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01.02.2012

08:05 Uhr

Syrien-Resolution blockiert

Moskau hält die Hand über Assad

VonOliver Bilger

Russland blockiert im Uno-Sicherheitsrat jede Syrien-Resolution und beliefert das Regime mit Waffen. Dabei verfolgt es eigene Interessen - bei einem Sturz Assads müsste Moskau auf Einfluss und Einnahmen verzichten.

Syrien-Resolution - Russland bleibt hart

Video: Syrien-Resolution - Russland bleibt hart

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MoskauRusslands Ablehnung gegen eine Syrien-Resolution kann kaum jemand besser erklären als Boris Obnossow. Obnossow ist kein Diplomat, er ist Chef des russischen Rüstungskonzerns TRW. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Ria Nowosti erzählte er am Dienstag, dass sein Unternehmen im vergangenen Jahr einen Schaden von 600 Millionen Euro hinnehmen musste – aufgrund gescheiterter Verträge mit Libyen. Insgesamt seien Russlands Rüstungsexporteuren wegen des Bürgerkrieges und der Sanktionen gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi etwa vier Milliarden US-Dollar Gewinn entgangen. Russland hatte sich im Sicherheitsrat damals gemeinsam mit China der Stimme enthalten und damit einen Nato-Einsatz in Nordafrika ermöglicht. Das Ende ist bekannt: Diktator Gaddafi wurde gestürzt. Für Russland ging ein wichtiger Geschäftspartner verloren.

Genau aus diesem Grund hat ein Vertreter Russlands in der Nacht zu Mittwoch im Uno-Sicherheitsrat eine Resolution verhindert, die den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zum Machtverzicht auffordern sollte.

„Moskau ist bemüht, eine Wiederholung des Libyen-Szenarios in Syrien zu verhindern und droht deshalb, bei der Abstimmung über den neuen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat vom Veto-Recht Gebrauch zu machen“, schreibt die Zeitung „Moskowskije Nowosti“. Ein Grund dafür ist die Rolle Russlands in der Region. Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat Moskau seinen Einfluss in Nordafrika und der arabischen Welt weitgehend eingebüßt. Nach dem Umsturz in Libyen bleiben als Verbündete nur noch Algerien und Syrien.

In der syrischen Hafenstadt Tartus unterhält Russland einen seiner wenigen ausländischen Marinestützpunkte. Weit stärker als politische dürften allerdings wirtschaftliche Interessen für Moskaus Haltung verantwortlich sein – die Interessen der Rüstungsindustrie.

Russland ist der zweitgrößte Waffenlieferant der Welt. Und Damaskus zählt zu seinen wichtigsten Kunden. Erst vor wenigen Tagen sorgte ein Frachter vor Zypern für Aufsehen, der 60 Tonnen Munition aus Russland nach Syrien liefern sollte. Kurz darauf wurde der Verkauf russischer Militärflugzeugen nach Syrien bekannt. Ungeachtet des Konfliktes erklärte Russland zuletzt mehrfach, seine Rüstungsverträge mit Damaskus einzuhalten.

Kommentare (10)

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Tim

31.01.2012, 20:29 Uhr

Wenn nichts anderes hilft, dann wird es knallhart gelogen.

"Das Ende ist bekannt: Diktator Gaddafi wurde gestürzt."

Gaddafi wurde ermordet. Diktator war er auch nicht.


"Für Russland ging ein wichtiger Geschäftspartner verloren."

Schauen wir doch auf die Waffenexport-Zahlen:

USA
Südkorea (14 %)
Australien (9 %)
Vereinigte Arabische Emirate (8 %)

Russland
Indien (33 %)
Volksrepublik China (23 %)
Algerien (13 %)

Deutschland
Griechenland (15 %)
Südafrika (11 %)
Türkei (10 %)

Frankreich
Singapur (23 %)
Vereinigte Arabische Emirate (16 %)
Griechenland (12 %)

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCstungsindustrie


Scheint so zu sein, dass Syrien gar nicht so wichtig für Russland ist. Vielmehr ist Griechenland wichtig für Deutschland und Frankreich.

Account gelöscht!

01.02.2012, 08:18 Uhr

Wenn man bedenkt, wie die Öffentlichkeit in Sachen Tunesien und Libyien beschwindelt wurde, um dort gewaltsam intervenieren zu können, beruhigt es ungemein, daß in der causa Syrien wenigstens der Russe einen kühlen Kopf behält.

omegalicht

01.02.2012, 08:31 Uhr

Lupenreine demokratische Staaten unter sich.
Vielleicht wachen die pol. Träumer in unserem Land auf.
Sicherheit nach innen und außen für Deutschland und die EU sind Lebensnotwendig.
Aus anderen mil. Abenteuern hat sich Deutschland raus zu halten.

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