Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2017

11:07 Uhr

Syrien

Russisches Militär greift mit Marschflugkörpern an

Russland setzt vom Mittelmeer aus schweres Geschütz gegen die Terrormiliz IS ein. Getroffen wurden laut Verteidigungsministerium IS-Mitglieder und Waffen im Raum Palymra. Das Gebiet ist weiter umkämpft.

Die antiken Stätten in Palmyra sind Schauplatz der Kämpfe. Reuters

Syrien

Die antiken Stätten in Palmyra sind Schauplatz der Kämpfe.

MoskauRussische Kriegsschiffe im Mittelmeer haben vier Marschflugkörper auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien abgefeuert. Dies gaben die russischen Streitkräfte am Mittwoch bekannt. Die Fregatte „Admiral Essen“ und das U-Boot „Krasnodar“ hätten mit den Raketen IS-Ziele im Raum Palmyra beschossen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Wann die Marschflugkörper abgefeuert wurden, teilte das Ministerium nicht mit.

Getroffen worden seien schwere Waffen und Kämpfer, die die Terrormiliz von ihrer Hochburg Al-Rakka nach Palmyra verlegt habe. Die Streitkräfte der USA, der Türkei und Israels seien vorab über den bevorstehenden Angriff informiert worden, teilte das Ministerium weiter mit.

Die wichtigsten Akteure im Syrien-Krieg

Regierung

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

Rebellen

Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Scham und Dschaisch al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Dschaisch al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

Politische Opposition

Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-Kaida

Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Scham-Front (Ex-Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

Die Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

Russland

Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

Iran

Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

Die Türkei

Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge über Syrien und ein Flugzeug zur Luftbetankung. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, seit 2015 auch mit Luftangriffen. Mithilfe russischer Luftunterstützung eroberten syrische Truppen Palmyra im März letzten Jahres vom IS zurück. Acht Monate später nahm der IS die Stadt und ihre antiken Stätten wieder ein, im März dieses Jahres wurde er von syrischen Regierungstruppen erneut vertrieben. Die Kämpfe um Palmyra dauern an.

Russland vermittelt zwischen Assad einerseits und der Türkei und dem Westen andererseits, die den Abgang des syrischen Präsidenten fordern. Anfang des Monats vereinbarten Russland, der Iran und die Türkei die Einrichtung von Schutzzonen in Syrien. Dem russischen Plan zufolge soll Assads Luftwaffe diese Zonen nicht mehr überfliegen. Karten mit der genauen Lage der Schutzzone sollen bis zum 4. Juni erstellt werden.

Von

ap

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×