberling beschäftigt ?

Simplicissimus

03.03.2012, 13:10 Uhr

Schonmal was von Google Earth gehört?

hangman

03.03.2012, 17:55 Uhr

Witz, Witz, Hurra!
Google braucht 2-3 Jahre bis die mal aktualisieren!

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