Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2012

01:28 Uhr

Syrien

Opferzahlen so hoch wie noch nie

Allein im August kamen bei den Gefechten zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen fast 5000 Menschen ums Leben. Der Westen will das Blutvergießen nicht länger erdulden, streitet aber weiterhin über das Wie.

Ein Mann geht durch eine zerstörte Siedlung in einem Vorort von Aleppo. dapd

Ein Mann geht durch eine zerstörte Siedlung in einem Vorort von Aleppo.

Beirut/DamaskusDer Bürgerkrieg in Syrien wird immer blutiger. Vor allem der vermehrte Einsatz der Luftwaffe und die schweren Gefechte in der Millionenmetropole Aleppo treiben die Opferzahlen in die Höhe. Allein in der vergangenen Woche kamen nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) mindestens 1.600 Menschen ums Leben. Zahlreiche Zivilisten seien bei Luftangriffe auf Wohngebiete getötet worden, sagte UNICEF-Sprecher Patrick McCormick am Sonntag unter Berufung auf Augenzeugen.

Auch zwei syrische Oppositionsgruppen meldeten einen massiven Anstieg der Opferzahlen. Demnach war der August mit rund 5.000 Toten der blutigste Monat seit Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar Assad vor 17 Monaten. 5.440 Menschen, unter ihnen 4.114 Zivilisten, seien im vergangenen Monat ums Leben gekommen, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Eine zweite Gruppe, die Örtlichen Koordinationskomitees, bezifferte die Zahl der Toten auf 4.933.

Der Appell des neuen internationalen Syrien-Gesandten Lakhdar Brahimi zum Gewaltverzicht blieb am Wochenende ohne Resonanz. In der Hauptstadt Damaskus gab es eine Reihe von Anschlägen. Im Zentrum detonierten am Sonntag zwei Bomben nahe den Büros des Generalstabs, in einem Vorort kamen am Vorabend bei einem Autobombenanschlag mindestens 15 Menschen ums Leben. Brahimi hatte bei seinem Amtsantritt am Samstag alle Konfliktparteien in Syrien zur Einstellung der Kämpfe aufgerufen.

Der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge griffen die Regierungstruppen am Sonntag erneut Rebellenhochburgen in und um Damaskus, in der Wirtschaftsmetropole Aleppo und der Provinz Idlib an der Grenze zu der Türkei an. In Kafr Batna, einem Vorort im Süden der Hauptstadt, seien drei Menschen im Stile von Hinrichtungen auf einem öffentlichen Platz getötet worden. Bereits am Samstag meldeten Aktivisten Straßenkämpfe in Aleppo und anderswo.

In der Ortschaft al Bukamal in der ölreichen Region Deir el Sur nahe der Grenze zum Irak eroberten Rebellen der Beobachtungsstelle zufolge eine Flugabwehrstellung. In einem Video waren Soldaten zu sehen, die sagten, sie seien gefangen genommen worden. Die Authentizität der Aufnahmen konnte nicht unabhängig bestätigt werden.

Syrien: Syriens Rebellen attackieren Militärflughäfen

Syrien

Rebellen attackieren Militärflughafen

Das neue Angriffsziel der syrischen Rebellen ist die Luftwaffe des Regimes.

Brahimi räumte am Samstag in einem Interview des Fernsehsenders al Arabija ein, noch keine konkreten Ideen zur Beilegung des Syrien-Konflikts zu haben. „Ich kann nichts tun, außer auf die Notwendigkeit für ein Ende der Gewalt und den Beginn eines politischen Prozesses zu bestehen, der glaubwürdig ist und dem syrischen Volk Frieden und Stabilität bringen kann“, sagte der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga. Da die Regierung und die Opposition nicht direkt miteinander verhandelten, könne er als Vermittler auftreten, sagte Brahimi.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Samstag in Moskau, die internationale Gemeinschaft sei zwar geeint in ihrem Wunsch, das Blutvergießen in Syrien zu beenden. Allerdings gebe es „recht ernsthafte Meinungsverschiedenheiten“, wie das zu erreichen sei. Die Länder, die einen militärischen Eingriff favorisierten, kritisierte er scharf.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rechner

03.09.2012, 00:34 Uhr

Der Westen will das Blutvergießen nicht länger erdulden?

Nachdem er es selber angezettelt hat?

Nachdem er den Terroristen fleißig propagandistische Unterstützung gewährt?

Und sie über seine saudischen Stellvertreter bewaffnet!

...

Soviel Lüge und Heuchelei in so wenigen Worten sind rekodverdächtig.

+++

"5.440 Menschen, unter ihnen 4.114 Zivilisten, seien im vergangenen Monat ums Leben gekommen, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Eine zweite Gruppe, die Örtlichen Koordinationskomitees, bezifferte die Zahl der Toten auf 4.933."

Die Glaubwürdigkeit dieser "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" mit ihrem Sitz in der Terroristenhochburg London sei 'mal dahingestellt.

Aber, selbst diese - typischerweise stark übertriebenen und verfälschten - Zahlen sind nichts im Vergleich zu den humanitären Kosten einer westlichen Befreiungsinvasion, wie man Sie im Irak beobachten konnte.

Kritiker

03.09.2012, 00:40 Uhr

Opferzahlen auf Allzeithoch?

Jetzt werden die Begriffe der Börsianer sogar auf Menschleben angewandt.

aus_der_politischen_Klippschule

03.09.2012, 04:46 Uhr

Wir lernen:
Eine Gute Revolution ist, bald 200.000 Tote für eine Arabellion inkauf zu nehmen. Die Mörder heißen in so einem Fall Freiheitskämpfer.
Eine Böse Revolution ist, bald 200.000 Tote gegen eine Arabellion inkauf zu nehmen. Die Mörder heißen in so einem Fall Unterdrückungskämpfer.

Daraus folgt für alle anderen Unbeteiligten anderen Staaten im Sicherheitsrat: das ist nicht hinnehmbar: erhöhen wir mit unseren geplanten Einsätzen die Anzahl der Toten um, sagenwirmal 200.000 Tote, von uns aus 300.000 Tote.

Das ist die neue asymmetrische Kriegführung: Wachstum wo man hinsieht.

Diese "Party" wird finanziert: von allen Steuerzahlern, in deren Namen dieses entsetzliche Gemetzel initiiert, implementiert und präsentiert wird und in deren Namen weltweit ein hochbezahltes Lumpenpack seinem Tun nachgehen darf ohne dass irgendjemand auf der Welt dagegen, außer mit weiteren Kriegen zur Vermeidung weiterer Kriege, dagegen einzuschreiten sich in der Lage zu sehen scheint.

Das, liebe Kinder gebt fein acht, das haben die Menschen sich selbst beigebracht.

Und morgen wird das alles mit Atomwaffen gegen andere Atomwaffen gespielt: und das macht diesen Leuten erst richtig Spaß.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×