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10.04.2015

10:38 Uhr

Syrien

Neue Gefechte im „Todeslager“ Jarmuk

Als „tiefste Hölle“ im syrischen Horror bezeichnet Uno-Generalsekretär Ban das Flüchtlingslager bei Damaskus. 16.000 Palästinenser versuchen in der Ruinenstadt, eine humanitäre Katastrophe zu überleben.

18.000 Flüchtlinge gefangen

„Flüchtlingscamp ist der innerste Kreis der Hölle“

18.000 Flüchtlinge gefangen: „Flüchtlingscamp ist der innerste Kreis der Hölle“

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DamaskusPalästinensische Milizen haben sich im Flüchtlingslager Jarmuk am südlichen Stadtrand von Damaskus schwere Kämpfe mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geliefert. Syrische Regimekräfte hätten die islamistischen Extremisten zugleich mit Artillerie beschossen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mit. Über Tote und Verletzte gab es zunächst keine Angaben.

Jarmuk gleicht inzwischen einer Ruinenstadt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat mit drastischen Worten auf die „humanitäre Katastrophe von epischem Ausmaß“ aufmerksam gemacht. Im syrischen Horror sei das Flüchtlingslager Jarmuk die „tiefste Hölle“. „Ein Flüchtlingslager erinnert immer mehr an ein Todeslager“, sagte Ban am Donnerstag.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

Die rund 16.000 Menschen in dem Lager, darunter rund 3500 Kinder, würden als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht, sagte Ban weiter. „Wir können nicht einfach dastehen und zusehen, wie sich ein Massaker zuträgt. Wir dürfen die Menschen in Jarmuk nicht aufgeben.“

Die Palästinenser rückten nach eigenen Angaben bis in das Zentrum von Jarmuk vor. Die islamistischen Extremisten kontrollierten nur noch rund ein Drittel des Lagers, sagte ein Sprecher der Milizen der Deutschen Presse-Agentur. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. In den vergangenen Tagen hatte es geheißen, der IS habe rund 90 Prozent von Jarmuk unter Kontrolle gebracht.

Kommentare (6)

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Herr never mind

10.04.2015, 08:51 Uhr

was muss denn eigentlich noch geschehen bevor der Westen endgültig den Kampf gegen IS ernst nimmt und zwar mit allen verfügbaren Mitteln ?

Herr peter Spirat

10.04.2015, 09:31 Uhr

--@ Herr never mind

Sehr wahrscheinlich hat der "Westen" und ISrael die IS erst erfunden, damit sie das islamische System kollabieren lassen. Warum also sollten wir gegen diese Gottesgabe denn etwas unternehmen?

Herr Lung Wong

10.04.2015, 09:43 Uhr

Nicht gerade zimperlich, wie die Anhänger der "Religion des Friedens" miteinander umgehen. Da kann man anschaulich hochrechnen was den "Ungläubigen" blühen würde wenn die "Friedensstifter" nur könnten.

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