Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2012

10:48 Uhr

Syrien

Rotes Kreuz holt Verletzte aus Kampfgebiet

Dem Roten Kreuz gelang es, 27 Verletzte aus der von syrischen Regierungstruppen belagerten Rebellenhochburg Homs zu holen. Nun wollen die Helfer eine täglich zweistündige Kampfpause aushandeln.

Syrische Demonstranten. dapd

Syrische Demonstranten.

Genf/AmmanNach wochenlangem Beschuss durch die syrische Armee haben Helfer erstmals Verletzte aus einem umkämpften Stadtteil der Rebellenhochburg Homs gebracht. Die Organisation Roter Halbmond habe zunächst sieben Frauen und Kinder in ein Krankenhaus in der Stadt begleitet, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Freitag in Genf mit.

Weitere 20 unverletzte Frauen und Kinder wurden demnach später in ein sicheres Gebiet gebracht. Es handele sich um einen ersten Schritt, sagte eine IKRK-Sprecherin. Sicherheitskräfte von Staatschef Baschar al-Assad töteten in Homs und anderen Regionen Syriens nach Darstellung von Oppositionellen allein am Freitag insgesamt 103 Menschen. Die meisten von ihnen seien Zivilisten gewesen.

Die IKRK-Sprecherin sagte, die Rettung von Schwerverletzten und Kranken aus dem umkämpften Viertel habe Vorrang. In dem Gebiet haben sich Gegner Assads verschanzt. Die Hilfsorganisation hofft, die Evakuierung am Samstag fortsetzen zu können. Das IKRK hatte mit der syrischen Regierung und der Oppositionellen über die Aktion verhandelt. Außerdem wolle man die syrischen Behörden um eine täglich zweistündige Kampfpause bitten, sagte eine weitere IKRK-Vertreterin. In dieser Zeit könnten Mitarbeiter in alle betroffenen Gebiete, darunter Homs, gehen, um dringend benötigte Hilfe zu übergeben.

In Baba Amro sind neben den Bewohnern und Kämpfern der Opposition auch ausländische Journalisten eingeschlossen, von denen zwei schwer verletzt sind. Die Reporter wollten das Viertel nicht ohne die Anwesenheit von IKRK-Vertretern und Diplomaten verlassen. Zudem verlangten sie eine Feuerpause, um Zivilisten die Flucht zu ermöglichen. Vor wenigen Tagen kamen in Homs zwei westliche Reporter ums Leben. Beim gewaltsamen Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte gegen Regierungskritiker sind am Freitag nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 50 Menschen getötet worden.

Chronologie der Unruhen in Syrien

18. März

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei werden laut Augenzeugen in Daraa im Süden des Landes mindestens fünf Menschen getötet. In Damaskus und anderen Städten demonstrieren mehrere tausend Menschen für Freiheitsrechte.

29. März

Die Regierung von Ministerpräsident Nadschi Otri tritt zurück.

30. März

In seiner ersten Rede seit Beginn der Proteste stellt Assad die Protestwelle als „ausländische Verschwörung“ dar.

14. April

Assad ernennt eine neue Regierung. Neuer Regierungschef ist der frühere Landwirtschaftsminister Adel Safar.

21. April

Assad hebt den seit 48 Jahren geltenden Ausnahmezustand auf. Er löst die berüchtigten Staatssicherheitsgerichte auf.

22. April

Mehr als 100 000 Menschen gehen auf die Straße und fordern ein Ende der Gewaltherrschaft. Das Regime antwortet mit Brutalität. Mindestens 112 Demonstranten werden getötet.

25. April

Das Regime verschärft mit einem großen Militäreinsatz das Vorgehen gegen Regimegegner im Süden. Nach Angaben aus der Protestbewegung werden mindestens 39 Menschen getötet.

29. April

Bei Demonstrationen im ganzen Land kommen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen Dutzende Menschen ums Leben. Die USA fordern ein Ende der Gewalt und verhängen Sanktionen gegen das Assad-Regime.

Mai - Monat der Sanktionen

Am 6. Mai verhängt die EU Sanktionen gegen die syrische Regierung. Am 18. Mai verschärfen USA und EU ihre Sanktionen. Getroffen werden sollen Assad und andere Regimegrößen. Schließlich erlässt die EU am 23. Mai ein Einreiseverbot gegen Assad.

6. Juni

Bei Unruhen im Nordwesten Syriens werden nach Angaben des Assad-Regimes mindestens 80 Soldaten und Polizisten getötet. Im Staatsfernsehen ist sogar von bis zu 123 Toten die Rede.

9. Juni

Die UN teilen mit, dass bei den Unruhen seit März bislang mehr als 1100 Menschen getötet und bis zu 10 000 verhaftet wurden.

10. Juni

Die syrische Armee beginnt einen Großeinsatz in der Provinz Idlib. Tausende fliehen über die türkische Grenze. Die Militäroffensive dauert in den folgenden Tagen an.

21. Juni

Assad verkündet eine Amnestie, die für Taten gelten soll, die vor dem 21. Juni begangen wurden. Faktisch handelt es sich um die Ausweitung einer bereits Ende Mai von Assad angekündigten Amnestie.

24. Juni

Die EU friert die Vermögenswerte von 30 Personen aus dem Assad-Regime ein und verhängt Einreiseverbote gegen sie. Später werden die Sanktionen gegen Syrien erneut verschärft.

31. Juli

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama, laut Opposition sterben dabei mindestens 100 Menschen.

3. August

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine Verurteilung des Regimes. Das Papier hat aber nur den Status einer Präsidentiellen Erklärung und ist damit weniger gewichtig als eine Resolution.

7. August

Nach UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Papst Benedikt XVI. und führenden westlichen Politikern ruft auch der saudische König Abdullah zu raschen und radikalen Reformen in Syrien auf. Auch arabische Staaten fordern ein Ende der Gewalt.

13. August

Syrische Truppen setzen ihre Offensiven in mehreren Landesteilen fort. Auch Kriegsschiffe sind im Einsatz.

18. August

Assad verkündet das Ende der Einsätze von Militär und Polizei gegen Oppositionelle.

24. März

Die Führung kündigt umfassende Reformen an.

Allein in der Protesthochburg Homs seien 22 Zivilisten getötet worden, berichtete am späten Abend die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In der Provinz Hama im Zentrum des Landes seien bei Militäreinsätzen 18 Menschen getötet worden, darunter mindestens drei Kinder. Auch in anderen Landesteilen kam es zu Gewalt, insgesamt starben den Angaben zufolge mindestens 53 Menschen.

Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte weiter berichtete, gingen am Freitag landesweit erneut zehntausende Menschen gegen Präsident Baschar al-Assad auf die Straße. Der Staatschef sieht sich seit Monaten heftigen Protesten ausgesetzt, die er von seinen Sicherheitskräften mit brutaler Gewalt niederschlagen lässt. In Tunesien hatte sich am Freitag erstmals die Syrien-Kontaktgruppe getroffen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Andreas

25.02.2012, 12:49 Uhr

So jetzt muss ich dich unterbrechen:
Die Freunde Syriens - hast erstmal die Größe gesehen? Hast die Menge an Konferenzteilnehmern gesehen alles?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×